Der Rotationsfonds war in den 90er Jahren gegründet worden, um Betrieben zu günstigen Darlehen für ihre Investitionen zu verhelfen. Dabei stellte das Land einen Teil der benötigten Mittel als Darlehen den Nutznießern zinsfrei zur Verfügung, für den anderen Teil wurde das Geld bei einer Bank zu gängigen Zinsen geliehen – so ergab sich am Ende ein günstiger Gesamtzinssatz. Lange Zeit war der Rotationsfonds ein unverzichtbarer Teil der heimischen Wirtschaftsförderung, verlor allerdings in den vergangenen Jahren aufgrund der historisch niedrigen Zinsen extrem an Attraktivität. Tatsächlich wurde er so uninteressant, dass er in der Coronakrise mehr oder weniger still gelegt wurde, keine neuen Ansuchen mehr möglich waren und die Rückflüsse daraus anderweitig verwendet wurden. <BR /><BR />Doch mit dem neuen Kurs der Europäischen Zentralbank und den nun steigenden Kreditzinsen hat sich das Blatt gewendet. „Der Rotationsfonds ist ein wichtiges Finanzierungsinstrument vor allem für die Klein- und Mittelbetriebe, für die andere Instrumente wie Mikrobonds zu komplex und zu teuer sind“, betont der Chef des Wirtschaftsverbandes für Handwerk und Dienstleister, Martin Haller. In den vergangenen Jahren sei er zwar nicht so gut genutzt worden, doch in Zeiten hoher Zinsen sehr wohl. Deshalb könnte er nun durchaus wieder interessant werden – vor allem für das Handwerk und den Tourismus, der traditionell den Rotationsfonds stark genutzt hat. <BR /><BR />Ähnlich sieht es der Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV), Manfred Pinzger. „Die Zinsen werden wohl weiter steigen – die nächste Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank steht ja bevor –, deshalb wäre eine Neuauflage des Rotationsfonds sicher zielführend.“ Allerdings müsste das Instrument angepasst und die Zugangskriterien müssten überprüft werden. „Wir stehen jedenfalls voll dahinter. In erster Linie müsste aber mal das OK kommen, dass man bereit ist, eine Neuauflage anzugehen“, so Pinzger in Richtung Politik.<BR /><BR />Und will die Politik das Thema angehen? Wirtschaftslandesrat Philipp Achammer kann der Idee durchaus etwas abgewinnen, plädiert aber für eine neue Ausrichtung. Es sei sicher sinnvoll, eine Öffnung zu prüfen, auch wenn das Zinsniveau trotz der EZB-Entscheidungen des vergangenen Jahres immer noch relativ niedrig sei, so Achammer. <BR /><BR />Eine Kopie des alten Rotationsfonds sollte es nach seinen Worten jedoch nicht werden. „Man sollte überlegen, wofür man ihn öffnet. Wir denken daran, ihn nicht grundsätzlich für alle Investitionen zu öffnen, sondern zielgerichtet für Investitionen, die bestimmte Entwicklungen unterstützen, zum Beispiel für Investitionen in Nachhaltigkeit oder solche, die Betriebsübergaben erleichtern.“ <BR /><BR />Entsprechende Gespräche mit dem Landeshauptmann und den Wirtschaftsprofessoren Gottfried Tappeiner von der Uni Innsbruck und Alex Weissensteiner habe es bereits gegeben, gemeinsam werde man nun Vorschläge erarbeiten.<BR /><BR />Achammer rechnet allerdings nicht damit, dass es noch vor 2024 zum Comeback kommen wird – „außer es ergeben sich kurzfristige wirtschaftliche Notwendigkeiten“. <BR />