Montag, 27. April 2020

Exportbetriebe dürfen wieder arbeiten

Aufatmen bei Südtirols Exportbetrieben: Nun gibt es eine zweifache Absicherung, dass ein Großteil der heimischen Industrie- und Exportbetriebe ab dem heutigen Montag wieder arbeiten darf. Zu verdanken ist dies vor allem auch der Unterstützung Österreichs. Gleichzeitig hat Rom ein Rundschreiben erlassen, laut dem Export-Unternehmen als strategisch für die Wirtschaft in Italien anzusehen sind.

Südtirols Exportbetriebe können aufatmen.
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Südtirols Exportbetriebe können aufatmen. - Foto: © shutterstock
„Ich stehe seit mehreren Tagen in Kontakt mit der deutschen und der österreichischen Bundesregierung“, sagt Wirtschaftslandesrat Philipp Achammer zu den „Dolomiten“. Achammers Bemühungen wurden von Erfolg gekrönt: Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte Achammer sofort zu, Südtirol bei der Wiedereröffnung der Industrie zu unterstützen.

Am Samstag folgte dann ein Brief der österreichischen Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck an das Bozner Regierungskommissariat und den Präfekten Vito Cusumano mit dem Betreff: „Wiedereröffnung der Industrieunternehmen zur Sicherung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Italien und Österreich“. Der Wohlstand von Österreich und Italien werde wesentlich von der Wirtschaftsleistung der Industrie generiert, heißt es im Schreiben. „Daher ist es für die eng verbundenen Wirtschaftsräume wichtig, möglichst schnell aus dem Covid-Lockdown herauszukommen und dass die Unternehmen in beiden Ländern möglichst gleichzeitig wieder öffnen können.“

Österreich für Südtirols Wirtschaft wichtig

Um besser zu verstehen, wie wichtig Österreich für Südtirols Wirtschaft ist: Südtirols Export nach Österreich beläuft sich auf ein Volumen von jährlich rund 500 Millionen Euro. Aber auch Südtirol ist für Österreichs Wirtschaft von Bedeutung: „Viele österreichische Unternehmen sind auf die Lieferung von italienischen und vor allem von Südtiroler Unternehmen angewiesen“, schreibt Ministerin Schramböck. „Wenn sie ausblieben, sind unsere Unternehmen möglicherweise gezwungen, auf die Zulieferung aus anderen europäischen und außereuropäischen Ländern umzustellen.“ Damit bestätigte die österreichische Wirtschaftsministerin das, wovor der Südtiroler Unternehmer-Präsident Federico Giudiceandrea seit Tagen warnt: Dass die Südtiroler Industriebetriebe Kunden bei einem längeren Lockdown unwiderruflich verlieren.

Schramböck nannte im Brief an Cusumano sogar einige Unternehmen, die für die Aufrechterhaltung der internationalen Lieferkette essenziell seien, nämlich: Frener&Reifer, Pichler Project, Vitralux, Rema, Nordform, Rizzoli, Appartebau, Leitner, Technoalpin, Demaclenko, GKN, Intercable, Autotest, Walterscheid, Seppi, Lochmann, Eller, Ambach, Progress, Roefix, Durst, Alupress, Doppelmayr, Kaessbohrer, Prinoth, Duka, Wolf System und ALKO.

Schramböck beendet das Schreiben an Cusumano mit der Bitte, die Wiederaufnahme der Tätigkeit in den genannte Unternehmen zu ermöglichen.

2 Möglichkeiten

Laut gültiger italienischer Gesetzeslage gibt es 2 Möglichkeiten, dass Unternehmen in der aktuellen Situationen wieder öffnen dürfen: Entweder ist man eingestuft als strategisches Unternehmen für den Staat, wie etwa Fiat. Und die zweite Möglichkeit ist, dass eine ausländische Regierungsinstitution bestätigt, dass bestimmte Unternehmen essenziell sind für die Aufrechterhaltung der internationalen Lieferkette. Was mit dem Schreiben von Margarete Schramböck geschehen ist.


Gleichzeitig hat das italienische Innenministerium gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium und dem Wirtschaftsministerium gestern Nachmittag ein Rundschreiben erlassen, laut dem Unternehmen, die vorwiegend im Export tätig sind, als strategisch für die nationale Wirtschaft anzusehen sind. Auch werden Bautätigkeiten als strategisch eingestuft, deren Fortführung für die Eindämmung des geologischen Risikos, bzw. für den öffentlichen Wohnbau, den Bau von Schulen oder Gefängnissen relevant ist, heißt es im Rundschreiben, das gestern auch an alle Präfekten in Italien verschickt worden ist.

„Das bedeutet eine zweifache Absicherung“, sagt Achammer. „Damit ist uns auch mit der Unterstützung Österreichs ein großer Durchbruch gelungen, damit unsere Export-Unternehmen ab morgen (heute, Anm. d. Red.) ihre Tätigkeit wieder aufnehmen können.“ Laut Achammer könnte mit dieser neuen Regelung der allergrößte Teil der Südtiroler Industriebetriebe die Produktion wieder starten. „Damit werden weitere Millionenschäden fürs Erste abgewendet.“

Auch Landeshauptmann Arno Kompatscher, der im Rahmen der Staat-Regionen-Konferenz interveniert hat, dass man strategisch wichtige Unternehmen wieder arbeiten lassen sollte, zeigt sich erfreut, dass es gelungen sei, die internationale Lieferkette aufrechtzuerhalten, was mit der Einteilung Roms nach ATECO-Kodizes nicht der Fall gewesen sei. „Das ist eine gute Lösung für Südtirol“, so Kompatscher.



sor

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