Samstag, 18. April 2015

Fehlendes Vertrauen in die italienische Politik

„Wissen. Können. Handwerk“ lautet das Jahresmotto des Wirtschaftsverbandes für Handwerk und Dienstleister (lvh), der am Samstag in Anwesenheit von zahlreichen Unternehmern und Ehrengästen die Landesversammlung des Südtiroler Handwerks abhielt.

Ein gefüllter Saal bei der Landesversammlung des Südtiroler Handwerks
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Ein gefüllter Saal bei der Landesversammlung des Südtiroler Handwerks

 Dass das handwerkliche Können in den Vordergrund gestellt und weiterentwickelt werden muss, war eine der zentralen Botschaften der Veranstaltung.

„Noch nie gab es so viel Wissen wie heute und noch nie war es so einfach, sich Wissen anzueignen. Theoretisches Wissen ist allerdings nur sinnvoll, wenn es auch in konkrete Produkte oder Dienstleistungen umgesetzt wird, so wie es im Handwerk tagtäglich geschieht“,  erklärte lvh-Präsident Gert Lanz am Samstag im Rahmen der Landesversammlung des Südtiroler Handwerks.

Kleinbetriebe bereit für Neuerungen 

 

Für Südtirols Kleinbetriebe sei es selbstverständlich, Bereitschaft für Neuerungen zu zeigen und die notwendige Flexibilität aufzubringen, um sich an neue Situationen anzupassen. Nur diese Eigenschaften lassen die über 14.000 Südtiroler Handwerksbetriebe am Markt bestehen.

 „Schwierig wird es aber, wenn in Rom über Nacht Schnellschüsse für Gesetze gemacht werden, die für die kleinen Realitäten nicht anwendbar sind. Erschwerend kommt hinzu, dass auch lokal die Spielräume bei einigen Bestimmungen nicht genutzt werden“, so Lanz, der mit dieser Botschaft an die Politik appellierte, realistische Voraussetzungen für große als auch kleine Unternehmen zu schaffen. 

Fehlendes Vertrauen in die Politik

Landeshauptmann Arno Kompatscher bestätigte das derzeitig fehlende Vertrauen in die italienische Politik und die unzuverlässige Gesetzgebung, die vielfach den Beamten und weniger den Politikern zuzuschreiben sei.

„Nicht Schnellschüsse werden Italiens Wirtschaft wettbewerbsfähig machen, sondern gut durchdachte und sinnvolle Maßnahmen. Die Landesregierung wird sich auch weiterhin bemühen, den jeweiligen Realitäten entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen“, unterstrich Kompatscher.

Applikationswissen durch Berufslehre

Wissen und Können im Handwerk spiegelt sich in Südtirol vor allem in der dualen Ausbildung wider. Der Schweizer Wirtschaftsjournalist und Gastredner der Veranstaltung Rudolph Strahm zeigte die Vorteile des arbeitsintegrierenden Berufsbildungssystems auf.

„Die Berufslehre hat die Fähigkeit, die sogenannte praktische Intelligenz zu entwickeln, d.h. die Fähigkeit, theoretisches Fachwissen auch anwenden zu können. Am Beispiel der Schweiz, wo sich 70 Prozent der Jugendlichen für eine Lehre entscheiden, kann man den Erfolg des dualen Systems klar erkennen“, sagte Strahm.

Schweiz gemeinsam mit Deutschland und Österreich wirtschaftlich top 

 

Die Schweiz gehört, gemeinsam mit Deutschland und Österreich, auf EU-Ebene zu jenen Ländern, die die stärkste Wirtschafts- und Innovationskraft, Exportfähigkeit und Wirtschaftseffizienz aufzeigen.  Grundvoraussetzung für diesen Erfolg ist die Durchlässigkeit des Bildungssystems, damit Jugendliche und besonders deren Eltern erkennen, dass eine Lehre nicht eine Sackgasse ist, sondern enorme Chancen bietet. Darin waren sich auch die Teilnehmer der Gesprächsrunde einig, an der lvh-Präsident Gert Lanz, die Vorsitzende der Junghandwerker Jasmin Fischnaller, die Direktorin für Lehrlingswesen und Meisterausbildung Cäcilia Baumgartner, der ADAPT-Präsident Emmanuele Massagli und Rudolph Strahm teilnahmen.

Eine Verzahnung zwischen Schul- und Werkbank sei für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration unabdingbar – wiederum mit den notwendigen, an die Realität angepassten Rahmenbedingungen.

stol

stol