Klaus Berger, HGV-Vizepräsident, kennt die Hintergründe und weiß, welche Faktoren zum Erfolg führen. <BR /><BR /><b>Herr Berger, seit mehreren Monaten ist die Stimmung bei vielen Bar- und Cafébetreibern eher schlecht. Weshalb?</b><BR />Klaus Berger: Es hat mehrere Gründe, dass die Bar- und Cafébetreiber gerechtfertigt unzufrieden sind. Zum einen merkt man die schwache wirtschaftliche Entwicklung und eine Konsumzurückhaltung. Sowohl Touristen als auch Einheimische sparen etwas mehr bei den Ausgaben, die ihnen verzichtbar erscheinen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-65689537_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Und zum anderen?</b><BR />Berger: Zum anderen sind die Kosten für die Betreiber in Vergangenheit stark gestiegen. Auch wenn die Inflation jetzt nicht mehr so hoch ist – die hohen Kosten sind großteils geblieben. Dazu kommen die langen Öffnungszeiten von 12 bis 14 Stunden täglich. Um die abzudecken, braucht man viele Mitarbeiter. Zudem merkt man, dass sich das Konsumverhalten der Gäste in den vergangenen Jahren geändert hat: Sie trinken weniger und bewusster. Dadurch haben sich die Gewinnmargen reduziert und es ist schwieriger geworden, eine Bar erfolgreich zu führen als früher. <BR /><BR /><b>Wobei die Margen in dem Sektor sowieso schon gering sind...</b><BR />Berger: Auf jeden Fall. Um in einer Bar auf einen gewissen Umsatz zu kommen, muss man schon viel rennen und viele Kaffees um 1,50 Euro verkaufen. Da braucht man eben mehr Gäste als beispielsweise in einem Restaurant. Natürlich hat auch die Lage einen Einfluss. In der Stadt tut man sich – dank des größeren Einzugsgebietes – leichter als in einem Dorf. Und es wäre schön, wenn die Einheimischen es wieder mehr schätzen würden, wenn jemand eine Bar führt. Denn die Bars brauchen sicherlich die Touristen, aber es wäre auch gut, wenn die Einheimischen die Bar wieder mehr als Treffpunkt entdecken würden.Denn heute trifft man sich zwar schon noch gerne in einem Cafè oder in einer Bar, aber eben nicht mehr so oft. <BR /><BR /><b>Würden Sie dann heute jemandem davon abraten, eine Bar zu eröffnen?</b><BR />Berger: Nein. Wenn man es professionell angeht, dann kann das sehr gut funktionieren. Wichtig ist, dass man ein gutes Konzept hat. Welche Zielgruppe will erreichen? Wie will ich mich von den Mitbewerbern abheben? Biete ich Cocktails oder besonderes Angebot an Brötchen oder selbst gemachte Produkte usw.? Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Man kann sich dazu auch bei den Verbänden beraten lassen oder über Kurse weiterbilden. Aber man muss wissen: Eine Bar zu führen, bedeutet viel Arbeit und viel Herzblut hineinzustecken.