Unmut bei Südtirols Biobauern: 2 Verwaltungsräte bei Vermarktungsgenossenschaft Biosüdtirol sind zurückgetreten. <BR /><BR /><BR /><BR />Bei Südtirols Bio-Bauern brodelt es. Und zwar so sehr, dass vergangene Woche 2 Verwaltungsräte der Genossenschaft Biosüdtirol offenbar keinen anderen Ausweg mehr sahen, als zurückzutreten. Hintergrund sind die enttäuschenden Auszahlungspreise für die Äpfel der Ernte 2020, die für einzelne Sorten um bis zu 50 Prozent einbrachen. <BR /><BR />Biosüdtirol ist die wichtigste Vermarktungsgenossenschaft von Bioäpfeln im Einzugsgebiet Burggrafenamt, Etschtal, Unterland, Eisacktal. An die 300 Obstbauern beliefern die Genossenschaft mit ihren Früchten. Von schlechter Stimmung war bislang im Bio-Lager wenig zu spüren. Doch das änderte sich mit den Erträgen aus 2020, die heuer verteilt wurden, schlagartig. Einige Sorten verzeichneten kräftige Rückgänge: Bei Golden Delicious lag das Auszahlungs-Minus bei 30 Prozent (7,2 Prozent der Erntemenge), ebenso bei Braeburn (13,2 Prozent). Bei Goldrush (0,7) und Pilot (0,35 Prozent) wurde gar nur halb so viel ausbezahlt wie im Jahr davor. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="704081_image" /></div> <BR />Unmut machte sich breit, ob der „nicht zufriedenstellenden“ Preise. 2 Mitglieder des Verwaltungsrates, Hubert Ebner und Josef Unterfrauner verabschiedeten sich aus dem Gremium, da sie offenbar „die Grundausrichtung der Genossenschaft nicht mehr teilen“. Bei Ebner kamen noch „persönliche Gründe“ dazu, wie er auf Nachfrage erklärt. Mehr wolle er dazu öffentlich nicht sagen.<BR /><BR /> „Natürlich sind die Ergebnisse bei manchen Sorten nicht zufriedenstellend, da brauchen wir gar nicht diskutieren. Aber dafür gibt es Gründe, die darf man nicht außer Acht lassen“, sagt Bernhard Lösch, Obmann von Biosüdtirol. <BR /><BR /><b>70 Prozent mehr Tafelware geerntet</b><BR /><BR />Zu den Gründen gehört laut Lösch der starke Produktionsanstieg – innerhalb der Genossenschaftsmitglieder und am Markt. „Die Anbaufläche von Biosüdtirol stieg in den vergangenen Jahren von 600 auf 1000 Hektar an, die produzierte Menge erreichte zuletzt an die 40.000 Tonnen, insgesamt werden in Südtirol knapp 100.000 Tonnen Bio-Äpfel geerntet, rund 10 Prozent der gesamten Apfelernte Südtirols. Europaweit lag die Menge 2020 um 30 Prozent über dem Niveau des Jahres 2019, bei Biosüdtirol stieg die Erntemenge der Tafelware 2020 im Vergleich zu 2019 um 70 Prozent an.“ Gleichzeitig wisse man, dass die Nachfrage am Biomarkt jährlich „nur“ um rund 7 Prozent wachse. <BR /><BR />Die Folge war laut Lösch, dass der Preisdruck enorm zugenommen hat und letztlich deutlich weniger je Apfel fürs Mitglied herausgeholt werden konnte. „Wobei uns das Ausmaß schon auch überrascht hat. Festhalten muss man jedoch, dass nicht alle Sorten in gleichem Maße unter den Preisabschlägen litten. Besonders neuere Sorten wie Natyra (0,6 Prozent der Ernte) aber auch etablierte wie Pink Lady (7,5 Prozent der Ernte) und Gala (42,4 Prozent der Ernte) konnten den Preis halten.“ <BR /><BR />Alles in allem befinde sich der Biomarkt in einer Phase der Anpassung: „Angebot und Nachfrage müssen sich noch finden. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass es 2 bis 4 Jahre braucht, bis sich der Markt neu einpendelt. Diese Zeit gilt es zu überbrücken. Angenehm ist die aktuelle Phase für niemanden, aber sie gehört eben auch dazu.“ <BR /><BR /><b>Gute Jahre hinter sich</b><BR /><BR />Der Bio-Bereich habe einige sehr gute Jahre hinter sich: „Seit 2012, und vor allem in den Jahren bis 2017, ging es immer nur steil aufwärts, jetzt befinden wir uns in einer Konsolidierung. Das heißt nicht, dass Bioäpfel keine Zukunft hätten. Ganz im Gegenteil.“ <BR /><BR />Welche Lehre zieht man nun aus diesem schwarzen Bio-Jahr? „Wir werden weiter und noch stärker als bisher in Richtung Ganzjahresvermarktung gehen. Weil, wenn es uns gelingt, das Vermarktungsfenster auszuweiten, entziehen wir uns zumindest teilweise dem hohen Druck. Wir müssen nicht alles binnen kürzester Zeit verkaufen. Zudem werden wir die Bauern ermutigen, bei den Sorten stärker zu diversifizieren. Wer alles auf wenige Sorten setzt, der ist den Marktschwankungen voll ausgesetzt. Das ist nicht klug.“ Zudem würden einige der neueren Sorten Vorteile aufweisen in Bezug auf die Lagerfähigkeit und die Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten, vor allem Schorf. <BR /><BR />Dass viele Mitglieder aus der Bio-Genossenschaft austreten oder wieder auf die konventionelle Anbauweise umsatteln könnten, hält Lösch für unwahrscheinlich. „Die Umstellung auf den biologischen Anbau beginnt im Kopf und führt erst danach zur Umstellung in der Wiese. Wenn jemand wirklich von der Bio-Produktion überzeugt ist, lässt er sich von den Entwicklungen des letzten Jahres nicht beunruhigen, da sie sich wieder rechnen wird.“ <BR /><BR />Übrigens: Unterfrauner und Ebner sind zwar als Verwaltungsräte zurückgetreten, aber nach wie vor Mitglieder von Biosüdtirol. Ihre Plätze im Verwaltungsrat werden indes nicht nachbesetzt: „Im nächsten Jahr wird ohnehin neu gewählt“, so Lösch.