Donnerstag, 09. Januar 2020

„Ein Schritt in die falsche Richtung“

Mit Unverständnis nimmt der Südtiroler Energieverband (SEV) den am 30. Dezember 2019 gefassten Beschluss der Landesregierung über „die Aussetzung von Maßnahmen für die Gewährung von Beiträgen zur Nutzung erneuerbarer Energien“ zur Kenntnis und bezeichnet ihn in einer Aussendung als Schritt in die falsche Richtung.

Hanspeter Fuchs (links) und Rudi Rienzner, Präsident und Direktor des Südtiroler Energieverbandes.
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Hanspeter Fuchs (links) und Rudi Rienzner, Präsident und Direktor des Südtiroler Energieverbandes. - Foto: © SEV
Im Widerspruch zu einem Gutachten des Rates der Gemeinden vom 16. Dezember 2019 setze der Landesausschuss damit ab dem 1. Januar 2020 nicht nur die Förderung für die „Erweiterung der Erzeugungsanlagen bestehender Fernwärmesysteme“ aus, sondern streiche laut SEV-Aussendung auch die Förderung für die „Erweiterung der Verteilerinfrastruktur von Fernwärmesystemen außerhalb der bereits abgegrenzten Versorgungsnetze“.

„Das ist wieder ein Schritt in die falsche Richtung“, erklärt dazu der Direktor des Energieverbandes, Rudi Rienzner. Einerseits wolle die Landesregierung ehrgeizige Klimaziele erreichen, „andererseits werden Förderungsmittel für die Erzeugung erneuerbarer Energie in kleinen und mittleren Anlagen, die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurden, zum wiederholten Mal gestrichen“. Zudem wurden vor der Beschlussfassung in der Landesregierung weder der SEV, der in Südtirol 50 Heizwerke betreut, noch die Betreiber der Anlagen informiert oder befragt.

„Landesbeschluss verhindert nötige Modernisierungsmaßnahmen“

Die Landesregierung stelle in ihrem Beschluss fest, man wolle die Wirtschaftlichkeit und die Energieeffizienz der Fernheizwerke durch die „Optimierung bestehender Erzeugungsanlagen“ stärken. „Erreicht wird jetzt allerdings gerade das Gegenteil“, sagt SEV-Präsident Hanspeter Fuchs. Denn der Beschluss der Landesregierung verhindere weitere – und angesichts des Klimawandels notwendige – Modernisierungs- und Erweiterungsmaßnahmen. Dabei zeige eine im Auftrag des SEV am Politecnico in Mailand erstellte wissenschaftliche Studie, dass in Südtirol noch ein erhebliches Ausbaupotential im Bereich der Biomassefernwärme besteht.

Durch die Biomasseheizwerke werden in Südtirol jährlich 80 Millionen Liter Heizöl eingespart. Hanspeter Fuchs schreibt dazu: „Fernheizwerke sind nicht nur in unserem Land Grundpfeiler einer nachhaltigen Klimastrategie“. Ein Blick über die Landesgrenzen genüge: Unter dem Motto „Ölkessel raus – Biomasse rein“ stelle das Bundesland Salzburg eine zusätzliche Förderung von 2.500 Euro für Haushalte zur Verfügung, die von der Ölheizung auf Fernwärme umsteigen.

stol