In Abschlussprüfungen sieht Brüssel eine gesellschaftliche Aufgabe. Denn sie müssten sicherstellen, ob die Gesamtheit der Unternehmen zurecht als finanziell solide betrachtet werden könne, heißt es im Grünbuch. Mangelhafte Abschlussprüfungen könnten die Märkte erheblich destabilisieren.In der derzeitigen Marktlage sieht die Kommission vor allem zwei Probleme. Zum einen gibt es wie bei den Ratingagenturen nur wenige große Firmen, die die wichtigsten Jobs erledigen: Die „großen Vier“ KPMG, PwC, Ernst Young und Deloitte Touche teilen den Markt unter sich auf. „Würde eine dieser Gesellschaften zusammenbrechen, würde dies den Zugang zu relevanten Finanzinformationen großer Unternehmen unterbrechen und das Vertrauen der Anleger beschädigen“, schreibt die Kommission. Es sei deswegen zu fragen, „ob es einer Prüfungsgesellschaft erlaubt werden sollte, so groß zu werden, dass ihr Ende zu erheblichen Marktstörungen führen könnte“. Im Klartext: Die EU will eine Zwangsverkleinerung systemrelevanter Unternehmen prüfen.Zum anderen haben mittelständische Unternehmen kaum Zugang zu wichtigen Aufträgen. Die „großen Vier“ unterbieten sich bereits mit Dumpingpreisen. Überdies sind die Aufträge, etwa für die Prüfung der Deutschen Telekom, für kleinere Firmen schlicht zu komplex. Zugleich gefährden die gewichtigen Aufträge wegen ihres enormen Umsatzes die Unabhängigkeit der Prüfungsunternehmen. Es sei deswegen höchste Zeit zu sondieren, „wie der gesellschaftliche Auftrag wirklich erfüllt werden kann“, so die Kommission.Brüssel regt deswegen ein wirksames Aufsichtssystem an, das vom Berufsstand der Wirtschaftsprüfer „gänzlich unabhängig“ sein müsse. Zudem will die EU die gesetzlichen Bestimmungen in einem „EU-Pass“ harmonisieren, der es auch kleineren Anbietern ermöglichen würde, ihre Dienste EU-weit anzubieten.Bevor es zu neuen Regeln kommt, hat die Kommission am Mittwoch in einem ersten Schritt eine Anhörung gestartet. Nach Auswertung der Stellungnahmen wird sie im kommenden Jahr Gesetzesvorschläge machen, denen EU-Parlament und Mitgliedsstaaten dann noch zustimmen müssen.apa/dapd