Im Gepäck hatte der Italiener das Versprechen, als oberster Währungshüter Europas in der Tradition der Bundesbank stabile Preise zu garantieren.Die „Bild“-Zeitung verpasste „Super-Mario“ gar zum Start eine Pickelhaube: Der Helm sollte den ehemaligen Chef der italienischen Notenbank an preußische Tugenden erinnern.Glaubt man den Kritikern um den deutschen Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und EX-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, ist davon nicht viel übrig. Inzwischen muss Draghi für seinen Krisenkurs werben – sogar im Deutschen Bundestag.In den Augen der Skeptiker spielt Draghi durch seine umfassenden Maßnahmen im Kampf für den Euro mit der Unabhängigkeit der Notenbank – und riskiert eine hohe Inflation.Draghi zog bereits mehrere Register In seinen 12 Monaten an der Spitze der Notenbank zog Draghi sämtliche Register – und erfand neue Instrumente.Die Zinsen sind auf Rekordtief von 0,75 Prozent, Billionen wurden in das Bankensystem gepumpt, ein neues Kaufprogramm von Staatsanleihen wurde aufgelegt – von dem sich die EZB eine gewaltige Feuerkraft erwartet: Müssen Wackelkandidaten wie Spanien oder Italien zu hohe Zinsen am Markt bezahlen, tritt die Notenbank als Käufer auf. Und zwar ohne Limit: Die „Bazooka“ soll den Durchbruch gegen die Dauer-Misere bringen.Allerdings stellen die Währungshüter eine Bedingung: Die Länder müssen unter einen Euro-Rettungsschirm schlüpfen und sich zu Reformen verpflichten.„Der Euro ist unumstößlich“ Draghi gibt sich stark: „Der Euro ist unumstößlich.“ Die EZB werde die Währung erhalten – koste es, was es wolle.In Deutschland geht diese grenzenlose Zusage vielen Beobachtern zu weit. Die Zentralbank bediene sich der Notenpresse, um Finanzprobleme der Südländer zu lösen, wettert ifo-Präsident Hans-Werner Sinn: „Es steht das Vermögen eines jeden einzelnen Bürgers auf dem Spiel.“Denn Draghi manövriert Steuer-Milliarden – ohne demokratische Legitimation und weitgehend ohne parlamentarische Kontrolle.Skeptiker bezweifeln, dass die EZB ihre Rettungsmilliarden rechtzeitig wieder einsammeln und so einen drastischen Anstieg der Inflation verhindern kann.Die „Süddeutsche Zeitung“ kommentiert: „Politiker fürchten, vom EZB-Chef entmachtet zu werden und Ökonomen sehen die Unabhängigkeit der Notenbank bedroht.“ Draghi habe sich auf ein beispielloses Abenteuer eingelassen.Draghi kennt die Kritik – und die Kritiker. Von seinem Weg lässt sich der ehemalige Jesuitenschüler dadurch aber nicht abbringen.Stattdessen begibt er sich auf eine Charmeoffensive und erklärt seinen Kurs nicht nur vor Industriellen, sondern auch im Bundestag. Das hat vor ihm noch kein EZB-Präsident getan.apa/dpa