Der Hintergrund: Seit Jänner 2025 müssen alle Banken und Zahlungsdienstleister Sofortüberweisungen im Eingang akzeptieren, ab Oktober 2025 auch im Ausgang anbieten. Ziel der sogenannten Instant-Payments-Verordnung ist es, sichere und blitzschnelle Zahlungen zum neuen Standard im europäischen Binnenmarkt zu machen. Doch mit der Geschwindigkeit wächst auch die Verantwortung – für Banken wie für Nutzerinnen und Nutzer. <h3> Einziges Merkmal ist die IBAN</h3>Viele Bankkunden in Südtirol können Echtzeitüberweisungen bereits über das Online-Banking nutzen. „Sie sind so konzipiert, dass sie innerhalb von zehn Sekunden auf dem Empfängerkonto ankommen“, erklärt Christian Huber, Leiter der Abteilung Banking & Digital Payments bei der Südtiroler Sparkasse. „Die Durchführung erfolgt ohne Zeitverzögerung. Einziges Merkmal, das derzeit technisch geprüft wird, ist die IBAN.“<BR /><BR />Und genau darin liegt die Herausforderung: Wer Geld per Echtzeitüberweisung versendet, kann den Vorgang nicht mehr rückgängig machen. Wurde es an eine falsche oder gar betrügerische Person überwiesen – etwa infolge von Phishing oder gefälschten Zahlungsaufforderungen – ist das Geld in der Regel verloren. <BR /><BR />Die Bank kann in solchen Fällen nicht mehr eingreifen. Nur wenn der Empfänger einem Rückruf freiwillig zustimmt, besteht eine Chance – was bei Betrugsfällen so gut wie nie vorkommt. <BR /><BR />Bei herkömmlichen Überweisungen hingegen vergeht zwischen Auftrag und Ausführung in der Regel ein halber bis ganzer Werktag – in diesem Zeitraum kann eine fehlerhafte Überweisung oft noch gestoppt oder zurückgerufen werden.<h3> Mehr Sicherheit durch Abgleich</h3>Ab Oktober 2025 soll eine wichtige Neuerung mehr Sicherheit bringen: Neben der IBAN wird künftig auch der Name des Empfängers technisch abgeglichen. Stimmen die Angaben nicht überein, wird die Überweisung blockiert.<BR /><BR />„In der Vergangenheit war es für Betrüger möglich, Fantasienamen anzugeben – von Prominenten bis hin zu völlig erfundenen Personen. Einmal wurde sogar der Name des Papstes verwendet“, erzählt Huber. „Für die Betroffenen war das besonders entwürdigend.“ <BR /><BR />Solche Maschen sollen künftig unterbunden werden. Absolute Sicherheit gibt es dennoch nicht: „Ein cleverer Betrüger eröffnet einfach ein Konto unter gestohlener Identität – dann stimmen IBAN und Name, obwohl Betrug vorliegt“, warnt Huber. „Der Namensabgleich ist ein zusätzlicher Schutz, aber keine endgültige Lösung“, sagt er.<BR /><BR />Trotz aller Risiken sieht der Sparkassen-Experte die neue Zahlungsmethode als wichtigen Schritt: „Ich möchte Echtzeitüberweisungen keinesfalls verteufeln – sie sind die Zukunft. Spätestens ab Oktober, wenn alle Banken im Ein- und Ausgang Echtzeittransfers unterstützen müssen, wird sich dieses Format flächendeckend durchsetzen. Nur sollte man eben auch Risiken einschätzen lernen.“<h3> „Immer neue Betrügereien“</h3> Die kriminellen Machenschaften entwickeln sich ständig weiter. „Vor 15 Jahren waren es manipulierte SIM-Karten, dann war es Kreditkartenbetrug. Heute sind es vor allem Echtzeitüberweisungen oder Überweisungen insgesamt.“<BR /><BR />Eine besonders perfide Betrugsvariante hat in den letzten Monaten für Aufsehen gesorgt. „Die Masche beginnt oft mit einer scheinbar harmlosen E-Mail oder SMS: Darin wird gewarnt, es gebe eine verdächtige Überweisung vom Konto, und man solle eine bestimmte Telefonnummer anrufen, falls man diese nicht selbst getätigt habe. Am anderen Ende meldet sich ein angeblicher Mitarbeiter der Bank, von Nexi oder eines Finanzdienstleisters. Im Gespräch wird dem Opfer glaubhaft vermittelt, das Konto sei kompromittiert“, so der Experte.<BR /><BR />Kurz darauf folge ein zweiter Anruf – diesmal angeblich von der Postpolizei oder einer anderen Behörde. Der Anrufer rate dringend, das Guthaben auf ein „sicheres Behördenkonto“ zu überweisen – in Wahrheit handle es sich um ein vom Betrüger eröffnetes Konto.<BR /><BR />Weil viele Banken mittlerweile aktiv vor solchen Betrügereien warnen, greifen die Täter zu einem weiteren Trick: Sie behaupten, in der Bankfiliale seien Mitarbeiter selbst in die Machenschaften verwickelt – deshalb solle sich das Opfer nicht beirren lassen, wenn jemand von einer Überweisung abrate.<BR /><BR />„Das Gefährliche daran ist: Nicht der Betrüger löst die Überweisung aus – sondern der Kunde selbst. Deshalb greifen auch keine Sicherheitsmechanismen oder Zwei-Faktor-Abfragen“, warnt Huber. „Der psychologische Druck ist hoch – und leider fallen immer wieder auch erfahrene Kunden auf diese Täuschungen herein.“