Samstag, 04. Juli 2020

Deutschland: 1. Staatsmilliarde bei Lufthansa eingetroffen

Bei der Lufthansa sind 1. Finanzmittel aus der deutschen Staatshilfe eingetroffen. Gut eine Woche nach Zustimmung der Hauptversammlung zu dem Rettungspaket hat der Konzern die 1. Tranche von rund einer Milliarde Euro aus dem KfW-Kredit abgerufen, wie ein Sprecher am Samstag erklärte. Der Zeitpunkt zum Abruf der zwei weiteren Milliarden aus dem staatlichen Kredit stehe noch nicht fest.

Der Kranich hebt wieder ab.
Der Kranich hebt wieder ab. - Foto: © APA (AFP/Symbolbild) / CHRISTOF STACHE
Auch die besonders umstrittene Kapitalbeteiligung des Bundes von 20 Prozent ist auf dem Weg. Die neuen Aktien seien am Freitag ausgegeben worden und sollen am Montag beim Bund eingebucht werden, sagte der Sprecher. Vor allem dieser Teil der Staatshilfe hatte bei Alt-Aktionären Kritik hervorgerufen. Neben Kredit und Aktienanteil ist zudem eine stille Beteiligung geplant, für die steigende Zinsen anfallen.

Zuvor hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Interview der „Neuen Zürcher Zeitung“ betont, dass man voraussichtlich das gesamte Volumen der Staatshilfen über insgesamt 9 Milliarden Euro benötige - auch um in neue, umweltfreundlichere Flugzeuge zu investieren. „Weil wir weniger wachsen werden, haben wir die Zahl der Flugzeuge zwar halbiert, die wir die nächsten Jahre abnehmen wollen. Aber die Modernisierung wird fortgeführt“, sagte Spohr. Laut Sprecher sollen in den kommenden drei Jahren rund 80 neue Jets „eingeflottet“ werden, während weitere rund 80 Bestellungen nach hinten verschoben worden seien.

In der NZZ verteidigte Spohr, dass für die Tochterairline Swiss trotz jahrelanger Millionen-Gewinne Milliarden-Staatshilfen beantragt worden seien. Swiss überweise nicht bloß Geld an die Zentrale nach Frankfurt, sondern habe Geld zurückerhalten. Dank Investitionen verfüge die Lufthansa-Tochter über die modernste Flotte im Unternehmen, sagte der 53-jährige Konzernchef. Die Swiss sei heute größer als seinerzeit die 2002 pleitegegangene Swissair.

An die Swiss floss laut Spohr noch kein Geld aus der von der Schweiz gutgeheißenen Staatshilfe in Höhe von 1,275 Milliarden Franken. Bevor Geld fließen könne, müsse noch der Stabilisierungsfonds der deutschen Regierung dem Kredit zustimmen.

Die Lufthansa will das Geld dereinst so rasch wie möglich zurückzahlen. Einen genauen Zeithorizont nannte Spohr aber nicht. Die Lufthansa werde bis 2023 nicht schuldenfrei sein, sie wolle aber am Markt Kredite aufnehmen, um das Geld der Steuerzahler in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich zurückzuzahlen. „Wir möchten lieber am Kapitalmarkt verschuldet sein als beim Steuerzahler.“




apa