Für den Kunden ist der Ablauf denkbar einfach: In der App ein Gericht auswählen, Lieferzeit festlegen, bestellen und bezahlen. Geht zum Beispiel eine Bestellung bei Erwin’s Frischteigwaren in Meran ein, erscheint auf einem speziellen Terminal bei Inhaber Werner Zöggeler die Meldung, was alles herzurichten ist. Er bietet Lasagne, Knödel, Kartoffelsalat und einiges mehr für die Lieferung nach Hause oder an den Arbeitsplatz an. <BR /><BR />„Aktuell arbeiten wir nur mittags. Für uns ist es ein zusätzlicher Vertriebskanal, der sich gerade im Aufbau befindet. Würden wir selbst ausliefern, wäre der Aufwand zu hoch – für Fixkosten in Logistik und Personal, oder auch für die Bewerbung des Angebots“, sagt er. Der Versanddienst sei da die wirtschaftlich sinnvollere Option, wenngleich die Provisionen ordentlich zu Buche schlagen, wie er gegenüber den „Dolomiten“ bestätigt. „Wir müssen 30 Prozent des Bestellwertes an den Lieferdienst abgeben. Diese Mehrkosten vollständig selbst zu tragen, geht sich nicht aus – wir sind gezwungen, sie teilweise an den Kunden weiterzuverrechnen.“ 30 Prozent sind außerdem deutlich mehr als etwa Hotels bei vielen Buchungsplattformen abgeben müssen.<BR /><BR />In der Regel bekommt der Kunde davon nichts mit. Die Provision ist meist bereits in den höheren Menüpreisen auf der Plattform eingerechnet. Auch wenn Deliveroo und Co. oft mit Gratis-Lieferung werben, ist das Essen auf der App tatsächlich fast immer teurer als vor Ort. <h3> Das Skalierungs-Dilemma</h3>Das Skurrile dabei ist: Trotz hoher Provisionen kämpfen viele Plattformen mit einer niedrigen Profitabilität. Der Grund liegt laut Thomas Aichner, wissenschaftlicher Leiter der Südtirol Business School in der Struktur des Geschäfts. „Digitale Plattformen leben normalerweise von Skaleneffekten. Bei Essen funktioniert das aber nur begrenzt“, sagt er. „Eine zusätzliche Bestellung muss physisch von A nach B gebracht werden.“<BR /><BR />Jede Stadt sei deshalb ein eigener Markt, der mit Fahrern, Logistik und Marketing aufgebaut werden müsse. „Ein Fahrer in Bozen hilft mir nicht, eine Bestellung in Meran zu liefern.“<BR /><BR />Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Nachfrage konzentriert sich auf wenige Stunden am Tag. Auch der durchschnittliche Bestellwert ist relativ niedrig. „Eine Bestellung liegt meist zwischen 15 und 30 Euro. Davon müssen Fahrer, Plattform und Restaurant bezahlt werden. Viel Spielraum bleibt da nicht.“<BR /><BR />Dazu kommt ein intensiver Wettbewerb zwischen den Plattformen selbst. „Sie investieren Millionen in Werbung, Rabattaktionen und App-Marketing, um Kunden zu gewinnen und zu halten“, so Aichner.<BR /><BR />Loyalität gebe es dabei kaum. „Der Kunde ist nicht loyal zur Plattform – sondern zum Hunger.“ Sobald irgendwo ein Rabattcode locke, wechselten viele Nutzer schnell zur Konkurrenz.<BR /><BR />Entsprechend erwartet Aichner eine weitere Marktbereinigung. „Wir sehen bereits eine Konsolidierung“, sagt er. „Einige Essensapps ziehen sich aus bestimmten Ländern zurück, wenn der Wettbewerb zu hart wird.“ So hat sich Deliveroo bereits 2019 aus Deutschland verabschiedet. Uber Eats wiederum stellte 2023 sein Geschäft in Italien ein, obwohl der Dienst international zu den größten zählt. Langfristig könnten sich in vielen Ländern nur ein oder zwei dominante Plattformen durchsetzen. <BR /><BR />Vom täglichen Kampf um Margen und Marktanteile sieht der Kunde wenig. Für ihn sind es meist nur ein paar Klicks am Smartphone – kurze Zeit später steht das Essen vor der Tür.