Donnerstag, 27. August 2020

Förderbank will mit Roms Unterstützung Mailands Börse kaufen

Die Mailänder Börse steht zum Verkauf und die italienische Regierung denkt an den Einstieg in die „Borsa Italiana“ über die staatliche Förderbank CDP nach.

Die Mailänder Börse steht zum Verkauf.
Die Mailänder Börse steht zum Verkauf. - Foto: © ANSA / MATTEO BAZZI
Die Regierung um Premier Giuseppe Conte hat in einem Schreiben an die Spitze der in staatlicher Hand stehenden Förderbank ihre Bereitschaft signalisiert, CDP-Pläne zur Übernahme der „Borsa Italiana“ zu unterstützen.

Auf bis zu 4 Milliarden Euro wird der Wert der Mailänder Börse beziffert, die von der London Stock Exchange (LSE) verkauft wird. Um kartellrechtlichen Probleme in Europa bei der Übernahme des Datenanbieters Refinitiv für 27 Milliarden Euro auszuschließen, will LSE die Mailänder Börse verkaufen – inklusive deren 60-prozentiger Beteiligung an der Plattform für den Handel von Staatsanleihen MTS. LSE hatte die Mailänder Börse 2007 für 1,6 Milliarden Euro erworben.

Die staatliche Förderbank reichte zusammen mit der Mehrländerbörse Euronext ein unverbindliches Angebot für die MTS-Plattform ein. Weitere Interessenten sind die Betreiberin der Schweizer Börse SIX und die Deutsche Börse, berichtete das Mailänder Blatt „Corriere della Sera“ am Donnerstag.

Sollte Euronext die gesamte Mailänder Börse übernehmen, würde die Förderbank CDP als Partner im Aufsichtsrat einsteigen können. Indiskretionen zufolge soll CDP hinzu Euronext-Aktionär mit einem achtprozentigen Anteil aufrücken. Damit könnte CDP bei einer der weltweit wichtigsten Börsen mitreden können. Euronext verwaltet die Börsen von Paris, Amsterdam, Oslo, Brüssel, Lissabon und Paris.

Der italienische Staat weitet derzeit in Zeiten der Coronaviruskrise seinen Einfluss auf die Wirtschaft kräftig aus. Die CDP, die Anteile an strategischen Unternehmen wie ENI, der Post, Telecom Italia und der Reederei Fincantieri besitzt, erhielt im Rahmen eines groß angelegten Pakets zur Wirtschaftsförderung in Zeiten der Coronakrise 44 Milliarden Euro, um weitere Beteiligungen zu erwerben.

apa

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