Freitag, 16. März 2018

Ein Rechenbeispiel der Handelskammer Bozen

Geht es nach der bevorstehenden Raumordnungsreform des Landes so soll in Zukunft unter gewissen Voraussetzungen bei der Umwidmung eines Grundstückes von landwirtschaftlichem Grün in Baugrund ein Wertausgleich an die öffentliche Hand entrichtet werden. Was das konkret bedeutet, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel.

Die Handelskammer Bozen erklärt die Thematik anhand eines Rechenbeispiels.
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Die Handelskammer Bozen erklärt die Thematik anhand eines Rechenbeispiels. - Foto: © shutterstock

Laut Artikel 19 des geplanten neuen Raumordnungsgesetzes soll bei der Ausweisung von neuen Bauflächen und bei Änderungen der Nutzungskategorien für Baurechte ein Wertausgleich in Höhe von 30 Prozent des Wertes des umgewidmeten Grundstückes eingeführt werden. Aus dem Gesetzesentwurf geht zwar nicht klar hervor, wer letztlich diesen Wertausgleich zu bezahlen hat, der Verkäufer oder der Käufer, trotzdem ist es sinnvoll in einem Rechenbeispiel die Auswirkungen dieses Wertausgleichs zu verdeutlichen:

Ein Landwirt, der durch eine Nebenerwerbstätigkeit auf ein versteuerbares Einkommen von circa 35.000 Euro pro Jahr kommt, will ein landwirtschaftliches Grundstück von 2500 Quadratmeter Fläche veräußern. Dieses landwirtschaftliche Grundstück hat einen geschätzten Wert von 20 Euro pro Quadratmeter, also in Summe 50.000 Euro. Das Grundstück wird nun von landwirtschaftlicher Fläche in Baugrund umgewidmet. Dadurch steigt der Verkaufswert auf 300 Euro pro Quadratmeter an, das heißt der Landwirt kann einen Verkaufserlös von 750.000 Euro erzielen.

Erhebliche steuerliche Pflichten

Auf den verkaufenden Landwirt kommen damit erhebliche steuerliche Pflichten zu. So muss er auf den Verkaufserlös einen Einkommenssteuersatz von circa 27,5 Prozent bezahlen, also 192.500 Euro. Außerdem wird der Regionalzuschlag auf die Einkommenssteuer von 1,1 Prozent fällig, was zusätzlich 7000 Euro ausmacht. Schließlich ist der neue Wertausgleich von 30 Prozent, also 225.000 Euro zu bezahlen, der an die Gemeinde zu entrichten ist. Auch der Käufer des nunmehrigen Baugrundes wird zur Kasse gebeten, er muss die Registergebühren für die Registrierung des Kaufvertrages in Höhe von 9 Prozent des Kaufpreises, also 67.500 Euro begleichen.

„Von den 700.000 Euro des Wertgewinnes, der durch die Umwidmung des landwirtschaftlichen Grundes in Baugrund erzielt wurde, fließen somit 492.000 Euro an die öffentliche Hand, das entspricht einem Anteil von sage und schreibe 70,3 Prozent“, rechnet der Generalsekretär der Handelskammer Bozen Alfred Aberer vor: „Die Südtiroler Wirtschaft lehnt diese zusätzliche Besteuerung, die zu einem weiteren Anstieg der Immobilienpreise führen würde, ab.“

stol

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