„FIOM vertritt längst tote Ideologien, in denen die Unternehmer gegen die Arbeitnehmer sind. Das ist längst vorbei. Wollen die Gewerkschaften die italienische Industrie töten?“, kritisierte Marchionne.Er wählte gegenüber der Gewerkschaft, die seine Forderungen nicht akzeptiert, einen besonders rauen Ton. „Das Panda-Modell ist bisher in Polen produziert worden. Dort hat man ein Produktionsniveau erreicht, das bisher noch kein italienisches Werk erreicht hatte. Ich kann eine ganze Liste von EU-Ländern nennen, die Schlange stehen, damit wir bei ihnen den neuen Panda produzieren“, erklärte Marchionne.Vier von fünf Gewerkschaften haben Fiats Forderungen zugestimmt. Der FIOM-Verband beharrt dagegen auf seinem Veto gegen die Bedingungen des Autobauers. Damit bleibt die Zukunft der Fabrik ungewiss, in der ab 2011 das neue Panda-Modell hergestellt werden soll. Marchionne besteht darauf, dass alle fünf Gewerkschaften die Forderungen akzeptieren, bevor das Turiner Unternehmen 700 Millionen Euro in die Anlage investiert.Die Zustimmung der Gewerkschaften gilt als Bedingung, damit Fiat die Produktion des neuen Panda-Modells in Neapel und nicht in den polnischen Fiat-Werken in Tychy erfolgt. Dafür verlangt der Konzern beträchtliche Änderungen im Produktionssystem und in den Arbeitsschichten. Am Dienstag sind die 5.200 Mitarbeiter des neapolitanischen Fiat-Werks zu einer Abstimmung aufgerufen. Sie müssen entscheiden, ob sie Fiats Bedingungen akzeptieren wollen.Laut dem Fiat-Plan werden alle Mitarbeiter des neapolitanischen Werks in drei Schichten von jeweils acht Stunden arbeiten müssen. Die Arbeitspause wird von 40 auf 30 Minuten verkürzt. Die Arbeitswoche kann je nach Marktbedingung zwischen vier und sechs Tage lang sein. Jeder Arbeitnehmer muss jährlich bis zu 80 Überstunden garantieren. Ein absolutes Novum ist das Vorhaben des Unternehmens, die Bewegungen jedes Arbeitnehmers mit Hilfe eines Informatik-Systems zu berechnen und zu kontrollieren. Mit diesem Plan sollen in Pomigliano 25 Autos pro Tag mehr als bisher hergestellt werden.Die FIOM bemängelt, dass die Forderungen Fiats in mehreren Aspekten gegen das seit 1970 geltende Arbeitsrecht verstoße. „Die Forderungen Fiats enthalten zu viele Abweichungen vom Kollektivvertrag und den Gesetzen“, so FIOM-Sekretär Maurizio Landini. Die FIOM rief die Fiat-Belegschaft zu einem achtstündigen Streik am 25. Juni gegen die Forderungen der Konzernführung auf.apa