Für die Energiemärkte scheint der Konflikt zwischen dem Iran und den USA an Schrecken verloren zu haben. Oder zumindest rechnet derzeit derzeit kaum noch jemand mit einer neuen Eskalation, wie die Preisentwicklung der vergangenen Tage zeigt. Rohöl der Sorte Brent kostet nach Höchstwerten von über 120 US-Dollar je Barrel aktuell wieder weniger als 80 Dollar. Der Trend zeigt sogar Richtung 70 Dollar – und damit Richtung Vorkriegsniveau. <BR /><BR />Für Unternehmen, Verbraucher und die Inflation ist das grundsätzlich eine gute Nachricht. Doch UVS-Chef Rieper bleibt vorsichtig. „Die Entspannung an den Energiemärkten ist zweifellos eine positive Entwicklung.“<h3> „Können wir diesem Frieden trauen?“</h3>Von einem echten Aufatmen will Rieper aber noch nicht sprechen. Die jüngsten Ereignisse hätten gezeigt, „dass wir noch weit entfernt sind von einer dauerhaften Stabilisierung der Lage und von einer vollständigen Wiederherstellung der Energie- und Handelsströme“.<BR /><BR />Die entscheidende Frage laute daher: „Können wir diesem Frieden trauen?“ Rieper formuliert bewusst zurückhaltend. „Wir kennen den genauen Inhalt der aktuellen Vereinbarung nicht, und niemand kann heute sagen, was in den kommenden 60 Tagen tatsächlich passieren wird.“ Hinzu komme, dass wichtige Produktionsanlagen zerstört worden seien. „Es wird noch Monate dauern, bis diese wieder vollständig hergestellt sind.“<h3> Höhere Kosten sind „im System“</h3>Für die Unternehmen bleibe die Lage deshalb anspruchsvoll. Denn der Blick auf den aktuellen Ölpreis allein greife zu kurz. „Die Energiepreise waren nahezu ein ganzes Quartal lang sehr hoch“, sagt Rieper. Besonders stark gespürt hätten das jene Unternehmen, „die nicht durch längerfristige Verträge abgesichert waren“.<BR /><BR />Diese Belastung verschwinde nicht automatisch, nur weil die Großhandelspreise nun sinken. „Sie ist bereits in den Produktionskosten, den Lieferketten und teilweise auch in den Verbraucherpreisen angekommen“, sagt Rieper. „Selbst wenn die Preise an den Energiemärkten nun weiter nachgeben sollten, würden die wirtschaftlichen Folgen noch einige Zeit spürbar bleiben.“<BR /><BR />Rieper verweist dabei auf die Einschätzungen des Studienzentrums von Confindustria zu Beginn des Konflikts. Damals seien drei Szenarien skizziert worden. Bei einem sehr raschen Ende des Krieges wäre weiterhin ein moderates Wirtschaftswachstum möglich gewesen. Bei einer Lösung bis Ende Juni sei hingegen bereits eine Stagnation der Wirtschaft erwartet worden. Bei einer längeren Dauer des Konflikts hätte eine Rezession gedroht.<BR /><BR />„Betrachtet man die aktuelle Entwicklung, dann scheint sich heute das zweite Szenario zu materialisieren“, sagt Rieper. Die akute Krise lasse zwar etwas nach. „Aber der wirtschaftliche Schaden ist bereits entstanden.“ Für Italien bedeute das voraussichtlich ein Jahr mit nahezu null Wachstum. „Das ist sicherlich nicht das, was wir derzeit brauchen – das gilt für Italien genauso wie für Europa.“<h3> Energie wird zur Standortfrage</h3>Zudem habe die Krise einmal mehr gezeigt, wie stark der Kontinent von Energieimporten abhängig sei. „Solange das so ist, werden geopolitische Spannungen immer wieder direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen durchschlagen“, sagt Rieper.<BR /><BR />Für Rieper bedeutet das vor allem: mehr Investitionen in erneuerbare Energien, in Netze und in Speicherkapazitäten. „Es geht dabei nicht nur um Klimapolitik, sondern zunehmend um Industrie- und Standortpolitik.“ Wer langfristig wettbewerbsfähige Energiepreise wolle, müsse die Abhängigkeit von fossilen Importen verringern.<BR /><BR />Gleichzeitig warnt Rieper vor Illusionen. „Kurzfristig wird es nicht ohne fossile Energieträger gehen.“ Der Ausbau erneuerbarer Energiequellen brauche Zeit, Planung und Infrastruktur. Umso wichtiger sei es, den Übergang „entschlossen und gleichzeitig pragmatisch“ zu gestalten.<BR /><BR />Spanien sei ein Beispiel dafür, wie gezielte Investitionen in erneuerbare Energiequellen Unternehmen und Familien entlasten könnten. „Hier haben wir in Italien und insbesondere auch in Südtirol gute Voraussetzungen, um ebenfalls eine solche Investitionsoffensive zu starten“, sagt Rieper. <BR /><BR />Eine solche Offensive sei auch notwendig, zumal Unternehmen in Italien laut Rieper im Schnitt rund 30 Prozent mehr für Energie zahlen als im übrigen Europa.