Donnerstag, 18. Juni 2015

Ein Mensch braucht Regeneration, ein Wellnesstempel Innovation

Der Gesundheitstourismus boomt und Südtirols Tourismuswirtschaft könnte davon noch mehr profitieren, wenn die Wellness-Strukturen im Land dem gesellschaftlichen und demografischen Wandel besser Rechnung tragen würden – kurz gesagt, wenn sie mehr Innovation wagen.

Mehr Überraschungen und mehr Angebote für alte Menschen sind im Wellnessektor gefragt.
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Mehr Überraschungen und mehr Angebote für alte Menschen sind im Wellnessektor gefragt. - Foto: © shutterstock

Das ging bei der 1. Südtiroler Wellness Conference vom Cluster Gesundheit & Wellness des TIS innovation parks hervor. 

Unter den Top Ten der Wellnesstrends kristallisiert sich vor allem heraus, dass der Rückzug in die Natur, das Wahrnehmen des eigenen „Bauchgefühls“ und individueller Bedürfnisse zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dabei sollten Angebote einem ganzheitlichen Ansatz folgen – also Körper, Geist und Seele des Gastes ansprechen.

Alte Menschen: gern gesehene Gäste?

„Je besser es gelingt, beispielsweise ältere Menschen mit bedürfnisgerechten touristischen Angeboten anzusprechen, umso eher und zuverlässiger wird sich daraus ein Wachstumssegment entwickeln. Alten Menschen muss glaubwürdig vermittelt werden, dass sie gern gesehene Gäste sind. Das bedeutet auch, dass die touristische Infrastruktur für gebrechliche oder gehbehinderte Menschen zugänglich gemacht werden muss“, so Christian Wenter, Primar der Geriatrie am Meraner Krankenhaus und Experte in den Bereichen Lebensqualität im Alter und Good Aging.

„Es gibt heute immer mehr ältere Menschen, allerdings sind sie weitaus konsum- und reisefreudiger als früher. Zudem sind sie mobil, haben genügend finanzielle Mittel, mehr Zeit und eine bessere Gesundheit und Fitness“, so Wenter.

Der demografische Wandel habe also auch Auswirkungen auf den Tourismus und wer sich schon jetzt auf die Bedürfnisse älterer Menschen einstelle, habe später einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Auch Klimastollen und Wasserfälle locken

Die natürlichen Rahmenbedingungen Südtirols als erfolgreiche Destination im Bereich Gesundheitstourismus sind grundsätzlich sehr gut.

„Neben den vielen Bewegungs- und Wanderangeboten auf verschiedenen Höhenlagen, den großen Waldgebieten und der sauberen Luft, können auch Klimastollen oder Wasserfälle für den Gesundheitstourismus vor allem aber für die unterstützende Behandlung bei Atemwegserkrankungen und Allergien genutzt werden“, führte Universitätsdozent Arnulf Hartl von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg aus.

Ausgeprägte Überraschungskultur

Wichtig für den Erfolg im Wellness-Sektor sei neben den natürlichen alpinen Ressourcen auch die Dienstleistungsinnovation.

„Dabei bietet eine ausgeprägtere Überraschungskultur die besten Möglichkeiten, Gäste langfristig zu binden oder weiterempfohlen zu werden, wie eine Trip Advisor Studie zeigt“, so Vincent Magnini, Professor an der Virginia Tech University in Blacksburg (USA).

Magnini erklärte, warum Überraschungen in einem Spa- und Wellnessbetrieb unabdingbar sind.

„Menschen sind besonders aufmerksam, wenn sie überrascht werden. Positive – und negative – Ereignisse bleiben besonders gut im Gedächtnis, wenn sie vom ‚normalen‘ Ablauf abweichen“, so Magnini. Deshalb sollten Überraschungen in Wellness- und Hotelbetrieben an der Tagesordnung sein.

Das Unterbewusstsein nicht unterschätzen

Psychotherapeutin Doris Psenner-Unterluggauer ging dann auf die psychischen Grundbedürfnisse des Menschen ein. Dabei unterstrich sie die Bedeutung des Unterbewussten: „Das Unterbewusstsein kann über die menschlichen Sinne stimuliert werden.“

Einrichtung, Farben, Düfte, Musik und Bilder sollten deshalb möglichst stimmig sein. Auch die non-verbale Kommunikation sollte trainiert und für den Umgang mit den Gästen perfektioniert werden, da sie oft mehr mitteilt als gesprochene Worte.

„Wir im TIS begleiten Unternehmen und Betriebe mit einem strukturierten und innovativen Ansatz und unterstützen sie dabei, innovative Ideen weiterzuentwickeln und in touristische Angebote umzusetzen“, so Manuela Irsara, Managerin des Cluster Gesundheit & Wellness im TIS. 

stol

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