<b>Wie hat sich der Exportmarkt Schweiz entwickelt?</b><BR />Christian Schweigkofler: Der Export in die Schweiz hat seit 2020 jedes Jahr zugelegt. Lag das Exportvolumen 2021 bei 273 Millionen Euro, waren es 2023 352 Millionen. Nichtsdestotrotz ist die Schweiz im Gesamtranking der wichtigsten Südtiroler Exportmärkte auf Platz 5 abgerutscht. Aber nicht, weil in die Schweiz weniger verkauft wurde, sondern weil Frankreich und die USA im Vergleich mehr zugelegt haben.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1139364_image" /></div> <BR /><BR /><b>Exporte ins Nachbarland Österreich machen 11 Prozent und in die Schweiz nur 5 Prozent aus. Woran liegt das?</b><BR />Schweigkofler: Firmen gehen bei den Exportbemühungen gerne den Weg des geringeren Widerstandes. Und das sind nun mal Deutschland, Österreich und der gesamte EU-Binnenmarkt. In Richtung Österreich gibt es keine restriktiven Bedingungen. Es gibt keine fremde Währung, keine Zölle, keine Exportvorschriften und die Normen bzw. Qualitätsstandards sind dieselben. Nichtsdestotrotz ist aber die Schweiz, gleich wie Österreich, ein direktes Nachbarland mit vielen Opportunitäten.<BR /><BR /><b>In welchen Sektoren sehen Sie das größte Potenzial?</b><BR />Schweigkofler: Maschinen und maschinelle Anlagen, Bauprodukte und Bauzulieferungen, aber auch Maschinenzulieferungen sind wichtige Bereiche. Gerade weil derzeit in vielen Sektoren der Absatzmarkt Deutschland und Österreich schwächelt, kann die Schweiz eine gute Alternative sein. Aber es braucht einen langen Atem, eine gute Vorbereitung und eine klare Markteintrittsstrategie.<BR /><BR /><embed id="dtext86-68950621_quote" /><BR /><BR /><b>Was sind denn die Hürden und Besonderheiten der Schweiz?</b><BR />Schweigkofler: Da ist einerseits das Bewilligungsverfahren für die Mitarbeiter ausländischer Unternehmen zu nennen, das mit dem Entsendegesetz detailliert geregelt ist. Da sind einige Meldepflichten und Herausforderungen zu meistern, wenn zum Beispiel Monteure eines Südtiroler Unternehmens in der Schweiz arbeiten wollen. Aber da sind nun Erleichterungen im Anmarsch. Ab April sollte ein vereinheitlichter Onlineschalter für Unternehmen – „easygov“ – online gehen. Zudem ist angekündigt, dass in der zweiten Jahreshälfte die Voranmeldefristen für Arbeiten in der Schweiz gesenkt werden. Im Grunde wirken diese Regelwerke im ersten Moment abschreckend, aber es ist alles machbar.<BR /><BR /><b>Was ist der größte Vorteil, mit der Schweiz Handel zu betreiben?</b><BR />Schweigkofler: Die Schweiz ist direktes Nachbarland mit guten Wirtschaftszahlen, hohem Pro-Kopf-Einkommen, hohem Qualitätsanspruch, guter Währungsstabilität und seriösem Geschäftsgebaren. Südtirol und die Schweiz haben schon seit Langem eine gute Geschäftsverbindung und sie kennen sich. Wenn der Schweizer Kunde einmal eine stabile Geschäftsbeziehung aufgebaut hat, dann ist er in der Regel ein sehr loyaler Kunde.<BR /><BR /><b>Gibt es auch einen finanziellen Vorteil?</b><BR />Schweigkofler: Das ist früher teilweise so gewesen. Mittlerweile hat sich das Preisgefüge in vielen Bereichen nivelliert. Natürlich, der Preis muss stimmen und besonders die Qualität. Da hat Südtirol einen Wettbewerbsvorteil. Ich kenne viele Firmen, die mittlerweile gute Geschäfte mit der Schweiz machen.<BR /><BR /><b>Wie viele Firmen sind in der Schweiz aktiv?</b><BR />Schweigkofler: Wir wissen von ungefähr 20 Südtiroler Firmen, die eine Betriebsstätte in der Schweiz haben. Wir wissen ungefähr von 300 Südtiroler Firmen, die in der Schweiz eine Steuerposition haben, also doch eine erhebliche Größe.<BR /><BR /><b>Was für Unterstützungsmaßnahmen gibt es?</b><BR />Schweigkofler: Generell ist ein Beratungsgespräch wichtig und der erste Schritt, um die Ist-Situation des Unternehmens zu ermitteln. Dann geht es um die Marktabklärung, die Produktabklärung und um die Ermittlung einer Vertriebs- und Markteintrittsstrategie. Und dabei können wir schon gewisse Maßnahmen unterstützen.