Südtirol zählt laut dem staatlichen Energiedienstleister GSE rund 15.000 Fotovoltaikanlagen – das entspricht etwa 27 Anlagen pro 1000 Einwohner, was im Vergleich zu anderen Regionen Italiens ein durchaus guter Wert ist. Die meisten dieser Anlagen sind jedoch klein, weshalb die produzierte Strommenge relativ gering bleibt.<BR /><BR />Eine aktuelle Berechnung von Eurostat zeigt, dass die Solarenergierzeugung in Südtirol bei lediglich 8 Megawattstunden pro Quadratkilometer liegt. Zum Vergleich: Die Provinz Brindisi führt die Liste mit 1292 MWh an, gefolgt von Lecce mit 1240 MWh und Ravenna mit 559,3 MWh.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69146069_quote" /><BR /><BR />Ein Hauptgrund für die gering produzierte Menge: „Im Gegensatz zu anderen Regionen fehlen in Südtirol große Bodenanlagen“, erklärt Wolfram Sparber, Leiter des Instituts für erneuerbare Energien bei der Eurac. Dies sei einerseits der alpinen Topografie, andererseits der landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen geschuldet. Doch genau in den Obstwiesen verbirgt sich ein ungenutztes Potenzial.<h3> Agri-Fotovoltaik: Flächen 2-fach sinnvoll nutzen</h3>In Südtirol könnten auf schätzungsweise 900 Hektar landwirtschaftlicher Fläche Strom produziert werden, und zwar dank Agri-Fotovoltaik. „Das könnte für Südtirol eine interessante Lösung zur erneuerbaren Energiegewinnung sein“, sagt Sparber. Dabei wird auf derselben Fläche sowohl Landwirtschaft betrieben als auch Solarstrom erzeugt.<BR /><BR />Derzeit arbeitet Eurac in Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg am Forschungsprojekt „Symbiosyst“ im Rahmen des europäischen „Horizon“-Programmes. Ziel des Projekts ist es, die Auswirkungen von Agri-Fotovoltaik auf die Landwirtschaft zu untersuchen und die Anlagen so anzupassen, dass sowohl die Nahrungsmittelproduktion als auch die Stromerzeugung ihr maximales Potenzial entfalten können. <BR /><BR />„Es gilt, eine Symbiose zwischen Landwirtschaft, Energieproduktion und dem Landschaftsbild zu finden“, betont Sparber. In den kommenden Monaten und Jahren wird das Projekt weiter untersuchen, wie sich die PV-Anlagen je nach Standort und Obstart auswirken und welche Anpassungen notwendig sind, um die besten Ergebnisse zu erzielen.<h3> Politik ist für Agri-Fotovoltaik</h3>Die Landesregierung hat Agri-Fotovoltaik bereits zu Versuchszwecken auf landwirtschaftlichen Flächen im Eigentum des Landes erlaubt. In naher Zukunft sollen jedoch auch private Landwirte dazu ermutigt werden, derartige Anlagen auf ihren Obstwiesen zu installieren. „Wir befinden uns derzeit mit den verschiedenen Stakeholdern in der Ausarbeitung der entsprechenden Richtlinien“, erklärt Umweltlandesrat Peter Brunner. <BR /><BR />Die Durchführungsverordnung soll in den kommenden Monaten folgen. „Unser Ziel ist es, die Regeln einfach zu gestalten, dabei jedoch auch restriktiv zu bleiben, um zu verhindern, dass ganze Gebiete überbaut werden“, so Brunner weiter. Der Fokus soll zunächst vor allem auf Tallagen liegen. Zusätzlich sollen die Gemeinden die Möglichkeit erhalten, Zonen festzulegen, in denen Agri-Fotovoltaik nicht gestattet ist.