Sonntag, 05. März 2017

Druck auf EZB-Präsident Draghi erhöht sich

Vor allem aus Deutschland werden Rufe lauter, die Notenbank solle allmählich den Ausstieg aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik einleiten. Doch Volkswirte erwarten nicht, dass der EZB-Rat bereits auf seiner Sitzung am Donnerstag in Frankfurt diesen Forderungen nachkommt.

Vor allem aus Deutschland werden Rufe lauter, die Notenbank solle allmählich den Ausstieg aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik einleiten.
Vor allem aus Deutschland werden Rufe lauter, die Notenbank solle allmählich den Ausstieg aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik einleiten. - Foto: © APA/AFP

„Es ist immer noch zu früh für die EZB, dem Beispiel der US-Notenbank Fed zu folgen und zu einer weniger lockeren Ausrichtung überzugehen“, meint der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Auch an den Leitzinsen werden die Euro-Wächter wohl nicht rütteln, die seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen.

Im Februar war die Preissteigerung im Währungsraum auf 2,0 Prozent nach oben geschossen. Damit wurde erstmals seit etwa vier Jahren wieder das Inflationsziel der Euro-Wächter von knapp unter zwei Prozent übertroffen.

Schon im Jänner war die Teuerungsrate mit 1,8 Prozent an die Zielmarke herangerückt. Der Deutsche-Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zufolge könnte die Inflation im Gesamtjahr nun etwa einen halben Prozentpunkt stärker ausfallen als die bisher von der EZB erwarteten 1,3 Prozent. Neue Inflationsvorhersagen der EZB-Ökonomen sollen zur Zinssitzung am Donnerstag vorliegen.

Für den EZB-Chef dürfte das Ratstreffen deshalb ein Drahtseilakt werden. „Wir glauben, dass EZB-Präsident Draghi seine gesamten Kommunikationsfähigkeiten aufbieten muss, um Vorschläge zurückzudrängen, die EZB solle zu einer strafferen Haltung übergehen“, sagt Volkswirt Reinhard Cluse von der Schweizer Großbank UBS. Laut Zinsexperte Christian Reicherter von der deutschen DZ Bank wird Draghi wohl darauf verweisen, dass der gegenwärtige Inflationsschub wohl nur von temporärer Natur sei. Die Teuerungsrate ist vor allem wegen der im Vorjahresvergleich gestiegenen Ölpreise in die Höhe geschnellt: Ein Fass Rohöl der Sorte Brent ist derzeit etwa doppelt so teuer wie Anfang 2016.

Um die Konjunktur anzuschieben und um für mehr Inflation zu sorgen, pumpt die Euro-Notenbank seit März 2015 mit dem Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem. Geldhäuser sollen so bewegt werden, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Erst im Dezember verlängerten Draghi & Co die in Deutschland umstrittenen Käufe um neun Monate bis Ende 2017. Dadurch steigt das Gesamtvolumen der Transaktionen bis zum Programm-Ende auf 2,28 Billionen Euro an.

apa/reuters

stol