Montag, 30. November 2020

Kaufmann Rizzolli: „Versagen mit Feigenblattpolitik kaschiert“

Am heutigen Montag durften die Südtiroler Geschäfte wieder aufsperren. Der Ansturm der Kunden ist aber ausgeblieben: „Unter den Lauben ist gähnende Leere“, sagt Kaufmann Thomas Rizzolli, Bozner Ortsobmann im Handels- und Dienstleistungsverband.

Wenig los ist unter den Bozner Lauben – auch wenn die Geschäfte seit dem heutigen Montag wieder geöffnet sind.
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Wenig los ist unter den Bozner Lauben – auch wenn die Geschäfte seit dem heutigen Montag wieder geöffnet sind. - Foto: © DLife/Matteo Groppo
„Wir sitzen vor vollen Regalen in leeren Geschäften“, sagt Thomas Rizzolli. Die Kaufleute seien die „Prügelknaben“ für Versagen an anderer Stelle, klagt er. „Es hat im Handel keinen Hotspot gegeben. Wir sind alle sehr enttäuscht. Wenn man sich an alle Regeln hält und nachweislich nicht für das Infektionsgeschehen verantwortlich ist: Warum mussten dann wir schließen?“



„Feigenblattpolitik“ ortet Rizzolli: „Wenn jemand allen Ernstes behauptet, wir würden jetzt die Rechnung für Ferragosto zahlen, dann muss ich lachen. Am 1. Oktober hatten wir keine 30 Infizierten. Ferragosto war 2 Monate vorher. Da hat es wohl offensichtlich Defizite beim Tracking gegeben.“ Dass die Gesundheit an erster Stelle stehe, sei jedem bewusst. Aber ohne organisatorisches Versagen wäre die Infizierten-Zahl im Oktober wohl nicht innerhalb kürzester Zeit auf 700 gestiegen.

Rizzolli: „Die, die den Schaden verursacht haben, sitzen mit vollem Gehalt bei der Arbeit: Meine Mitarbeiter sind in der Lohnausgleichskasse und bekommen statt 1500 Euro 500 Euro, 6 Monate lang; und wir haben ein volles Warenlager.“

Ohne Touristen wird das Weihnachtsgeschäft mager

Damit die Kunden nun doch noch kämen, dafür brauche es Anreize. Der 24. Dezember allein genüge als solcher nicht.

„Ab Freitag darf der italienische Gast nach Südtirol. Auf dem italienischen Markt müssten IDM oder Stadtgemeinde nun schnell und massiv werben.“ Auch ohne Christkindlmarkt sei Bozen eine attraktive Destination. „Man kann wandern, man kann einkaufen, die frische Luft genießen...“, sagt Rizzolli und kritisiert gleichzeitig: „Dass man kein Après-Ski macht, kann ich nachvollziehen. Aber mehr frische Luft als beim Skifahren gibt es nirgends. Die eigene Hilflosigkeit wird hier mit Feigenblattpolitik kaschiert.“

kn