Freitag, 27. November 2020

„Ein schwarzer Tag für den klassischen Handel“

Heute ist „Black Friday“, der wichtigste Rabatt-Tag im Vorweihnachtsgeschäft. Nur findet er in diesem Jahr ohne den stationären Handel in Südtirol statt. „Ein schwerer Schlag für uns alle“, sagt Giovanni Podini, Chef des Bozner Einkaufszentrums Twenty.

Giovanni Podini.
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Giovanni Podini.
„Dolomiten“: Der „Black Friday“ hat sich in den letzten Jahren auch in Südtirol durchgesetzt, er signalisiert den offiziellen Beginn des Weihnachtsgeschäftes. In diesem Jahr fällt er für die allermeisten Geschäfte flach. Wie sehr schmerzt das?
Giovanni Podini: Es ist ein schwerer Schlag für den gesamten Handel in Südtirol – ein schwarzer Freitag im wahrsten Sinne des Wortes. Der „Black Friday“ ist einer der umsatzstärksten Tage im Weihnachtsgeschäft, fällt er weg, geht viel verloren.

„D“: Während sich der Onlinehandel die Hände reibt.
Podini: Genau, die Schließung des stationären Handels am „Black Friday“ ist ein Riesengeschenk an den Onlinehandel bzw. an die wenigen, großen Player, die den Markt beherrschen.

„D“: Amazon vor allem.
Podini: Ja, in erster Linie. Der Konzern macht das Geschäft seines Lebens und Südtirol hat davon genau gar nichts. Amazon zahlt keine Steuern und trägt in keiner Weise zum Wohlstand in Südtirol bei. Im Gegenteil: Kaufkraft fließt ab, Arbeitsplätze werden vernichtet.


„D“: Wenn ab Montag weite Teile des Handels wieder öffnen dürfen, wird doch vieles zu retten sein, oder etwa nicht?
Podini: Das kann ich schwer sagen. Das große Fragezeichen, das ich sehe, ist das Verhalten der Konsumenten. Werden sie sich bald wieder so bewegen wie vor dem Lockdown oder bleiben sie vorsichtig und warten noch etwas ab, bis sie ihre Weihnachtseinkäufe tätigen? Auch kann es sein, dass nicht alle Branchen in gleichem Maße von der Öffnung profitieren.


„D“: Welche Branchen sehen Sie tendenziell im Vorteil?
Podini: Ich könnte mir vorstellen, dass jene Bereiche besser und früher ins Weihnachtsgeschäft starten, die von Rationalkäufen leben. Damit meine ich Käufe, die schon länger geplant waren und mit der Öffnung dann auch getätigt werden können. Da fallen zum Beispiel Ausgaben für Unterhaltungselektronik hinein.


„D“: Wer könnte Anlaufschwierigkeiten haben?
Podini: Schwieriger könnte es für Geschäfte werden, die wesentlich von Impulskäufen leben. Also: Man ist unterwegs, sieht etwas und greift spontan zu. Im Bekleidungsbereich sind Impulskäufe sehr verbreitet. Das sind allerdings nur Vermutungen, wirkliche Vorhersagen fürs Weihnachtsgeschäft sind nicht möglich. Vielleicht laufen die Geschäfte ja besser als erwartet und der Handel kommt mit einem blauen Auge davon.


„D“: Was wäre denn ein blaues Auge im Weihnachtsgeschäft 2020?
Podini: Ein Minus von 10 Prozent wäre aus meiner Sicht sensationell gut.

Interview: Rainer Hilpold

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