Auf tausende Arbeitskräfte, die in Südtirol dringend benötigt würden, könne nicht zurückgegriffen werden, kritisierte Hotelier Heinrich Dorfer kürzlich im Interview. Dem pflichtet Stefan Luther bei. Nur: „In Südtirol reichen die Ressourcen in der Arbeitsvermittlung bei weitem nicht aus, um das Problem zu beheben.“<BR /><BR />Die Ausgangslage ist klar: „Südtirol steuert auf einen immer akuter werdenden Arbeitskräftemangel zu. Dabei muss man grundsätzlich unterscheiden zwischen spezifischen, teils hochspezialisierten Profilen, die gesucht werden, und dem allgemeinen Personaldefizit. Letzteres könnte nämlich zu einem nicht unerheblichen Teil mit Arbeitskräften aus dem eigenen Land gedeckt werden“, so Luther. <BR /><BR />„Dazu zählen die durchschnittlich 10.000 bis 12.000 Menschen pro Jahr, die in den Arbeitslosenlisten eingetragen sind. Bis zu 50 Prozent davon, also immerhin 5000 bis 6000 Menschen, könnten für den Arbeitsmarkt aktiviert werden“, so Luther. Allerdings fehle den Arbeitsvermittlungszentren dafür das Personal und die informatische Infrastruktur. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="743117_image" /></div> <BR /><BR />Konkret: „In Südtirol muss ein Arbeitsvermittler an die 1500 Fälle betreuen, in Nordtirol liegt das Verhältnis bei 1 zu 250. Selbst die Nachbarprovinz Trient hat 5 Mal mehr Arbeitsvermittler im Einsatz als Südtirol. Daran sieht man schon, dass die Struktur hierzulande einfach zu schwach ist und dringend potenziert werden müsste. Dahinter steckt schlicht die Frage, ob sich Südtirol als Gesellschaft diese hohe Zahl an inaktiver Arbeitskraft leisten will und leisten kann? Ich würde behaupten, nein“, so Luther. <BR /><BR />Von den knapp 20.000 Arbeitslosen im Winter seien in etwa 9000 Saisonarbeitslose. „Prinzipiell gilt für alle dasselbe: Laut dem gesamtstaatlichen Gesetz ist es so, dass Arbeitsvermittler ihnen ein angemessenes Arbeitsangebot unterbreiten müssen, das heißt, die angebotene Stelle muss in etwa den Qualifikationen entsprechen und muss sich im Umkreis von 50 Kilometern befinden. Und: Die Fahrzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln darf nicht mehr als 80 Minuten betragen. Das Arbeitsangebot muss der Arbeitslose annehmen. Tut er es nicht, entfällt sein Anrecht auf Arbeitslosengeld sofort, es sei denn, der Arbeitgeber lehnt den vorgeschlagenen Bewerber ab – auch das kommt nicht selten vor.“ <h3> Personelle Unterbesetzung</h3>In der Praxis ist es laut Luther so, dass sich die Jobvermittlung aufgrund der personellen Unterbesetzung auf sehr limitierte Bereiche beschränken muss. „Die Folge ist, dass nach Prioritäten vorgegangen wird, dabei wird versucht, in erster Linie Personen, die von einer möglichen Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Für andere, wie etwa Saisonarbeitslose bleibt dann keine Zeit mehr. Auch die Überprüfung der Arbeitslosenfälle hinsichtlich eines möglichen Missbrauchs ist nur vereinzelt möglich.“ <BR /><BR />Dass viele Saisonarbeitslose zum Beispiel im Meraner Raum von November bis März/April eine bezahlte Verschnaufpause einlegen, wie von Hotelier Dorfer scharf kritisiert, ist laut Luther eine unbestreitbare Tatsache.<BR /><BR />Dies zu verhindern, sei aber aktuell nicht möglich und oft auch gar nicht erwünscht. „Nicht zuletzt profitieren auch die Saisonbetriebe davon, die dadurch nicht Gefahr laufen, ihre zeitweise in die Arbeitslosigkeit überstellte Arbeitskraft zu verlieren. Unsere Priorität ist daher eindeutig die, Arbeitslose ohne feste Arbeitszusage für die nächste Saison in den Arbeitsmarkt einzugliedern.“ <BR /><BR />Abschließend wiederholt Luther seine Forderung nach mehr Investitionen in die aktive Arbeitsmarktpolitik: „Es ist wohl nicht mehr angebracht, alles so zu machen wie immer, also Arbeitslosigkeit einfach zu verwalten, sondern die beschlossenen Strategien tatkräftig umzusetzen. Das heißt für mich eben auch, den Bereich Arbeitsvermittlung als Dienstleistung für Arbeitslose und Betriebe gleichermaßen zu sehen, ausgestattet mit qualifiziertem Personal und leistungsfähiger informationstechnischer Infrastruktur, damit er einen wirkungsvollen Beitrag im Kampf gegen den Arbeitskräftemangel in Südtirol leisten kann.“