Zehn Stunden dauerte der Poker um das Programm mit einem Umfang von etwa zehn Milliarden Euro.Zwangsabgabe erst auf Nachfrage präsentiertDie eigentliche Bombe des Pakets präsentierte der angespannt wirkende Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem dann am Samstag nur auf Nachfrage: die Beteiligung zypriotischer Bankkunden an der lange verhandelten Rettungsaktion.Wer mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hat, muss eine „Solidaritätsabgabe“ von 9,9 Prozent berappen, bei niedrigeren Beträgen sind es 6,75 Prozent. Es war schnell vom „Zypern-Soli“ die Rede. Auch Russen oder andere Ausländer, die ihr Geld auf der Insel haben, sind betroffen.So etwas gab es bei den Rettungsaktionen für Portugal, Griechenland oder Irland nicht. Warum nun ausgerechnet Zypern? Die Befürchtung der Retter war groß, dass ein Hilfsprogramm den Schuldenstand des kleinen Landes auf ein nicht mehr tragfähiges Niveau treiben könnte. Da musste private Beteiligung her.„Das sind einzigartige Maßnahmen“, versicherte Dijsselbloem. Sein französischer Amtskollege Pierre Moscovici fügte düster hinzu: „Die Eurogruppe hat getan, was getan werden musste.“Unter dem Strich tut sich die Eurozone immer noch schwer mit Rettungsaktionen für angeschlagene Mitglieder. Obwohl Hilfen schon seit drei Jahren laufen und die 17 Staaten inzwischen über einen riesigen Rettungsschirm verfügen, sind Vorbereitungen mit Troika-Besuchen und Nacht-Verhandlungen meist ein Psychodrama mit kaum vorstellbaren Dimensionen.Folgen nicht abzuschätzen - Auch in Italien denkbar?Viele sehen darin eine Schwäche der Europäer. Die Folgen des Tabubruchs bei Zypern sind bisher kaum zu ermessen. Die Verantwortlichen versichern zwar, die von einer Bankenkrise erschütterte Insel sei ein Sonderfall, die Rettung sei keine Vorlage für andere Länder.Doch wenn der smarte Niederländer Dijsselbloem konkret gefragt wird, ob sich die Krisenländer Italien und Spanien auf das Modell Zypern einstellen müssen, wenn sie von den Euro-Partnern Geld haben wollen, lautet die lapidare Antwort: „Das wurde nicht debattiert. Darüber möchte ich nicht spekulieren.“