Sonntag, 11. November 2018

Elektronikteile werden knapp

Der allgegenwärtige Digitalboom hat für die Industrie einen unerfreulichen Nebeneffekt: Heuer sind Halbleiter und andere elektronische Bauteile so knapp wie seit langem nicht. Erstmals gab es in den vergangenen Monaten nach Angaben aus der Branche Mangel bei Allerwelts-Bauteilen wie Kondensatoren oder Widerständen.

In den kommenden Jahren soll die Elektronisierung weiter voranschreiten.
In den kommenden Jahren soll die Elektronisierung weiter voranschreiten. - Foto: © shutterstock

”Am stärksten betroffen waren die Autohersteller und die Automatisierungsindustrie”, sagte Christoph Stoppok, Geschäftsführer des Fachverbands Electronic Components and Systems (ECEI). Am Dienstag beginnt in München die Electronica, mit mehr als 3.000 Ausstellern die internationale Leitmesse der Branche.

Folge der Knappheit sind lange Lieferzeiten und höhere Preise - wiewohl der Fachverband sich zu letzterem Thema nicht äußert. Aktuell ist der Höhepunkt der Knappheit nach Stoppoks Angaben zwar überschritten, da sich die Konjunktur abschwächt. Vollständig normalisiert hat sich die Lage aber nach Industrieangaben bisher nicht.

Ursachen für die Knappheit

”Das Außergewöhnliche ist dieses Mal, dass auch passive Bauelemente und andere Produkte knapp waren, insbesondere Mehrschicht-Keramikkondensatoren”, sagte Stoppok. Passive Bauelemente heißen passiv, weil sie ein elektrisches Signal in einem Schaltkreis nicht verstärken können, dazu gehört Massenware wie Widerstände oder Kondensatoren.

Zwei Faktoren haben zu der Knappheit beigetragen: die seit Jahren andauernde gute Konjunktur und die Tatsache, dass in Industrieprodukten immer mehr Funktionen elektronisch geregelt werden.

Die Sensorenproduktion boomt

Geradezu einen Boom gibt es bei Sensoren, die in immer mehr Lebensbereichen zum Einsatz kommen - seien es optische Sensoren für Autos, medizinische Sensoren zur Messung von Körperfunktionen oder industrielle Sensoren für die Überwachung von Maschinen. Die Elektronisierung wird nach Einschätzung von Fachleuten in den nächsten Jahren massiv voranschreiten. In der Industrie sind Automatisierung und Robotik derzeit zwei ganz große Themen - und ohne elektronische Messung und Steuerung nicht denkbar.

Und auch das Alltagsleben wird technologisch komplexer - ob E-Bike, mobiles Bezahlen im Geschäft oder selbstregelnde Heizung. Der Zentralverband der Elektronik- und Elektrotechnikindustrie (ZVEI) schätzte im April, dass die weltweiten Umsätze mit Mikroelektronik von 2017 bis 2022 um knapp 90 Milliarden auf eine halbe Billion Dollar zulegen werden.

apa/dpa

stol