Wer die Handlung Reier betritt, merkt schnell, dass es hier um mehr geht als um den schnellen Einkauf. Der Dorfladen steht für persönlichen Service, vertraute Gesichter und kurze Wege. Hier bekommt man vieles für den täglichen Bedarf – und vor allem eine persönliche Beratung und eine vertraute Atmosphäre.<BR /><BR />Geschäftsinhaberin ist Maria Reier. Unterstützt wird sie von drei Teilzeitkräften: Maria Reier, Martina Reier und Barbara Maurer. Offen ist die Handlung von Montag bis Samstag von 7.30 bis 12 Uhr und von 15 bis 19 Uhr. Am Donnerstag- und Samstagnachmittag sowie am Sonntag bleibt das Geschäft geschlossen.<BR /><BR />Die Geschichte der Handlung reicht bis in die 1960er-Jahre zurück. Damals eröffnete Marias Vater Josef Reier gemeinsam mit seiner Frau Maria Hofmann einen Laden für Stoffe und Kurzwaren. Josef Reier war gelernter Schneider und hatte schon vorher in kleinem Ausmaß mit Stoffen und Kurzwaren gehandelt. „Er ist mit einem Koffer von Haus zu Haus gegangen“, erinnert sich seine Tochter.<BR /><BR />Anfang der 1970er-Jahre wurde das Geschäft vergrößert und um Lebensmittel erweitert. Damit entstand aus dem kleinen Fachgeschäft ein Gemischtwarenladen, der für die Menschen in St. Magdalena schnell eine wichtige Anlaufstelle wurde. Der Ort liegt am Ende des Tales,, etwa 15 Kilometer von Welsberg im Haupttal entfernt. Die Handlung Reier war damals der zweite Laden im Dorf. Nicht weit entfernt gab es noch ein weiteres kleines Geschäft mit begrenzter Auswahl, dafür aber mit einer Lizenz für Tabakwaren.<BR /><BR />Vater Josef war zudem einer der ersten im Tal, der ein Auto hatte – und das nutzte er natürlich auch für das Geschäft. Vor allem den Bauern brachte er Waren direkt nach Hause. Besonders gefragt waren die großen, 50 Kilogramm schweren Säcke mit Tier- und Kraftfutter. Seine Zustellrunde fuhr er jeweils am Samstagnachmittag, wenn auch die Söhne von den Oberschulen zu Hause waren und mit anpackten.<BR /><BR />Im Jahr 1991 starb Josef Reier unerwartet. Für die Familie ein schwerer Schlag: Dennoch stand schnell fest, dass der Laden weitergeführt werden soll. Tochter Maria übernahm das Geschäft, ihre Mutter half weiterhin mit. „Mit über 80 Jahren ist sie noch an der Ladenkasse gesessen“, erinnert sich Maria an ihre Mutter.<h3> Seit vielen Jahrzehntenfür St. Magdalena da</h3>Heute führt Maria Reier den Laden allein – unterstützt von ihren drei Mitarbeiterinnen. Das Sortiment hat sich dabei mit der Zeit verändert. Stoffe und Konfektion gibt es schon länger nicht mehr. „Dafür haben wir leider den Platz nicht“, erklärt die Inhaberin. Die Regale füllen Lebensmittel, Haushaltsartikel, Schreibwaren und Schulsachen, Unterwäsche, Strümpfe und Socken sowie Spielsachen. In der Touristensaison kommen Souvenirs dazu, außerdem sind Zeitungen, Zeitschriften und Tabakwaren erhältlich.<BR /><BR />Hauszustellungen bietet sie nicht mehr an. „Die meisten Leute haben ein Auto und erledigen größere Einkäufe auch in den Supermärkten außerhalb des Tales“ sagt sie. „Trotzdem schätzen die Bewohner das Angebot im eigenen Dorf sehr.“ Da habe sich erfreulicherweise in den vergangenen Jahren ein spürbarer Wandel vollzogen. Heute kämen wieder viel mehr Einheimische in ihr Geschäft.<BR /><BR />St. Magdalena hat nur etwa 600 Einwohner. Dennoch sei ihr Geschäft kein Auslaufmodell, ist Maria Reier überzeugt. „Reich wird man zwar nicht, aber es lässt sich leben“, sagt sie. Den anderen beiden Geschäften im Gsieser Tal, in St. Martin und in Pichl, dürfte es ähnlich ergehen. Für Maria Reier sind die kleinen Läden in den Tälern sowieso unverzichtbar: „Ohne einen Nahversorger stirbt ein Stück des Dorfes.“ Ein Dorfladen sei eben nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern auch ein Teil des Dorflebens. „Viel Arbeit macht der Laden schon“, gibt Maria Reier zu. Sie tue die Arbeit aber gerne. „Anders funktioniert es sowieso nicht.“ Obwohl sie mit 62 Jahren bereits in Pension ist, steht sie noch immer täglich von früh bis spät im Geschäft.<BR /><BR />Eine Sorge hat sie allerdings: Wie es mit dem Laden weitergeht. Ihre Tochter ist weggezogen und möchte den Betrieb nicht übernehmen. Noch ist die Zukunft daher offen. Maria Reier bleibt trotzdem zuversichtlich: „Es wird sich schon eine gute Lösung ergeben.“<BR /><BR />Und so bleibt die Handlung Reier ein gutes Beispiel dafür, dass auch ein kleines Geschäft am Ende eines Tales Zukunft haben kann – wenn die Menschen vor Ort seinen Wert erkennen und es als Teil ihres Dorfes bewahren wollen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1355718_image" /></div>