Montag, 04. Juli 2016

EZB erhöht Druck auf italienische Traditionsbank MPS

Die schwierige Lage der italienischen Banken alarmiert die Europäische Zentralbank (EZB).

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Die Notenbank forderte in einem Schreiben die Großbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) zu einem drastischen Abbau ihrer faulen Kredite auf. Das Geldhaus bestätigte am Montag den Eingangs des Briefs. Der Aktienkurs der Traditionsbank stürzte daraufhin auf ein Rekordtief und riss die Kurse weiterer italienischer Banken nach unten.

Die Bankaufseher der EZB verlangen in dem Schreiben, dass die MPS ihre faulen Kredite von knapp 47 Milliarden Euro im vergangenen Jahr bis 2018 um rund 30 Prozent auf mindestens 32,6 Milliarden reduziert. Der Anteil der Darlehen, bei denen die Kunden Probleme mit der Rückzahlung haben, soll dann nicht mehr als 20 Prozent des gesamten Kreditvolumens ausmachen. Derzeit sind es rund 40 Prozent.

In einer ersten Stellungnahme betonte die Bank, dass die EZB-Vorgaben im Rahmen ihrer eigenen Planungen lägen. Bei dem Schreiben handele es sich zunächst auch nur um einen „Entwurf“. Die Bank habe sofort den Kontakt zur EZB aufgenommen, um ihre eigene Argumentation zu erklären. Endgültige Vorgaben sollen Ende Juli feststehen. Dann wird auch die EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA die Ergebnisses ihres diesjährigen Stresstests für Banken vorlegen.

Misstrauen der Anleger

Die gesamte Bankenbranche Italiens leidet seit Monaten unter dem Misstrauen der Anleger. Grund ist, dass sich nach Jahren der Rezession in den Bilanzen der Kreditinstitute zusammen Problemdarlehen von 360 Milliarden Euro türmen.

MPS ist davon besonders betroffen. Das 1472 gegründete Geldhaus gilt als das älteste der Welt. Doch seit der Finanzkrise hat es sich nicht wirklich erholt – trotz mehrerer Kapitalerhöhungen und zweier Rettungsaktionen durch den Staat. Die Aktien der Bank haben in diesem Jahr schon rund 70 Prozent an Wert verloren.

Für den Abbau der faulen Kredite fehlt den meisten Geldhäusern das nötige Kapital. Sie müssten die Papiere mit deutlichen Verlusten verkaufen und hohe Abschreibungen vornehmen. Deshalb erwägt die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi, den Banken mit Staatsgeld unter die Arme zu greifen. Allerdings stößt das auf Widerstand der Europäischen Union.

apa

stol