Anlässlich des Jubiläums haben wir mit Geschäftsführer Peter Theiner über die Geschichte und auch über die aktuellen Herausforderungen gesprochen.<BR /><BR /><b>1947 gründete Franz Theiner die „Fructus Meran“, 1961 fanden die ersten Obstversteigerungen statt. Warum dieser Schritt?</b><BR />Peter Theiner: Mein Großvater war überzeugt davon, dass das System der Obstversteigerungen richtig ist: Dass der Bauer jenen Preis für seine Äpfel bekommt, den sie wert sind. Schöne Äpfel – gutes Geld. Gemeinsam mit anderen brachte er die Obstversteigerungen von Holland nach Südtirol, auch, um eine Alternative zu den Obstgenossenschaften zu bieten. Das System wurde von Beginn an gut angenommen, gerade in den ersten Jahren stieg die Menge der dargebotenen Äpfel stetig an. Mittlerweile versteigern wir zwischen 30.000 und 40.000 Tonnen im Jahr, Tendenz gleichbleibend.<BR /><BR /><b>Welche Prognosen können Sie für die heurige Apfelsaison abgeben?</b><BR />Theiner: Es sind immer noch Äpfel vom letzten Jahr übrig, auch Überseeware ist liegen geblieben. Das hat den Einzelhandel etwas gebremst. Da sowohl Russland als auch Ägypten in Teilen den Import blockiert haben, müssen sich die Lieferanten, darunter auch aus Polen, andere Märkte suchen. Durch die Hitze im Sommer ist auch die Qualität der Äpfel problematisch, zudem haben die höheren Energiekosten den Obstbauern zugesetzt. Alles in allem sieht es für die heurige Saison nicht sehr rosig aus.<BR /><BR /><b>Neben Tafelobst und den Obstversteigerungen steht Fructus Meran für Obstverarbeitung. Wie kam es dazu?</b><BR />Theiner: Die frühen 1970er Jahre waren schwierig für die Obstwirtschaft, weshalb sich mein Großvater und mein Vater, Franz und Fritz Theiner, nach einer Möglichkeit umsahen, den Obstbauern auch für ihre Früchte zweiter Qualität einen Markt bieten zu können. 1971 wurde damit begonnen, die Äpfel zu schälen, kochen, pasteurisieren und in Dosen zu verkaufen. Die Anfänge waren nicht leicht, auch weil man die Kunden nicht kannte. Mittlerweile ist die Obstverarbeitung der wichtigste Bereich in unserem Betrieb mit dem größten Umsatz: Neben Dunstäpfeln und tiefgefrorenem Obst stellen wir mittlerweile auch Fruchtpüree her.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55982806_quote" /><BR /><BR /><b>Warum 2018 die Entscheidung, auch Fruchtpüree herzustellen?</b><BR />Theiner: Durch die Verarbeitung zu Püree können wir den Obstbauern noch mehr Äpfel abnehmen, die wir vorher nicht verwerten konnten. Wir haben schon immer hauptsächlich Industriebetriebe beliefert, darunter auch Babynahrungsmittelhersteller, weshalb es einfach für uns war, im Bereich Püree Fuß zu fassen. Heute beliefern wir Kunden in weltweit 45 Ländern, hauptsächlich in Deutschland, aber auch in England, den USA, Australien oder Japan.<BR /><BR /><b>Erst Corona, jetzt Energie- und Gaskrise: Wie ist die Lage im Unternehmen?</b><BR />Theiner: Die Pandemie hat gravierende Veränderungen gebracht hat – gar einige unserer Kunden mussten schließen – und es gab Monate, in denen der Absatz eingebrochen war, auch weil die Gastronomie geschlossen war. Aber wir konnten glücklicherweise immer bis Ende des Jahres aufholen, was wir zuvor verloren hatten. Somit haben wir Corona eigentlich gut gemeistert. Die aktuelle Krise ist durch explodierende Preise von Verpackungsmaterialien, Strom und Gas viel schwieriger. Auch wir brauchen für die Pasteurisierung der Dunstäpfel und die Sterilisierung des Pürees viel Gas, dessen Preis aktuell 15 Mal höher ist als früher. Wie unsere Kunden diese Preissteigerung aufnehmen und wie sehr es den Endkonsumenten treffen wird, muss sich erst noch zeigen. Aber: In 75 Jahren haben wir – sei es mein Großvater, mein Vater, mein Onkel und auch ich, mein Bruder und mein Cousin – viele schwierige Zeiten hinter uns gebracht – und immer einen Ausweg gefunden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55984277_listbox" />