Mittwoch, 30. September 2020

Europäische Fachleute prüfen Vatikan-Finanzen

Kurz nach Bekanntwerden neuer Skandale um die Finanzen des Vatikans hat ein Expertenausschuss des Europarats mit einer Kontrolle der Kirchenkassen begonnen. Die Inspektion durch die Fachleute des Moneyval genannten Ausschusses sei lange geplant gewesen, teilte die Pressestelle des Heiligen Stuhls am Mittwoch mit.

Der Vatikan stand schon wiederholt im Verdacht, eine Rolle bei Korruption und Geldwäsche zu spielen.
Der Vatikan stand schon wiederholt im Verdacht, eine Rolle bei Korruption und Geldwäsche zu spielen. - Foto: © FIRO/SID
Das Gremium begutachtet das Vorgehen des Vatikans gegen Geldwäsche und andere kriminelle Finanztransaktionen. In den vergangenen Tagen hatten erneut Berichte über Investitionen des katholischen Kirchenstaates in Luxusimmobilien in London für Schlagzeilen gesorgt.

Kardinal entlassen

Außerdem entließ Papst Franziskus (83) am Donnerstag vor einer Woche Kardinal Angelo Becciu aus seinen Ämtern ( STOL hat berichtet). Dieser hatte in einer früheren Position im Staatssekretariat viele Geldströme beaufsichtigt. Becciu (72) wies alle Vorwürfe, etwa den der Vetternwirtschaft, als falsch zurück.

Ob auch eine Reise des australischen Kardinals George Pell (79) nach Rom im Umfeld dieses Skandals steht, war unklar. Pell war vor knapp einem halben Jahr vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen worden. Nach einem australischen Medienbericht hat er Sydney in der Nacht zum Mittwoch verlassen. Pell war früher Finanzchef des Vatikans gewesen. Er gilt als Gegner des geschassten Kardinals Becciu.

Verdacht von Korruption und Geldwäsche

Die Entwicklungen kommen zu einem heiklen Zeitpunkt: Der Papst will am Samstag in Assisi in Umbrien eine neue Enzyklika unterschreiben. Das Lehrschreiben „Fratelli tutti“ soll am Sonntag in Rom veröffentlicht werden.

Katholische Finanzorgane, etwa die Vatikanbank IOR, standen wiederholt im Verdacht, eine Rolle bei Korruption und Geldwäsche zu spielen. Franziskus bemüht sich seit langem, die wenig transparenten Geldströme im Kirchenstaat neu zu ordnen.

dpa

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