Donnerstag, 14. Mai 2020

Fitnessstudios noch ohne Perspektive: „Wir sind bereit, dürfen aber nicht!“

Die Fitnessstudios dürfen trotz Südtirols Sonderweg in Phase 2 als einzige Branche nicht aufsperren. Es gibt derzeit weder von Südtiroler Seite, noch von Rom eine Perspektive für eine baldige Öffnung. Grund dafür sei die hohe Ansteckungsgefahr bei sportlichen Aktivitäten in geschlossenen Räumen. Wie sehen das die Fitnessstudio-Betreiber? STOL hat bei Maria Rastner, Besitzerin von Knackig Fitness in Brixen, nachgefragt.

Maria Rastner, Fitnessclub-Besitzerin von Knackig Fitness in Brixen, würde sich über eine klare Perspektive freuen.
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Maria Rastner, Fitnessclub-Besitzerin von Knackig Fitness in Brixen, würde sich über eine klare Perspektive freuen. - Foto: © Maria Rastner
STOL: Frau Rastner, Sie als Fitnessstudiobesitzerin haben harte Zeiten hinter sich und offenbar auch noch vor sich. Im Gegensatz zu allen anderen Branchen dürfen Sie noch nicht öffnen und es gibt auch noch keinen Termin.

Maria Rastner: Genau. Landesrat Philipp Achammer hat sich zwar sehr dafür eingesetzt, dass auch wir im Landesgesetz berücksichtigt werden und wir waren fast sicher, dass wir – wie Friseure und Kosmetikstudios – am 11. Mai öffnen dürfen. Doch leider kam es nicht dazu, da die gesundheitlichen Bedenken zu groß waren. Am Montag fand eine Videokonferenz zwischen dem Landesrat und den Fitness-Studiobesitzern statt. Dort wurde klar, dass Achammer sehr wohl überzeugt ist, dass auch wir die nötigen Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen erfüllen könnten und er werde auch weiterhin darauf hinarbeiten, dass es zu einer baldigen Öffnung kommt. Doch bisher gibt es keine Perspektive. Und genau das ist das schwierigste an der Situation: Die Ungewissheit und dass man nichts kalkulieren kann. Das einzige, was wir derzeit anbieten dürften, ist Outdoor-Training mit Kleingruppen mit maximal 6 Personen und 3 Meter Abstand. Das ist zwar eine nette Alternative, aber nicht zu vergleichen, mit dem, was wir im Studio bieten.

STOL: Sie haben sich also zunächst schon auf eine Öffnung am 11. Mai vorbereitet?

Rastner: Ja, mein Team und ich standen schon in den Startlöchern, wir waren perfekt vorbereitet. Wir haben eine Plexiglasabtrennung an der Theke angebracht und alle Maßnahmen, die auch Bars und Restaurants einhalten müssen, erfüllt. Die Geräte sind in angemessenem Abstand voneinander positioniert, haben die Geräte von 20 auf 11 reduziert und auch dort Plexi-Abtrennungen aufgestellt. Desinfektionsmittel steht ebenfalls bereit. Ich bin die letzte, die will, dass jemand zu Schaden kommt, aber wir sind optimal in der Lage, alles Sicherheitsauflagen zu erfüllen. Gleich wie Friseure habe ich einen Thermometer, wir würden die Leute nur nach Voranmeldung ins Studio lassen und natürlich auch viel weniger Menschen gleichzeitig. Ich kann desinfizieren und lüften. Natürlich ist mir bewusst, dass es ein anderes Arbeiten wird, aber es wäre fein, wenn wir auch endlich anfangen dürften.

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STOL: Fitnessstudios wurden kürzlich als Virenschleudern bezeichnet...

Rastner: Ja genau, und da werde ich richtig zornig. Denn Angst zu schüren ist einfach nicht der richtige Weg.

STOL: Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Rastner: Ich hoffe jetzt einfach auf Rom, dass wir am 25. Mai hoffentlich aufsperren dürfen. Natürlich muss man da dann sehen, wie die Maßnahmen sind, die wir erfüllen müssen. Falls die Richtlinien zu extrem sind, wie etwa mit Maske trainieren, dann wird es schwierig. Und wir sind jetzt bereits an einem kritischen Punkt. Langsam sollte mal was passieren. Wir haben den Mitgliedern die Zeit, in der sie nicht trainieren konnten, gut geschrieben, das sind jetzt 2 Monate und vielleicht werden es sogar 3. In diesen Monaten haben wir natürlich Spesen, meine Mitarbeiter sind derzeit in Lohnausgleichskasse. Wir haben unseren Club und unser Konzept so gut ausgebaut, wir kommen gut an und ich mache diesen Beruf mit absoluter Leidenschaft und Herzblut. Es tut weh zu sehen, dass jetzt alles den Bach runtergeht und dass die Wertschätzung von oberster Ebene nicht unbedingt da ist.

STOL: Außer, dass Sie bald öffnen möchten, was wünschen Sie sich noch für Ihre Branche?

Rastner: Ich hoffe sehr, dass wir eine Entschädigung für den langen Ausfall bekommen. Gerade weil wir anscheinend vergessen worden sind. Ich habe zwar schon für die Hilfe für Kleinunternehmen angesucht und auch um die 600 Euro der INPS, habe aber erstens bis jetzt noch nichts erhalten und zweitens ist das für einen 3-monatigen Ausfall ehrlich gesagt auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Außerdem wünsche ich mir, dass die Wichtigkeit unseres Berufes und unserer Branche anerkannt wird. Bedanken möchte ich mich bei all meinen Mitgliedern, die mich in dieser Zeit unterstützt haben und ich hoffe sehr, Ihnen bald mitteilen zu dürfen, dass wir wieder für Sie da sind.

Sarkastisches Video auf Facebook

Um ihrem „Frust“ über die ganze Situation etwas Luft zu machen, nahm Maria Rastner die Argumente gegen die Öffnung der Fitness-Studios aufs Korn.

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Interview: Verena Stefenelli


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