Zu Jahresbeginn war das Plus in den 19 Staaten der Währungsunion mit 0,5 Prozent noch etwas niedriger ausgefallen. Von April bis Juni war das Wachstum nun genauso kräftig wie in den USA, die sich konjunkturell bereits wesentlich früher von den Folgen der weltweiten Finanzkrise erholt haben als die Eurozone.Auch Italien spürt Aufwind„Unterstützt von der besser laufenden Weltwirtschaft und vom Krisenmodus der EZB-Geldpolitik zieht die Wirtschaftsleistung seit einiger Zeit auch bei den Wachstumsnachzüglern im Euroraum an“, sagte Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.Dazu gehört auch Italien, dessen Wirtschaft lange vor sich hindümpelte. Nun hat sie zumindest den Anschluss an die anderen großen Volkswirtschaften der Währungsunion geschafft. Das BIP zwischen Brenner und Sizilien legte im Frühjahr um 0,4 Prozent zu. Es wuchs damit im selben Tempo wie zu Jahresbeginn.Wachstum dürfe Regierung zugutekommenDie Regierung von Ministerpräsident Paolo Gentiloni strebt heuer ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent an. Die Daten aus dem ersten Halbjahr lassen darauf schließen, dass dieses Ziel übertroffen wird. In Italien stehen Anfang 2018 Wahlen an. Eine konjunkturelle Erholung und spürbare Fortschritte beim Abbau der Arbeitslosigkeit dürften dem regierenden Partito Democratico zugutekommen.Zuletzt hatte der Movimento Cinque Stelle bei Kommunalwahlen bereits einen Dämpfer erlitten.In den Niederlanden brummt die WirtschaftIn den Niederlanden, wo das Lager der EU-Gegner bei den Parlamentswahlen heuer ebenfalls eine Niederlage hinnehmen musste, brummt die Wirtschaft: Sie legte im Frühjahr um 1,5 Prozent zu und überflügelte damit Frankreich (0,5 Prozent), Deutschland (0,6 Prozent) und selbst Spanien (0,9 Prozent).Ökonom Krüger geht angesichts der breiten konjunkturellen Erholung davon aus, dass das Wachstum dieses Jahr höher ausfallen wird, als es viele Experten noch zu Jahresbeginn auf dem Zettel hatten: „Die Wirtschaft im Euroraum wird die Zwei-Prozent-Marke knacken.“ Auch Bert Colijn von der Bank ING traut ihr eine Zwei vor dem Komma zu: „Aber in der zweiten Jahreshälfte dürfte sich das Wachstum einen Tick verlangsamen.“EZB könnte Geldspritzen drosselnEZB-Chef Mario Draghi hat angesichts der Konjunkturerholung für den Herbst eine Diskussion in Aussicht gestellt, um über die Zukunft der von der Zentralbank ausgelösten Geldflut zu beraten. Die EZB hat bereits Wertpapiere im Volumen von mehr als zwei Billionen Euro erworben, um die Konjunktur zu stützen und die nach ihrem Geschmack zu niedrige Inflation anzuheizen. Nächstes Jahr könnte sie die monatliche Dosis der Geldspritzen drosseln, wie Experten vermuten.Auch US-Wirtschaft zieht anJenseits des Atlantiks hatte sich die Wirtschaft nach einer Schwächephase zu Jahresbeginn im Frühjahr wieder aufgerappelt. US-Präsident Donald Trump will das Wachstum mit einer „phänomenalen“ Steuerreform und Investitionen auf drei Prozent hochtreiben. Doch selbst die amerikanische Notenbank Fed bezweifelt, dass er die Konjunktur so stark auf Trab bringen kann.apa/reuters