<b>Was ist die „Val Gardena Club Card“ eigentlich?</b><BR />Nils Demetz: Die Club Card ist eine Vorteilskarte für Einheimische und Mitarbeiter, die nach zweijähriger intensiver Zusammenarbeit zwischen den 3 Tourismusvereinen, den Gemeinden sowie vielen aktiven und passiven Partnern im Tal entstanden ist. Wir wollten ein Instrument schaffen, mit dem wir die Preise im Tal für Einheimische senken können und sie dazu animieren können, das breite Freizeitangebot im Tal leichter zu nutzen. Meiner Meinung nach ist es nämlich von essenzieller Bedeutung für ein ausgeglichenes Sozial- und Aktivleben im Tal, dass auch die Einheimischen und Mitarbeiter Gröden in all seinen Facetten leben und erleben können. Mit ihr erhält man in verschiedensten Betrieben einen Rabatt oder andere Vorteile, angefangen von Geschäften, über die Gastronomie, Lifte bis hin z. B. auch zu den Weltcuprennen oder der Biennale Gherdeina.<BR /><BR /><b>Wie ist das Projekt gestartet?</b><BR />Demetz: Das Projekt Val Gardena Club Card ist am 1. Mai gestartet und somit noch nicht ganz 2 Monate alt. Es steckt also noch in den Kinderschuhen, aber bisher haben wir viele positive Rückmeldungen erhalten, von Mitarbeitern und Einheimischen gleichermaßen. Etwas mehr als 30 Prozent der Bevölkerung haben die Karte bereits aktiviert, man kann also vorsichtig behaupten, die Sache sei sehr erfolgreich angelaufen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1044066_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wer macht mit?</b><BR />Demetz: Bis heute haben wir an die 170 aktive Partnerbetriebe für das Projekt gewinnen können. Neben Geschäften und einigen Liften, die ja bereits schon vorher Einheimischen Rabatte gegeben haben, konnten wir auch viele Hütten, Bars und Restaurants für das Projekt gewinnen.<BR /><BR /><b>Aber warum machen nicht alle Lifte und Bars mit?</b><BR />Demetz: Wir versuchen natürlich, so viele Betriebe wie möglich für die Val Gardena Club Card zu gewinnen, aber es kann verschiedene Gründe geben, wieso ein Betrieb nicht gleich dabei sein wollte. In der Gastronomie war ein Rabatt für Einheimische bis heute eigentlich nicht üblich und der Teufel liegt wie immer im Detail. Die konkrete Handhabe (z. B. Karte Scannen, Rabatt berechnen, Mitarbeiter Schulen und ihnen das nötige Vertrauen schenken) kann einen Betrieb schnell verunsichern. Ich bin aber zuversichtlich, dass mit der Zeit und der Erfahrung, die wir jetzt sammeln, mehr und mehr Betriebe dazukommen werden.<BR />Was hingegen die Lifte anbelangt, die meines Wissens ja schon viele Jahre Rabatte von 30 bis 50 Prozent für Einheimische und Mitarbeiter anbieten, so hoffe ich, dass auch die verbliebenen Lifte die Karte bald als Nachweis für die Berechtigung zum Rabatt akzeptieren werden.<BR /><BR /><b>Das Projekt wird als Pionierprojekt im Alpenraum bezeichnet, aber warum?</b><BR />Demetz: In verschiedenen Regionen Europas gibt es sogenannte Bürgerkarten und in anderen Gebieten unterschiedliche Formen von Mitarbeiterkarten. Unseres Wissens nach gibt es jedoch nirgendwo ein Projekt, bei dem beide Modelle gleichzeitig in einer Karte integriert wurden. Die Val Gardena Club Card stellt daher eine logistische und technische Herausforderung dar, der wir uns gestellt haben und die wir denke ich gut gemeistert haben.<BR />Besonders die Registrierung für die einheimische Bevölkerung, die auch strengen Datenschutzbestimmungen entsprechen musste, wurde sehr gut durchdacht und hat viel Lob erhalten. Ich denke man kann mit Stolz behaupten, dass die Val Gardena Club Card ein Pionierprojekt im Alpenraum ist, das neue Maßstäbe setzt und eine Vorreiterrolle einnehmen kann.<BR /><BR /><b>Aber auch kritische Stimmen sind immer wieder zu hören, vor allem einiger Einheimischer, oder?