Im Interview mit s+ spricht er über Ursachen und Folgen und auch darüber ob die Abkehr vom Verbrenner-Aus die Lösung sein könnte. <BR /><BR /><b>Der angekündigte verschärfte Sparkurs von VW hat aufhorchen lassen, Experten fürchten, das wird nur die Spitze des Eisberges sein. Wie schätzen Sie die Lage ein? Wie ernst ist die Krise der europäischen Autohersteller?</b><BR />Oliver Janz: Grundsätzlich sehe ich 3 verschiedene Effekte. Erstens: Fast alle Experten sind sich einig, dass die europäischen Fahrzeugproduktionsmengen sich verringern werden. Über die genaue Zahl kann man sich streiten, aber dass Europa schnell auf das Vor-Corona-Niveau zurückkehrt, ist sehr unwahrscheinlich. Deshalb sind alle Ebenen der Automobilindustrie vom Fahrzeughersteller bis ganz nach hinten in der Lieferkette – wie wir als Gusslieferant – aufgefordert, die Hausaufgaben zu machen. Das bedeutet, die Kostenstrukturen müssen auf die neuen Bedarfe angepasst werden und wir müssen alle neue Ideen für effizientere Herstellung und effizientere Produkte suchen.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-66481907_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Sehen Sie auch die Politik in der Pflicht? </b><BR />Janz: Das ist der zweite Punkt: Die Politik in Deutschland macht sich aus meiner Sicht wenig Gedanken darum, die wirtschaftlichen Randbedingungen zu verbessern. Zu nennen ist hier vor allem die faktisch nicht vorhandene Energiepreispolitik. Andere europäische Länder sind da wesentlich wirtschaftsfreundlicher unterwegs. Und der dritte Punkt: Die Marke Volkswagen hat schon seit geraumer Zeit aufgestaute Hausaufgaben, die umso gefährlicher werden, umso mehr Punkt 1 und 2 zutreffen. Die Randbedingungen des Marktes verstärken die ohnehin hausgemachten Probleme. Die politische Komponente von Volkswagen in Deutschland macht das umso schwerer. Alles in allem ist das eine gefährliche Lage, in der alle Spieler schnellstens ihre Hausaufgaben machen müssen. <BR /><BR /><b>Welche Auswirkungen hat die Entwicklung bislang auf die Automobilzulieferer und worauf müssen sie sich noch einstellen?</b><BR />Janz: Der Preiskampf ist im Moment sehr gefährlich und sehr stark von asiatischen Interessen geprägt. Insbesondere in China werden die aufgebauten Kapazitäten aufgrund deren Wirtschaftskrise nicht voll benötigt und drängen nun mit niedrigen Preisen nach Europa. Die großen Zulieferer sind selbst unter Druck und greifen gern nach dieser Chance, die uns heimischen Zulieferern natürlich schadet. In jüngster Zukunft sehen wir allerdings, dass einige zeitkritische und technisch komplexe Aufträge wieder in Europa vergeben werden. Wir sehen außerdem nun tatsächlich eine Marktbereinigung, also die Schließung von wirtschaftlich nicht konkurrenzfähigen Unternehmen. Dieser Trend wird in den nächsten Monaten anhalten. So makaber das klingt, aber das hilft den Unternehmen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Wie es mittelfristig weitergeht, kann, glaube ich, im Moment niemand genau sagen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071129_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie sehen Sie Südtirols Zulieferbranche aufgestellt? Ist Stellenabbau ein Thema?</b><BR />Janz: Hier kann ich nur für die Alupress sprechen. Wir haben schwierige Jahre hinter uns und wir glauben, dass es weiter schwierig bleibt. Aber wir konnten in den vergangenen Monaten wieder einige neue Aufträge holen und wir sehen auch, dass zum Beispiel Brückentechnologien wie der Hybrid wieder deutlich anziehen. Ich denke wir haben in den letzten Jahren unsere Hausaufgaben im Großen und Ganzen gemacht und sehen kein signifikantes Wachstum, aber eine stabile Auftragsbasis. Es gibt noch viel zu tun, aber wir werden unsere Mannschaft zusammenhalten, sie sind der Kern unseres Erfolges. Also ist für uns Stellenabbau kein Thema aktuell.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-66482128_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Verkehrsminister Matteo Salvini hat bereits angekündigt, sich in Brüssel dafür stark zu machen, dass das Verbrenner-Aus wieder aufgehoben wird. Wäre das sinnvoll – für Industrie und Umwelt? </b><BR />Janz: Wir denken, dass Ausgewogenheit der Schlüssel zu vielem ist. Der Switch zu batterieelektrischen Fahrzeugen wird kommen, davon bin ich überzeugt. Diesen dürfen wir keinem anderen Kontinent überlassen. Ich glaube aber auch, dass es sinnvoll ist, die Übergangszeit zu verlängern, da es ja auch bei der Infrastruktur noch einigen Nachholbedarf gibt, der sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Für die Wirtschaft und das Wohlergehen der Arbeitnehmer ist zu wünschen, dass alle in dieselbe, gemäßigte Richtung gehen. Das hat den Kontinent in der Vergangenheit auch schon stark gemacht.