„Es besteht konkret das Risiko, dass man unterversichert ist“, warnt der Meraner Versicherungsexperte Georg Theiner. Auch Verbraucherschützerin Stefanie Unterweger rät, die eigene Polizze regelmäßig zu kontrollieren – jetzt erst recht. <BR /><BR />Mit dem Aufschwung nach der Coronapandemie hat sich Bauen deutlich verteuert. Allein im vergangenen Jahr sind die Baukosten nach Angaben des italienischen Verbandes der Bauunternehmer Ance um 35 Prozent gestiegen. Das hat auch Auswirkungen auf die Gebäudeversicherungen. Denn die Versicherungssummen könnten aktuell nicht mehr reichen, um einen Schaden zur Gänze zu decken. „Wenn die Versicherungssummen bei Feuer- bzw. Sachversicherungen nicht angepasst werden, ist das Risiko einer Unterversicherung sehr real – für Besitzer privater Wohnhäuser genauso wie für Kondominien und Betriebe, speziell im Hotel- und Gastgewerbe, wo meist besonders hochwertig gebaut wird“, betont Georg Theiner, Geschäftsführer des Versicherungsbüros Gest Broker. <BR /><BR />Und das kann unter Umständen böse Folgen haben: „Denn beim Großteil der Feuer- bzw. Sachversicherungsverträge bildet der Neuwert des Gebäudes und des Inhaltes die Grundlage der Versicherungssumme – also wie viel es kosten würde, alles neu aufzubauen. Doch diese Kosten sind heute ganz andere als vor 1,5 Jahren. Wer dann 30 Prozent unterversichert ist, muss diese Ausgaben selber tragen“, gibt der Experte zu denken. Ein Beispiel: Der Schaden beträgt 500.000 Euro, bei einer unzureichenden Versicherungssumme von 30 Prozent zahlt die Versicherung 350.000 Euro und für 150.000 Euro muss der Versicherte selbst aufkommen. „Tritt morgen vielleicht ein Schaden in Millionenhöhe ein, dann kann das existenzbedrohend sein“, warnt Theiner. <BR /><BR />Doch wie viele Südtiroler sind heute unterversichert? Das ist schwer zu sagen, meint Theiner. „Aber jeder, der seinen Vertrag in den letzten Jahren nicht angepasst hat, sollte seine Versicherung kontrollieren und eventuell anpassen.“<BR /><BR />Das rät auch Stefanie Unterweger, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS). „Grundsätzlich sollte man seine Versicherungsverträge sowieso alle paar Jahre – in der Regel alle 5 Jahre – kontrollieren. Die aktuellen Preissteigerungen sind eine gute Gelegenheit, sich des Themas anzunehmen und hochzurechnen, ob die Versicherungssumme noch ausreicht.“ Panik sei keine angebracht, nicht jeder sei unterversichert, vor allem wer erst in den vergangenen Jahren einen Vertrag abgeschlossen habe, sei wahrscheinlich in Ordnung. Aber jenen, deren Vertrag schon lange in der Schublade verstaubt, rät die Expertin sehr wohl einen Blick drauf zu werfen. <BR /><BR />Was Versicherungsnehmer oft auch nicht bedenken: Unterversichert kann man auch schon bei kleineren Sachschäden sein. Denn wenn der Vertrag auf dem Neubauwert bzw. den Neuanschaffungskosten basiert, dann greift in der Regel die sogenannte Verhältnisklausel, wie Georg Theiner erklärt. Das heißt: Ist man bei einem vollständigen Schaden unterversichert, ist das auch bei einem Teilschaden der Fall. „Beträgt die Versicherungssumme zum Beispiel eine Million Euro und der Neubau des Hauses würde heute 1,4 Millionen Euro kosten, dann ist man 40 Prozent unterversichert. Diese Unterversicherung wird aber nicht nur angewendet, wenn zum Beispiel das ganze Haus abbrennt, sondern auch wenn nur die Küche beschädigt ist. Konkret: Wenn eine neue Küche 20.000 Euro kostet, zahlt die Versicherung 40 Prozent weniger, also nur 12.000 Euro und den Rest muss man selber zahlen.“<BR /><BR />Im Gebäudebereich gibt es zwar auch eine Sonderregel, die Erstrisikoversicherung, die aber weniger verbreitet ist, wie Theiner sagt. Dabei gibt der Kunde an, wie viel er sein Haus versichern will, unabhängig davon was es wert ist. Die Prämien dafür sind aber deutlich höher als jene für sogenannte Neuwertversicherungen. <BR /><BR />