Dienstag, 04. Dezember 2018

EU schafft neue Ruhezeiten für Lkw-Fahrer

Die EU-Staaten haben sich nach Marathonverhandlungen in der Nacht auf Dienstag auf neue Ruhezeiten für Lkw-Fahrer im grenzüberschreitenden Transport geeinigt. Fahrer haben in Zukunft das Recht, alle 3 bis 4 Wochen heimzukommen, kündigte der EU-Ratsvorsitzende und Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) an. Außerdem dürfen die Fahrer nicht mehr in der Fahrerkabine schlafen.

Das "Nomadentum" soll ein Ende haben. - Foto: APA (dpa)
Das "Nomadentum" soll ein Ende haben. - Foto: APA (dpa)

Die Einigung erfolgte im Rahmen des sogenannten EU-Mobilitätspakets. Damit das Paket in Kraft treten kann, muss noch das Europaparlament zustimmen, das noch keine Position festgelegt hat. Die EU will damit das derzeit bestehende „Nomadentum” von Lkw-Fahrern beenden.

Enthalten sind auch neue Regeln für die Kabotage, das heißt für Transporte innerhalb eines anderen EU-Staates. Weiterhin sollen maximal 3 Kabotage-Fahrten innerhalb von 7 Tagen erlaubt sein, teilte der EU-Ministerrat mit. Die Kontrollen sollen dabei verstärkt werden. Um systematische Kabotage zu verhindern, einigten sich die EU-Staaten auf eine „Abkühlphase” von 5 Tagen, bevor weitere Kabotage-Transportfahrten im selben Land mit demselben Lkw durchgeführt werden dürfen.

„Digitaler Tachograph”

Ein Schlüssel für die neuen Regeln ist der „digitale Tachograph”, der in einer neueren Version bis 2024 in allen Lastwagen für internationale Transporte vorhanden sein muss. Das Gerät registriert automatisch wann und wo ein Lkw eine Grenze passiert hat und zeichnet auch Lade- und Entlade-Tätigkeiten auf.

Die Frächter müssen sicherstellen, dass Fahrer maximal alle 4 Wochen in ihre Heimat zurückkehren können. Wenn sich der Fahrer für 2 reduzierte Ruhezeiten pro Woche entscheidet, muss er bereits alle 3 Wochen zurückkehren können.

„Übernachten auf dem Parkplatz gehört Vergangenheit an”

Hofer bezeichnete die Einigung als die umfassendste in der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft. 2 Millionen Arbeitnehmer seien von den neuen Regeln betroffen. Deren soziale Rechte würden massiv verbessert, Sozialdumping, unfairer Wettbewerb und illegale Kabotage verhindert, sagte Hofer. „Das Übernachten auf dem Parkplatz gehört der Vergangenheit an.”

EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc dankte Hofer und dem österreichischen EU-Vorsitz für das heraussagende Ergebnis. Hofer konzedierte in Hinblick auf die osteuropäischen EU-Staaten, die liberalere Regeln wollten, dass sich vielleicht nicht alle als Gewinner sehen würden.

Es sei aber äußerst schwierig gewesen, unter den EU-Staaten eine Mehrheit zu finden. Die langfristigen Ziele würden von allen geteilt, nämlich Wirtschaftswachstum und gemeinsame Sozialstandards. Sie hoffe, dass dies auch die Osteuropäer ähnlich sehen. „Niemand war wirklich glücklich, das heißt wir haben einen guten Job gemacht”, sagt Bulc.

apa

stol