Donnerstag, 18. Juni 2015

Endlich Breitband für jedermann: Aber wie soll das gehen?

Name: Südtirolnetz. Ziel: ein landesweiter, schneller Internetzugang für alle. Zu gewährleisten: "Nur durch ein effizientes Breitbandnetz, das der öffentlichen Hand gehört". Davon zeigt sich IT-Landesrätin Waltraud Deeg überzeugt. Denn Investitionen - vor allem auf den letzten Meilen - sind keine rentablen Investitionen.

Das Südtirolnetz soll das ganze Land mit Breitband versorgen.
Badge Local
Das Südtirolnetz soll das ganze Land mit Breitband versorgen. - Foto: © STOL

Die Europäische digitale Agenda bis 2020 sieht schnelle Internet-Zugänge mit 100 Megabits für 50 Prozent der europäischen Haushalte vor. Noch ambitionierter ist die "Agenda digitale Italiana", welche bis im Jahr 2020 schnelle Internet-Zugänge für 85 Prozent der italienischen Haushalte erreichen möchte. 

Auch Südtirol will und kann nicht hintenanstehen. "Doch die jetzige Situation ist nicht wirklich toll", weiß auch Deeg im Gespräch mit STOL. Zwar sei man in Sachen Hauptleitung auf einem guten Weg, doch vor allem die letzten Meilen, sprich vor Ort in den Gemeinden, sei noch vieles zu tun. 

110 von 116 Gemeinden sind uninteressantes Niemandsland

Denn: Die EU spricht je nach Investitionsinteresse von weißen, grauen und schwarzen Zonen, wobei der freie Markt nur bei letzteren gut agiert, weil sich die Investition rechnet. "In Südtirol kann man 110 der 116 Gemeinden als weiß einstufen", beschreibt Deeg das Problem.

Es sei also klar, dass ohne das Agieren der öffentlichen Hand nichts läuft. "Ein klarer Fall von Marktversagen", so Deeg. Daher soll nun an einem offenen und landesweiten Breitbandnetz in öffentlicher Hand gearbeitet werden, "um eine hohe Netzqualität garantieren und Bürgern wie Wirtschaft bestmögliche Konditionen anbieten zu können", so Deeg. 

 

Landesrätin Deeg stellte das Südtirolnetz vor./Foto LPA ohn

 

Die Vorteile für die Endkunden brachte die Landesrätin deutlich zur Sprache: "Wir investieren viele Millionen Euro in den Bau dieser digitalen Autobahn. Es sollen nicht kleine, fragmentierte Netze entstehen, sondern ein einheitliches, möglichst landesweites Netz gebaut und auch betrieben werden."

Doch will soll das ablaufen?

In der Hand einer neuen Gesellschaft

Um die Umsetzung soll sich eine Tochtergesellschaft der fusionierenden Gesellschaften SEL und Etschwerke, die vollständig im Besitz von Gemeinden und Land sein soll, kümmern. "Es geht darum Synergien zu nutzen, auch in anderen Ländern und bei uns hat sich die Zusammenarbeit des Energie- und Internetsektors als sinnvoll erwiesen", erklärt Deeg.

Auch weil Leitungslegung und Grabungsarbeiten aus einer Hand erfolgen können.

"Diese Gesellschaft mit dem vorläufigen Namen 'ST Fibernet GmbH' sollte das Südtirolnetz nicht nur bauen, sondern gemeinsam mit der Muttergesellschaft auch warten und betreiben", erklärte die Landesrätin weiter. Die Vorteile lägen dabei auf der Hand: Es würde ein zentraler Ansprechpartner geschaffen, der Kompetenzen und Know-how bündle, die steuerrechtlichen Vorteile könnten genutzt und so beachtliche Einsparungen erzielt werden.

Wie viel soll das kosten?

Die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur in der letzten Meile belaufen sich laut den derzeitigen Berechnungen auf rund 300 Millionen Euro. "Durch die Nutzung von Synergien und einen Technologiemix können diese Kosten um ein Viertel, also um 60 Millionen Euro gesenkt werden", rechnete Deeg vor.

Das ist viel Geld, für das der Steuerzahler aufkommt. Doch auch daran hat Deeg bereits gedacht.

Sensibilisierungskampagne für die Akzeptanz 

Bei der Vorstellung des Südtirolnetzes wurde zeitgleich auch auf die Sensibilisierungskampagne "#wirvernetzen aufmerksam gemacht. Dabei erklären Testimonials die Vorteile des Südtirolnetzes und werben für Verständnis für die dafür notwendigen Investitionen.

"Wenn ich vor dem PC sitze, will ich, dass es funktioniert. Alles im Hintergrund ist mir egal", erklärt Deeg. Doch gerade große Investitionen, die ja der Steuerzahler leistet, wollen erklärt werden. "Und wir wollen auch nicht, dass wir Geld ausgeben, das dann umsonst ist, weil das Angebot nicht genutzt wird", so Deeg. 

stol/ker

stol