Wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht, wuchs die Kreditvergabe der Banken in den 16 Euroländern im Juli aufs Jahr hochgerechnet so langsam wie noch nie, nämlich nur noch um 0,6 Prozent. Im Juni hatte das Plus noch 1,5 Prozent betragen, im Mai 1,8 Prozent. Auch Analysten wurden von dem abermaligen Rückgang des Wachstums in dieser Größenordnung überrascht. Von Reuters befragte Fachleute hatten mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gerechnet. Auf Monatsbasis sank die Kreditsumme den sechsten Monat in Folge. Von einer Kreditklemme wollten Fachleute aber dennoch nicht reden.Die EZB versucht bereits seit Monaten mit aller Kraft eine Kreditklemme zu verhindern. Ende Juni stellte sie den Banken zum ersten Mal seit Einführung des Euro unbegrenzt Liquidität zur Verfügung. Die Banken nahmen das Angebot damals gerne an und sicherten sich fast eine halbe Billion Euro. Seitdem tobt der Streit, ob sie dieses Gel der Wirtschaft zur Verfügung stellen oder lieber ihre Eigenkapitalbasis stärken oder am Finanzmarkt spekulieren. Die EZB hat für Ende September und Dezember zwei weitere massive Liquiditätsspritzen angekündigt.Eine Kreditklemme ist so ziemlich das Schlimmste, was einer Volkswirtschaft passieren kann. Wenn nämlich Banken keine oder zu wenig Kredite mehr an Unternehmen vergeben, können diese nicht mehr investieren. Wegen der schweren Rezession im Winterhalbjahr wollen viele Unternehmen aber aktuell auch gar kein Geld für neue Maschinen und Anlagen ausgeben. Dies könnte sich aber bei einem beginnenden Aufschwung wieder ändern. Somit entscheidet sich wahrscheinlich erst in einigen Monaten, ob es Deutschland tatsächlich mit einer Kreditklemme zu tun hat: Wenn die Unternehmen wieder bereit sind, Geld auszugeben, aber vielleicht bei ihrer Hausbank keines bekommen.apa/reuters