Bei soviel Euphorie geraten die Schattenseiten leicht aus dem Blick. „Der chinesische Markt ist nach wie vor hochreguliert“, sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen. Vorschriften zur Wahl eines lokalen Partners und zur Verwendung des Gewinns sind an der Tagesordnung. Bei der Zusammenarbeit riskieren die ausländischen Hersteller, dass kostbares Wissen abfließt und die chinesische Konkurrenz es künftig für sich nutzt. Zudem verlangen die Kunden mehr und mehr asiatisch gestaltete Produkte. Und das Land, das viel Geld in die Autoindustrie steckt, steuert auf große Überkapazitäten zu.VW erster europäischer Konzern in ChinaChina hatte sich in den 1980er Jahren für ausländische Autobauer geöffnet. Unter den europäischen Konzernen wagte VW als erster den Schritt, Tochter Audi folgte. Inzwischen sind alle großen Pkw-Hersteller der Welt dort vertreten. Doch in der Volksrepublik darf kein ausländischer Autobauer allein aktiv werden, sondern nur mit einem – staatlich genehmigten – Partner. Der Gewinn aus solchen Gemeinschaftsunternehmen muss logischerweise geteilt werden. Die westlichen Partner können ihre Hälfte nicht einfach aus China abziehen, sondern haben sie vor Ort zu reinvestieren.„Da China weltweit der größte Automarkt ist, wollen sowohl die ausländischen Hersteller als auch ihre chinesischen Partner die Kontrolle über die Joint Ventures gewinnen“, heißt es in einer Analyse der Investmentbank Nomura. General Motors musste Mehrheit abgebenDer US-Konzern General Motors, der mit dem chinesischen Autobauer SAIC im Bunde ist, musste erst vor wenigen Wochen die Mehrheit und damit die Kontrolle an seinen Partner abgeben, der jetzt 51 Prozent der Anteile an der Gemeinschaftsfirma hält.In den Joint Ventures arbeiten die ausländischen Hersteller mit lokalen Konkurrenten zusammen, die nebenher noch Autos unter eigener Marke bauen. Deren Ziel sei es, in den gemeinsamen Unternehmen das nötige technologische Know-how zu gewinnen, warnen die Nomura-Experten. Die Chinesen wollen um jeden Preis lernen, wie man Autos nach westlichem Standard baut. Manche haben sogar mehrere Partner, etwa der SAIC-Konzern, der mit GM und VW verbandelt ist und von beiden profitiert. „Kein nachhaltiger Schutz gegen Wissenstransfer möglich“Die ausländischen Firmen produzieren deshalb ihre Flaggschiffe nicht in China und belassen die neusten Forschungsaktivitäten in ihren Heimatländern. „Gegen Wissenstransfer kann man sich eigentlich nicht nachhaltig schützen“, sagt Autoexperte Ralf Kalmbach von der Unternehmensberatung Roland Berger. „Die deutschen Hersteller können sich aber auf die Stärke ihrer Marken verlassen.“ Viele Chinesen träumen davon, ein deutsches Auto zu besitzen, wie eine Umfrage der Zeitung „China Daily“ vor der Automesse in Peking wieder gezeigt hat. Allerdings ändert sich allmählich der Geschmack. Je stärker China auf der Weltbühne wird, desto selbstbewusster werden auch die Kunden. „Das Zeitalter, in dem nur europäische Modelle verkauft werden, geht zu Ende“, sagt Christian Malorny, Autoexperte von McKinsey. Lediglich Langversionen anzubieten „wird nicht mehr lange reichen“. Chinesischer Autofahrer ähnelt amerikanischemDer chinesische Autofahrer wolle – ähnlich wie der amerikanische – Stufenhecklimousinen mit möglichst kantigem Äußeren, viel Chrom und elektronischem Spielzeug im Innern. Fiat geriet mit seinem Partner Nanjing über dessen Produktvorschläge so in Streit, dass die Turiner 2005 ihren Anteil an der Gemeinschaftsfirma für einen symbolischen Dollar zurückgaben.Weil die chinesische Regierung die Autoindustrie intensiv fördert und alle großen Hersteller dorthin drängen, wird die Produktion weiter rasant steigen. Die Folge: Der Wettbewerb wird schärfer, die Preise geben nach. Überkapazität droht„Wir werden in China in den nächsten fünf Jahren bis zu 30 Prozent Überkapazität sehen“, warnt Unternehmensberater Malorny. „Das ist ein echtes Risiko.“ Gefahren und Schattenseiten gebe es in China für ausländische Pkw-Bauer sehr wohl, sagt auch Autoprofessor Diez. „Aber man hat keine Wahl, sonst wäre man nicht auf diesem Markt. Und das kann sich kein Hersteller mehr leisten.“ apa/reuters