Halbleiter, Baustoffe, Metalle: Lieferschwierigkeiten und Engpässe sind ein großer Hemmschuh für die Wirtschaft. Teils führen sie zur paradoxen Situation, dass Aufträge zwar da sind, aber nicht ausgeführt werden können.Bei Tätowierern gibt es für den Mangel jedoch noch einen weiteren Erschwernisfaktor: Anfang des Jahres ist die neue EU-Chemikalienverordnung zur Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe in Kraft getreten. <BR /> <BR />Sie verbietet das Bemalen der Haut mit einem Großteil der bis dato genutzten Farben – und belastet die hiesige Tattoo-Branche trotz ausreichender Vorlaufzeit schwer. Übrigens: Mit „Tattoo-Branche“ sind die rund 40 Studios südtirolweit gemeint. <BR /><BR />„Aktuell ist die Situation so, dass die meisten Hersteller ihre Farbproduktion noch nicht an die neuen Vorgaben angepasst haben. Das heißt, es sind kaum EU-konforme Farben verfügbar“, sagt Heidi Tutzer, Geschäftsführerin des Bozner Tattoostudios Fatline Tattoo. „Kunden, die ein Farbtattoo oder ein Schwarztattoo mit einzelnen Farb-Akzenten wünschen, müssen sich in Geduld üben.“ <BR /><BR />Natürlich sei dies ärgerlich, sagt die Tätowiererin, aber ihr Ärger richte sich in erster Linie gegen die Hersteller: „Dass die Verordnung kommt und auch wann sie kommt, ist schon lange bekannt. Vermutlich haben die Produzenten darauf gehofft, dass die Frist noch einmal verlängert wird“, vermutet Tutzer. <BR /><BR />Eine weitere Erklärung: Viele Produzenten haben in Pandemiezeiten ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit vorübergehend heruntergefahren und sind daher aktuell noch nicht mit einem neuen Produkt am Markt.<BR /><BR /> Für die Verordnung an sich zeigt Tutzer indes großes Verständnis: „Seit Jahrzehnten steht die Frage über mögliche Gesundheitsrisiken im Raum. Ich finde es gut, dass man nun mit der EU-Verordnung endlich einen rechtlichen Rahmen geschaffen hat. Das gibt allen Klarheit, den Kunden und natürlich auch uns Tätowierern, die mit den Farben tagtäglich arbeiten.“ <BR /><BR /><b>Farbennotstand könnte noch Monate dauern</b><BR /><BR />Wann sich der Farbnotstand in den Tattoostudios auflösen wird, lässt sich laut Tutzer schwer abschätzen. „Ich hoffe, dass das Problem bald aus der Welt ist, einige Wochen oder im schlimmsten Fall Monate dürfte es aber schon noch dauern. Konkrete Liefertermine vonseiten der Hersteller gibt es derzeit aber noch nicht.“ <BR /><BR />Die Sorge, dass sich das Hin und Her bei den Farben vor Beginn der Hauptsaison für Tätowierer im Frühjahr negativ auf die Nachfrage auswirken könnte, hält man in der Branche für unbegründet. <BR /><BR />Tattoos sind in den letzten Jahren endgültig in den Mainstream vorgedrungen. Eine Studie aus Deutschland bestätigt das: Seit 2021 hat sich dort die Zahl der Tätowierten fast verdoppelt. Besonders verbreitet sind Tattoos unter den 20- bis 29-Jährigen. Fast jeder Zweite (47,1 Prozent) von ihnen hat mindestens eines, wie aus der Umfrage des Instituts Ipsos hervorgeht. Bei den 30- bis 39-Jährigen hat jeder Dritte (33,9 Prozent) ein oder mehrere Tattoos. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es 28,1 Prozent und bei den 50- bis 59-Jährigen 17,1 Prozent.<BR />