Im Herbst des vergangenen Jahres hatte Rom kurzfristig besonders großzügige Förderungen für E-Autos auf den Weg gebracht, um noch verfügbare Mittel aus dem Wiederaufbaufonds PNRR in Höhe von 700 Millionen Euro zu nutzen. Wer ein altes Fahrzeug verschrottete und ein niedriges Haushaltseinkommen (ISEE) nachwies, konnte sich über ein digitales Voucher-System Prämien von bis zu 11.000 Euro sichern. Die Nachfrage wurde dadurch sehr stark angekurbelt – allerdings zu einem hohen Preis, den vor allem die Händler zahlen mussten bzw. bis heute zahlen.<h3> „Es geht da um Millionenbeträge“</h3>„Für uns ist das eine Katastrophe“, sagt Lukas Baumgartner, CEO der Autoindustriale Mobility Group (Mercedes, Renault, Dacia). Für ihn ist die Rolle, in die der Handel gedrängt wurde, untragbar. Das Problem lag laut Baumgartner von Anfang an im System des direkten Preisabzugs („Sconto in fattura“). „Wir mussten den Rabatt, und diesmal war er besonders hoch, sofort gewähren. Das Geld sollten wir uns später vom Staat zurückholen. Wir haben also Bank für Rom gespielt. Und auf das Geld warten wir bis heute.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-74394548_quote" /><BR /><BR />Es gehe um Millionenbeträge, bestätigt auch Ivo Barchetti, Präsident der Barchetti-Gruppe (unter anderem BMW, Fiat, Ford und Toyota), gegenüber den „Dolomiten“. „Wenn unsere Marge auf ein Auto nur wenige tausend Euro beträgt, der staatliche Rabatt aber bis zu 11.000 Euro ausmacht, entsteht eine gewaltige Lücke“, so Barchetti. „Um den Rabatt für den Staat überhaupt vorfinanzieren zu können, mussten wir Überbrückungsfinanzierungen samt Zinsen aufnehmen – mit entsprechenden Mehrkosten und zusätzlichem Aufwand.“ Die allermeisten Fahrzeuge seien zwischen November und Jänner zugelassen worden.<h3> Warum das Geld nicht fließt</h3>Dass das Geld bis heute nicht fließt, liegt laut Barchetti an den Vorgaben und am zuständigen Ministerium. Während früher meist das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung MISE – heute MIMIT – verantwortlich war, ist diesmal das Umweltministerium MASE am Zug. „Man hat uns mitgeteilt, dass man in Rom mit der Überprüfung der Anträge stark im Verzug ist. Kein Wunder: Die Vorgaben waren extrem kompliziert – nur gewisse Automodelle, strikte ISEE-Grenzen und die Beschränkung auf bestimmte Gemeinden.“<BR /><BR />Der gesamtstaatliche Branchenverband Federauto drängt in Rom seit Längerem auf eine Lösung, konkrete Zusagen gibt es bisher aber nicht. <BR /><BR />Offen ist auch, was bei Fehlern passiert. „Was, wenn sich im Laufe der Kontrollen herausstellt, dass die ISEE-Erklärung nicht stimmt oder Vermögen nicht angegeben wurde und jemand eigentlich über der Grenze liegt? Muss die Förderung dann zurückgezahlt werden – oder bleiben am Ende wir darauf sitzen?“<h3> „Endlich strukturelle Förderungen“</h3>So könne es jedenfalls nicht weitergehen, sagt Baumgartner. Die Ära kurzfristiger „Click-Day“-Förderungen müsse enden. Das aktuelle System, bei dem Fördertöpfe binnen 24 Stunden leergefegt sind und Händler monatelang auf ihr Geld warten, nütze niemandem. <BR /><BR /><embed id="dtext86-74394544_quote" /><BR /><BR />„Es ist im Interesse aller – Bürger, Händler und Hersteller –, wenn die Elektrifizierung endlich strukturell gefördert wird: klar, einfach und für alle Beteiligten planbar.“ Die Landesförderungen seien dafür ein gutes Beispiel.