Freitag, 13. April 2018

Equal Pay Day: Träume gehen nicht in Rente

Der Equal Pay Day ist eine europaweite Initiative um auf die geschlechtsspezifische Lohndifferenz zwischen Frau und Mann hinzuweisen. Denn Frauen erhalten bei gleicher Qualifikation für dieselbe Arbeit weniger Lohn als Männer. Der Landesbeirat für Chancengleichheit und das Frauenbüro haben die Initiative 2010 erstmals nach Südtirol geholt. In Südtirol liegt der geschlechterbedingte Lohnunterschied noch immer bei 17 Prozent.

Dieses Jahr wird ein Bogen zwischen dem Equal Pay Day und dem Equal Pension Day gespannt.
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Dieses Jahr wird ein Bogen zwischen dem Equal Pay Day und dem Equal Pension Day gespannt. - Foto: © LPA

Der Equal Pay Day 2018 findet dieses Jahr am 20. April statt. 20 Organisationen werden an 60 Ständen landauf landab Informationsmaterial verteilen. 

Frauen erhalten bei gleicher Qualifikation für dieselbe Arbeit noch immer 17 Prozent weniger Lohn als Männer. "Das führt nicht nur dazu, dass sich Frauen, die im Erwerbsleben sind, weniger leisten können als Männer, die Lohnungleichheit hat auch zur Folge, dass Frauen wesentlich weniger Rente erhalten als Männer", erklärte Beiratspräsidentin Ulrike Oberhammer anlässlich der Vorstellung des Programms für den Aktionstag 2018 am Freitag.

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Niedere Pensionen

"Frauen erhalten auch deshalb wesentlich niedrigere Pensionen als Männer, weil sie ihre Arbeitsleben viel öfter unterbrechen – etwa für die Kindererziehung oder weil sie Angehörige pflegen. All dies führt dazu, dass sie ein höheres Risiko für Altersarmut tragen", so Oberhammer. "Im Vergleich zu Männern bekommen Frauen geradezu lächerliche Pensionen", sagte auch die Vizepräsidentin des Beirats, Franca Toffol. 

Auch deshalb hat sich der Landesbeirat dazu entschieden, in diesem Jahr nicht mehr die Bügelkünste der Männer zu testen und einen "Ironman" zu ermitteln, sondern einen "Gentleman" auszuzeichnen, einen Mann, der sich aktiv in die Familienarbeit einbringt, erklärte Beiratspräsidentin Ulrike Oberhammer anlässlich der Vorstellung des Programms für den Aktionstag 2018.

Gentleman gesucht

Der erste Gentleman heißt Peter Ratschiller, ist Projektmanager in der Landesabteilung Informatik und derzeit Vollzeitpapi der kleinen Annika. "Meine Entscheidung ist durchwegs positiv aufgenommen worden", erklärte Ratschiller, "in meinen Umfeld bin ich auch nicht der erste Vater, der die Elternzeit in Anspruch nimmt. Ich glaube das wird immer mehr zur Normalität." Vorschläge für Männer, die diese Auszeichnung ebenfalls verdienen, können – mit einer kurzen Begründung - an [email protected] gerichtet werden.

"Was die Gleichstellung von Frauen und Männern betrifft, geht es in die richtige Richtung. Das Gleichstellungsgesetz 2010 war ein wichtiger Schritt. Es ist aber nach wie vor wichtig, dass wir mit dem Equal Pay Day jedes Jahr wieder darauf aufmerksam machen, wie die Situation ist. Eines wollen wir nämlich nicht, dass Frauen in soziale Armut schlittern", betonte auch Martha Stocker, Landesrätin für Chancengleichheit und forderte einerseits, die Mindestrente wiedereinzuführen, andererseits auch, die Pflege- und Erziehungszeiten bei der Berechnung der Rentenhöhe stärker zu berücksichtigen.

Frauen arbeiten häufig in Teilzeit

2017 waren in Südtirol 65,9 Prozent der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren erwerbstätig, bei den Männern waren es 79,8 Prozent. Es arbeitet allerdings fast jede zweite Frau (46,6 Prozent) in Teilzeit, bei den Männern sind es nur 9,7 Prozent. Auch diese Verteilung sorgt dafür, dass Frauen ein höheres Risiko tragen, in die Altersarmut zu schlittern.

"Wir spannen in diesem Jahr bewusst einen Bogen zwischen dem Equal Pay Day und dem Equal Pension Day", erklärte Oberhammer und betonte, wie stark auch eine angemessene Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungen die Lohn- und in der Folge die Rentenungleichheit zwischen Männern und Frauen beeinflusst.

Die Erhöhung der Frauenerwerbsquote auf 60 Prozent würde das BIP um 7 Prozent steigern. 

"Eine Schließung dieser Lücke wäre nicht nur ein Vorteil für die betroffenen Frauen, sondern für die gesamte Volkswirtschaft", rechnete Oberhammer vor. Allein in Italien würde die Wirtschaftsleistung laut Eurofund bei mehr Chancengerechtigkeit um 86 Milliarden steigen, laut Banca d’Italia würde die Erhöhung der Frauenerwerbsquote von derzeit 49,1 Prozent auf 60 Prozent sogar eine Erhöhung des Bruttoinlandsproduktes von 7 Prozent bedeuten.

"Geht die Gleichstellung im heutigen Tempo weiter, wird es jedoch noch 100 Jahre dauern, bis die Geschlechter gleichauf sind", zitierte sie aus Studien. Im Bereich der Wirtschaft würde es sogar 217 Jahre brauchen.

lpa/stol

stol