Mittwoch, 29. November 2017

Facebookverkäufe bis Babysitting: Gefälligkeit oder Schwarzarbeit?

Die selbstgestrickten Socken gehen auf Facebook weg wie die warmen Semmeln. Die Babysitterin kommt für die paar Stunden. Die Masseurin behandelt zuhause "unter der Hand": Die Schattenwirtschaft ist Tabuthema und Grauzone zugleich. Wo die Grenze liegt und welche Konsequenzen die Schwarzarbeit mit sich bringt, wurde im Rahmen einer Tagung analysiert, die der Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh) gemeinsam mit der Handelskammer Bozen organisiert hat.

Soziale Netzwerke werden zunehmende als Verkaufsplattformen genutzt.
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Soziale Netzwerke werden zunehmende als Verkaufsplattformen genutzt.

Letzthin sind die Grenzen zwischen Legalität und Illegalität immer mehr verwischt. Die fortschreitende Digitalisierung trägt ihren Teil dazu bei: Handwerklich gefertigte Produkte wie Torten oder Stricksachen werden ohne steuerlich relevante Rechnung über die sozialen Netzwerke verkauft. 

Mietwagenunternehmer und Schönheitspfleger unter der Hand

Mietwagenunternehmer und Taxifahrer leiden unter der Konkurrenz von Dienstleistungsunternehmen wie Uber oder Mietfahrbörsen wie BlaBlaCar. All dies sind Grauzonen, die nicht eindeutig gesetzlich geregelt sind. Unklar bleiben nicht nur steuerrechtliche Aspekte, sondern auch die Erfüllung anderer Auflagen wie jene der Arbeitssicherheit oder der Hygienevorschriften.

Immer öfter hört man auch von Friseuren, Schönheitspflegern, Fotografen oder Masseuren, die arbeiten, ohne ein offizielles Gewerbe angemeldet zu haben. Ein ähnliches Phänomen stellen die sogenannten Hinterhofgaragen dar, in denen Autos für einen Spottpreis repariert werden, nicht zuletzt auf Kosten der allgemeinen Verkehrssicherheit.

Babysitter und Nachbarschaftshilfe

Konkrete Zahlen über die Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit legte im Rahmen einer Tagung der Direktor der Abteilung Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen Georg Lun dar. Ökonom und Fachmann für die Forschungsdisziplinen Schattenwirtschaft, Steuerhinterziehung und organisierte Kriminalität sowie in der Umweltökonomie Friedrich Schneider erklärte, dass eine große Diskrepanz zwischen Legalität und Illegalität bei den haushaltsnahen Dienstleistungen (Nachbarschaftshilfe, Friseur, Babysitten usw.) liege.

Zu viel schwarze Schafe

„In Italien gibt es zu viele von den schwarzen Schafen, die ihr Gewerbe erst gar nicht anmelden, daher überhaupt keine Steuern zahlen, natürlich keine Investitionen tätigen, keine regulären Arbeitsplätze schaffen und so letztendlich der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft schaden“, unterstreicht lvh-Präsident Gert Lanz.

Auf der anderen Seite droht - als Konsequenz dieses Phänomens – die Spirale durch der steigenden Belastungen durch Abgaben, Gebühren und solidarischen Zwangsfonds, die regulären Betriebe zu ersticken und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu zerstören.

Rechtschaffene Unternehmer im Hintertreffen

In die gleiche Kerbe schlägt Handelskammerpräsident Michl Ebner: „Wer einen Betrieb führt, steht jeden Tag vor neuen Herausforderungen: Steuern zahlen, gesetzliche Auflagen einhalten, Bürokratie bewältigen, Mitarbeiter beschäftigen und ausbilden, dem Konkurrenz- bzw. Investitionsdruck standhalten und vieles mehr. Rechtschaffene Unternehmer dürfen nicht ins Hintertreffen geraten, weil es sich einige zu leicht machen und die gesetzlichen Bestimmungen umgehen.“

Eine Statistik der OECD 2017 belegt klar: Wenn es um Schattenwirtschaft geht, zählt Italien zu den Spitzenreitern in der Europäischen Union. Die Leidtragenden sind diejenigen, die die rechtlichen Auflagen erfüllen und ihre Steuern bezahlen.

stol/lvh

stol