Am stärksten zeigt sich die Schieflage an der Unternehmensspitze: Nur rund jede zehnte Führungsposition ist weiblich besetzt (11,4 Prozent). Im mittleren Management kommen Frauen auf einen Anteil von etwa einem Viertel. Erst bei den Angestellten kippt das Verhältnis: Hier stellen Frauen inzwischen die Hälfte, bei den Arbeitern liegt ihr Anteil bei knapp 40 Prozent. Die Zahlen stammen vom Arbeitsförderungsinstitut (Afi), das den Bericht im Auftrag von Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer erstellt hat. Abgebildet wird die Situation in Südtirols größeren Betrieben – also jenen mit mehr als 50 Beschäftigten.<h3> Frauen in der Teilzeitfalle</h3>Was die Arbeitszeiten angeht, sind die Unterschiede ebenfalls eklatant: Von fünf Teilzeitstellen entfallen mehr als vier auf Frauen. Männer arbeiten fast ausschließlich Vollzeit. „Kurzfristig erleichtert das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bedeutet aber weniger verfügbare Liquidität für die Frau – langfristig bedeutet es gebremste Karrieren und niedrigere Renten“, bringt es Perini auf den Punkt.<BR /><BR />Die Ursachen für die Schieflage sind zweifach. „Zum einen verdient man in klassischen Frauenberufen – etwa in Bildung und Pflege – im Schnitt weniger als bei eher männerdominierten Tätigkeiten in Industrie und Handwerk. Das führt dazu, dass in vielen Familien eher die Frau aus finanziellen Gründen ihre Arbeitszeit reduziert. Zum anderen halten sich traditionelle Rollenbilder hartnäckig. Zwar nehmen inzwischen mehr Väter Elternzeit, doch fast immer nur für kürzere Zeit.“<BR /><BR />Der Afi-Chef glaubt dennoch an konkrete Fortschritte: „Ein Blick nach Skandinavien zeigt, wohin die Reise gehen kann: Dort reduzieren beide Elternteile ihre Arbeitszeit gleichmäßig, etwa auf 75 Prozent. Auch in Südtirol sind immer mehr junge Paare für solche Modelle offen – wenn die Rahmenbedingungen passen.“<h3> Deutlich niedrigere Bonuszahlungen</h3>Offensichtlich wird die Ungleichheit auch bei den Bonuszahlungen. An der Unternehmensspitze verdienen Frauen im Schnitt zwar beachtliche 35.000 Euro an Zusatzvergütungen, ihre männlichen Kollegen liegen aber noch einmal rund 6.500 Euro darüber – ein Abstand von 15 Prozent. In der mittleren Führungsebene wird die Schere größer: Männer kassieren fast 16.000 Euro, Frauen nicht einmal 10.000. Bei den Angestellten öffnet sich die Lücke noch weiter – hier erhalten Männer im Schnitt 6.000 Euro, Frauen dagegen nur gut 2.300. Bei den Arbeitern bekommen Männer über 2.000 Euro, Frauen gerade einmal 361 Euro.<BR /><BR />Unterm Strich bedeutet das: Frauen erhalten bei Bonuszahlungen im Schnitt nur rund ein Drittel dessen, was Männer ausgezahlt bekommen. Der sogenannte Gender-Pay-Gap liegt je nach Ebene zwischen 15 und 83 Prozent. „Es handelt sich um Durchschnittswerte, unabhängig von der Arbeitszeit. Das verzerrt das Bild zwar etwas, dennoch bleiben die Unterschiede beträchtlich“, betonte Afi-Direktor Stefan Perini.<h3> „Aufstieg ist leichter geworden“</h3>Der Gleichstellungsbericht enthält jedoch auch Lichtblicke: „Bei internen Beförderungen liegt der Frauenanteil inzwischen bei knapp der Hälfte – ein Zeichen, dass der Aufstieg innerhalb der Unternehmen leichter geworden ist.“<h3> Das Fazit der Gleichstellungsrätin</h3>Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer machte klar: „Ohne eine effektive Politik zur Vereinbarkeit und ohne einen kulturellen Wandel in der Aufteilung der Pflegearbeit wird die Geschlechtergleichstellung ein fernes Ziel bleiben.“<BR /><BR />Sie fordert mehr Ganztages-Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten und eine faire Bezahlung frauendominierter Berufe. „Rückenwind könnte zudem von der neuen EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz kommen, die Lohnunterschiede sichtbar machen soll“, so Hofer.