Und auch Kurt Gruber, der Sunnfolt-Bauer aus Kortsch, hat sich Schritt für Schritt selbst davon überzeugen können, wie sehr die Vielfalt auf einem Hof die Produktion positiv beeinflusst. Auch er ist von Obst auf Gemüse umgestiegen. Sie alle sind Mitglieder von „Farmfluencers of South Tyrol“. Was bewegt sie Teil des Netzwerkes zu sein? Wir haben mit ihnen gesprochen.<BR /><BR /><b>Sie sind Teil des Netzwerkes „Farmfluencers of South Tyrol“. Ein Gewinn für Sie …?</b><BR />Lisa Maria Kager: Auf jeden Fall. Dieses Netzwerk ist aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt hin zum Ziel, die Landwirtschaft in größerem Rahmen zu verändern. Das Projekt verdient allerdings mehr Unterstützung, mehr Gehör, denn meine Erfahrung ist, dass im Bereich der landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion noch viel geurteilt und verurteilt wird, statt sich öffentlich darüber auszutauschen. Als „Farmfluencers“ haben wir nun aber die Möglichkeit bekommen, die Konsumenten über unsere Arbeit aufzuklären, auf diese Weise mit ihnen in einen Diskurs zu treten, woraus wiederum Verständnis erwachsen kann. Jeder soll dann für sich entscheiden, ob er unsere Prinzipien teilen möchte oder nicht. <BR /><BR /><b>Sie betreiben regenerative Landwirtschaft. Was ist das eigentlich?</b><BR />Kager: Kurz gesagt, legen wir den Fokus unserer Arbeit darauf, Kohlenstoffe im Boden zu speichern. Das mag jetzt eigenartig klingen. Aber Kohlenstoff ist unser Kapital, denn ein kohlenstoffreicher Boden bedeutet Fruchtbarkeit. Daraus können wir gesundes Obst, Gemüse, Kräuter produzieren und es völlig unbehandelt an die Kunden weitergeben. Regenerativ bedeutet sogar, dass wir durch die Produktion von Nahrungsmitteln einen besseren Boden hinterlassen, als er es vorher war. Im Grunde ist es das, was ein Bauer tun sollte: Lebensmittel produzieren, aber mit dem Ziel, den Boden fruchtbarer zu machen. Wenn die Landwirtschaft nicht beginnt, das in größerem Stil zu tun, werden wir laut der Wissenschaft nur noch 50 bis 100 Ernten einfahren, danach sind die Böden der Welt ausgelaugt.<BR /><BR /><b>Wie wünschen Sie sich die Landwirtschaft in Südtirol in 10 Jahren?</b><BR />Kager: Ich wünsche mir generell kleine Kreisläufe. Wir müssen weg vom globalen Denken. Erst dieser Tage hatte ich auf Instagram einen Austausch mit einem Biobauern, der meinte, dass es mit unserer Form der Landwirtschaft ja gar nicht möglich sei, für den Export zu produzieren. Ich habe ihm geantwortet: Genau darum geht es. Als Landwirte müssen wir unser unmittelbares Umfeld ernähren. Je größer das Bewusstsein für gesunde Produkte in meinem Umfeld ist, desto kleiner kann ich den Kreislauf halten.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/suedtirols-baeuerliche-influencer" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Mehr zum Thema „Farmfluencer“ lesen Sie hier.</a><BR /><h3> „Unser Motivator war der Sohn“</h3>Kurt Gruber ist kein Radikaler, der seine Thesen anderen auf die Nase binden möchte. Ganz im Gegenteil, der Sunnfolt-Bauer aus Kortsch hat sich Schritt für Schritt selbst davon überzeugen können, wie sehr die Vielfalt auf einem Hof die Produktion positiv beeinflusst. Auch er ist von Obst auf Gemüse umgestiegen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="890117_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie haben Sie zu den „Farmfluencers of South Tyrol“ gefunden?</b><BR />Kurt Gruber: Wir haben eine Veranstaltung besucht, auf der sich andere „Farmfluencers“ vorgestellt haben. Kurz zuvor hatten wir begonnen, unsere Obstwiesen Schritt für Schritt in Gemüsefelder umzuwandeln. Wir haben Meike und Tom zu uns eingeladen, und sie waren gleich überzeugt davon, dass wir zu ihnen passen. <BR /><BR /><b>Warum Gemüse statt gut bezahltes Obst …?</b><BR />Gruber: Unser Motivator bei der Umstellung war unser Sohn Andreas, der schon in seiner Jugend einen bunten Hausgarten angelegt hat. Wir haben 2018 zunächst auf biologischen Anbau umgestellt, weil wir gesünder produzieren wollten. Wir fühlten uns aber noch immer nicht wohl, weil es eigentlich immer noch um die schönsten Äpfel für den internationalen Markt ging. Andreas hat dann damit begonnen, Gemüsepflanzen zwischen den Obstbaumreihen zu setzen. Gleichzeitig haben wir aufgehört, die Bäume zu behandeln. Es hat funktioniert, und mittlerweile arbeiten wir auf regenerativer Basis, also ohne Dünger, Spritzmittel oder andere Behandlung, sondern mit Hilfe von natürlichem Humusaufbau im Boden. Die Mischkultur fördert die Nützlinge und lässt den Schädlingen kaum eine Chance. Gleichzeitig sparen wir Wasser und damit eine wichtige Ressource. <BR /><BR /><b>Können Sie vom Gemüseanbau leben?</b><BR />Gruber: Heuer arbeiten wir erstmals alle auf dem Hof. Hin und wieder helfen wir anderswo aus und verdienen uns etwas dazu. Das Endziel wäre aber, den gesamten Hof auf Gemüse umzustellen – zurzeit haben wir auch noch Obstbäume – und ausschließlich davon leben zu können. Die Netzwerktreffen haben uns bisher sehr weitergeholfen und werden es wohl auch weiterhin tun. Wir sind froh, dass es diesen Austausch mit Gleichgesinnten gibt. Das Netzwerk hat uns als Sunnfolt-Team auch bekannter gemacht.<BR /><BR />