</b><BR />Demetz: Das stimmt. Das Projekt Val Gardena Club Card ist sicher noch nicht perfekt. Wie so oft schreien aber auch bei der Club Card die Kritiker am lautesten, während die Stimmen der vielen Leute, die das Projekt unterstützen und dankbar annehmen, leider oft untergehen. Geben wir der Karte Zeit, sich zu entfalten. Versuchen wir das Glas halb voll und nicht halb leer zu sehen. Sicher gibt es noch Ecken und Kanten, die wir über die nächsten Monate und Jahre versuchen werden, abzurunden, aber ich denke es ist ein guter Start – vor allem wenn man bedenkt, was die Alternative wäre: keine Karte.<BR /><BR /><b>Die Rabatte in Bars, Restaurants sind nicht einheitlich und es gibt einige Einschränkungen. Warum ist das so?</b><BR />Demetz: Anfangs hatten wir überlegt, die Rabatte und Vorteile vorzugeben. Aber um möglichst viele Partner mit ins Boot zu holen, haben wir es letztendlich jedem Betrieb freigestellt, die Vorteile für die Karteninhaber selbst zu definieren (und eben auch die Ausnahmen). Man hatte ja noch keine Erfahrung, wie genau sich die Karte auf den Betrieb auswirken würde, welchen Mehraufwand sie bedeuten würde, usw., weshalb einige hier Ausnahmen vorgesehen haben. Ich denke aber, dass diese mit der Zeit sicher weniger werden.<BR /><BR /><b>Einige Kritiker behaupten, die Club Card sei nur ein Vorwand, um die Preise zu erhöhen. Was sagen Sie dazu?</b><BR />Demetz: Das Thema Preise ist ein sehr heikles, da die Leute hier leider oft eine vorgefertigte Meinung haben und das Thema nicht zu Ende denken. Mir ist natürlich bewusst, dass die Preise in einem touristisch stark entwickelten Tal wie dem unseren höher sind als anderswo und genau deswegen sind wir das Projekt Club Card ja angegangen. Diese erlaubt es uns erstmals zwischen Gästen und Einheimischen zu unterscheiden und das Alltagsleben etwas erschwinglicher zu machen.<BR />Die Preise sind aber schon vor der Club Card immer wieder gestiegen und werden dies auch nach der Einführung der Karte tun. Ebenso steigen aber auch Miete und Pacht, Gehälter, Kosten für Lebensmittel und Getränke und allgemein Investitionen in die Betriebe. Auch die Club Card wird die Inflation nicht aufhalten können. Sie erlaubt es uns aber erstmals, dem Einheimischen und den Mitarbeitern preislich entgegenkommen zu können.<BR /><BR /><b>Von anderen hört man, die Rabatte seien zu gering?</b><BR />Demetz: Und wie so oft wir die Rechnung hier ohne den Wirt gemacht. Ich möchte nochmals betonen, dass die Club Card noch in den Kinderschuhen steckt. Vorher gab es in vielen der Partnerbetriebe keinen Rabatt, jetzt gib es ihn. Ich denke das ist ein guter Start.<BR /><BR /><b>Unlängst hat sich ein Einheimischer in einem Leserbrief darüber beschwert, dass er sich als „Fremder“ fühle, weil er die Karte vorzeigen muss, um in den Genuss des Rabattes zu kommen. Was sagen Sie dazu?</b><BR />Demetz: Wenn er so empfindet, tut es mir für ihn leid, kann ich ihm aber nicht helfen. Viele Mitarbeiter sind nun mal keine Grödner und hätten ohne die Karte keine Möglichkeit zu verstehen, ob jemand berechtigt ist oder nicht, den Rabatt zu erhalten. Zudem erlaubt das Scannen der Karte dem Betrieb zu kontrollieren, ob der Rabatt auch wirklich nur jenen gewährt wird, die Anspruch darauf haben.<BR /><BR /><b>Wie geht es jetzt mit der Val Gardena Club Card weiter?</b><BR />Demetz: Wie anfangs gesagt, stehen wir mit der Karte noch am Anfang, aber ich bin froh, dass wir mit dem Projekt gestartet sind. Ziel der Club Card ist es, die Einheimischen zu unterstützen und ihnen einen Mehrwert zu bringen. Ich bin sicher, dass sie sich in diese Richtung weiterentwickeln wird und uns als Grödner wieder näher zusammenbringen kann.