<BR />Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Marke Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar. Dann sank der Preis zwar, er lag aber am Montag Vormittag mit 107 Dollar immer noch 15 Prozent höher als am Freitag. Damit kletterte der Preis auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022. <BR />Gas hat sich seit Freitag mit einem Plus von 16 Prozent ähnlich verteuert. An der Börse in Amsterdam lag die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat am Montag bei 61,80 Euro je Megawattstunde (MWh).<h3> Strom und Gas: Mehrkosten von zehn Milliarden Euro</h3>Die Wirtschaft schaut mit Sorge auf die Entwicklung. Denn wenn sich die Preise nicht wieder entspannen, könnten auf die Unternehmen deutliche Mehrkosten zukommen. <BR /><BR />Wie hoch sie allein wegen der steigenden Gas- und Strompreise sein könnten, hat der Handwerkerverband CGIA Mestre berechnet: Sollte der Gaspreis heuer im Schnitt auf 50 Euro pro Megawattstunde und jener für Strom auf 150 Euro pro MWh steigen, dann würde das Mehrkosten von fast zehn Milliarden Euro bedeuten. <BR />Konkret müssten die Unternehmen in Italien dann insgesamt 7,2 Milliarden Euro mehr für Strom und weitere 2,6 Milliarden Euro mehr für Gas ausgeben als 2025 – das wäre ein Plus von 13,5 Prozent.<BR /><BR />Zum Vergleich: Am 27. Februar – also kurz vor dem israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran – lag der Gaspreis bei 32 Euro pro Megawattstunde und der Strompreis bei 107,5 Euro.<BR /><BR />Von den Spitzenwerten, die infolge des Ukrainekrieges 2022 erreicht wurden, sind wir allerdings noch weit entfernt. Damals, 2022, erreichte der durchschnittliche Strompreis 303 Euro pro Megawattstunde, während Gas durchschnittlich 123,5 Euro kostete.<h3> Dieselpreis treibt Transportkosten nach oben</h3>Noch schwerer dürften allerdings die höheren Kosten für Öl bzw. Treibstoffe wiegen. Immerhin werden in Italien über 80 Prozent aller Waren auf der Straße transportiert. Allein der Preisanstieg der vergangenen Tage hat an Italiens Zapfsäulen für die Transportbranche bereits Mehrkosten von etwa 2.400 Euro pro Lkw und Jahr verursacht, wie der CNA Fita ausgerechnet hat. <BR /><BR />Wenn der Dieselpreis um weitere 25 Prozent steigt, könnte die zusätzliche Belastung auf bis zu rund 13.000 Euro pro Jahr und Lastwagen anwachsen. Für viele Unternehmen würde das bedeuten, dass ihre operativen Gewinnmargen vollständig aufgezehrt werden, warnt CNA Fita.<h3> Sorgen vor neuer Inflationswelle</h3>Viel wird davon abhängen, wie lange der Konflikt dauert. Sollte er sich über Monate hinziehen, könnte die Blockade der Straße von Hormus einen echten Energieschock auslösen, wie der Handwerkerverband CGIA warnt. Die höheren Preise für Öl, Gas, Treibstoffe und Strom könnten dann eine neue Inflationswelle auslösen, die Familien und Unternehmen belasten würde. Darauf hatten auf der Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), Georg Lun, und Wirtschaftsprofessor Gottfried Tappeiner, schon hingewiesen ( <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/krieg-in-nahost-droht-eine-neue-teuerungswelle" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">S+ hat berichtet</a>). <h3> Italien plant erneut Tankrabatt</h3>Die italienische Regierung will daher eingreifen, um die steigenden Treibstoffpreise abzufedern. Geplant ist erneut ein Tankrabatt: Konkret will der Staat den zusätzlichen Ertrag aus der Mehrwertsteuer, der durch die gestiegenen Kraftstoffpreise entsteht, nutzen, um die Verbrauchssteuern auf Benzin und Diesel zu senken. Dieser Mechanismus wurde 2023 per Dekret vorgesehen und kann dann greifen, wenn der Ölpreis einen gewissen Wert erreicht. Voraussichtlich am Dienstag wird die Regierung darüber beraten.<h3> G7-Staaten wollen Erdölreserven freigeben </h3>Die steigenden Energiepreise beschäftigen alle führenden Industriestaaten. Die Finanzminister der G7-Staaten haben am Montag in einer Dringlichkeitssitzung über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven unter der Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten. Zu einem Ergebnis kam man aber noch nicht, die Gespräche sollen fortgesetzt werden. <BR /><BR />Die Mitgliedsstaaten der IEA, eines Interessenverbands von Industriestaaten, halten strategische Reserven als Teil eines gemeinsamen Notfallsystems für Ölpreiskrisen. Ihre strategischen Ölreserven geben Volkswirtschaften jeweils in Krisensituationen frei, um den Ölmarkt zu stabilisieren oder auf Versorgungsengpässe zu reagieren. Zu diesem Mittel wird aber selten gegriffen.