Donnerstag, 04. Juni 2020

EZB stemmt sich mit weiteren 600 Milliarden Euro gegen Coronakrise

Europas Währungshüter legen im Kampf gegen die beispiellosen wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie noch einmal kräftig nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) stockt ihr Corona-Notkaufprogramm für Anleihen um 600 Milliarden Euro von bisher 750 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro auf. Die Mindestlaufzeit des Kaufprogramms wird zudem um ein halbes Jahr bis Ende Juni 2021 verlängert.

Christine Lagarde kündigte die Möglichkeitzu einer Aufstockung schon Ende April an.
Christine Lagarde kündigte die Möglichkeitzu einer Aufstockung schon Ende April an. - Foto: © APA (dpa) / Boris Roessler
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte bereits Ende April betont: „Wir können aktuell bis Ende des Jahres über eine Billion Euro einsetzen.“

Der EZB-Rat sei bereit, den Umfang des Notkaufprogramms PEPP „so weit und so lange wie nötig anzupassen“. Zunächst hatte die EZB bis mindestens Jahresende 750 Milliarden Euro für den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen im Rahmen des Corona-Notprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) veranschlagt.

Die Wertpapierkäufe helfen Staaten wie Unternehmen: Sie müssen für ihre Papiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. In der Krise haben Staaten milliardenschwere Rettungspakete aufgelegt, das belastet die Haushalte.

Bei den Zinsen hat die EZB dagegen relativ wenig Spielraum. Denn der Leitzins im Euroraum liegt seit nunmehr gut 4 Jahren auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent - und auf diesem Niveau bleibt er nach dem Beschluss des EZB-Rats vom Donnerstag auch.

Hauptziel der EZB ist ein ausgewogenes Preisniveau bei einer mittelfristigen Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Die Inflation liegt allerdings seit Jahren unter diesem Zielwert. Der Trend hat sich in der Coronakrise durch den Einbruch der Energiepreise in Folge weltweit gesunkener Nachfrage verschärft. Im Mai lagen die Verbraucherpreise im gemeinsamen Währungsraum der 19 Länder nur noch um 0,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Stagnieren Preise oder fallen sie gar auf breiter Front, kann das Verbraucher und Unternehmen verleiten, Investitionen aufzuschieben. Denn es könnte ja bald noch günstiger werden. Dieses Abwarten kann die Konjunktur abwürgen. Nach Einschätzung der Notenbank wird die Konjunktur im Euroraum infolge der Viruspandemie ohnehin drastisch einbrechen. Demnach dürfte die Wirtschaftsleistung heuer um 8 bis 12 Prozent schrumpfen.

Europas Währungshüter sind seit Jahren im Krisenmodus. Die laufenden Kaufprogramme der Notenbank für Anleihen haben mit gut 2,8 Billionen Euro bereits ein gewaltiges Volumen erreicht.

apa