Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO der Handelskammer Bozen ging in einer Studie im Auftrag der Pensplan Centrum AG unter anderem dieser Frage nach. <BR /><BR />1995 wurde in Italien das lohn- durch das beitragsbezogene Rentenmodell ersetzt. Man bekommt also das, was man im Erwerbsleben eingezahlt hat, später wieder heraus. Das ist in der Regel deutlich weniger als das, was man in den Jahren vor dem Renteneintritt verdient hat. Für ein komfortables Auskommen könnte die gesetzliche Rente laut Experten für die meisten eher nicht reichen, weshalb es wichtig ist, sich nicht nur aufs Geld vom Staat zu verlassen. Aber sehen das auch die Südtiroler zwischen 20 und 49 Jahren so, sprich jene, die von goldenen Renten nur träumen können? <BR /><BR />„Unsere repräsentative Umfrage zeigt, dass sich rund 2 Drittel der Südtiroler sehr wohl Gedanken zum Thema Altersvorsorge machen. Zum Vergleich: Im Trentino beschäftigt sich nur ein Drittel damit“, so Urban Perkmann, WIFO-Mitarbeiter und einer der Autoren. „Das ist grundsätzlich ein sehr erfreuliches Ergebnis, weil es zeigt, dass die meisten sehr wohl verstanden haben, dass es wesentlich ist, sich damit auseinanderzusetzen.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-55086399_quote" /><BR /><BR />Allerdings sei das Bewusstsein nicht bei allen Altersgruppen gleich ausgeprägt: „Es zeigt sich, dass das Interesse fürs Thema mit steigendem Alter zunimmt. Während der Großteil der Befragten ab 30 Jahren angibt, fürs Alter ausreichend finanziell abgesichert zu sein, fällt besonders bei den 20- bis 29-Jährigen auf, dass sie sich der Notwendigkeit häufig noch nicht bewusst sind“, so Perkmann. „Dafür könnte es mehrere Ursachen geben: Das Rentenalter liegt noch in weiter Ferne, diese Zielgruppe erachtet sich also als noch zu jung, um sich damit zu befassen; das Finanzwissen ist geringer, ebenso die Sparfähigkeit, weil sich viele noch in der Ausbildung befinden oder gerade erst ins Berufsleben eingestiegen sind“, so der WIFO-Experte. <BR /><BR />Bei den befragten Südtirolern zwischen 30 und 49 Jahren fand das WIFO heraus, dass sie ihre Altersvorsorge auf mehreren Standbeinen aufbauen. Ein kluger Ansatz: „Zwar bildet die gesetzliche Rente eine gute Basis, es hat sich jedoch gezeigt, dass eine Strategie, die auf mehreren Säulen beruht, der beste Weg ist, um Altersarmut vorzubeugen.“<BR /><BR /> Zur Erklärung: Man kann in Italien 3 Säulen der Altersvorsorge unterscheiden. Die erste Säule ist die gesetzliche Rente, die vom Fürsorgeinstitut NISF/INPS und den Rentenkassen der Berufskammern verwaltet wird. Die zweite Säule ermöglicht es, eine Zusatzrente aufzubauen, die die gesetzliche Rente ergänzt. In der Region wurde die Entwicklung der Zusatzvorsorge durch die Pensplan Centrum AG sehr unterstützt und hat dazu geführt, dass im Italienvergleich in Südtirol und im Trentino überdurchschnittlich viele Personen eine Zusatzrente aufbauen. Schließlich bildet die Altersabsicherung in Form von sonstigen Vermögensanlagen wie Wertpapieren oder Immobilien die dritte Säule der Altersvorsorge. <h3> Eigenheim, Erspartes, Erbschaften</h3>Worauf verlassen sich die Südtiroler bei der Altersabsicherung aber am häufigsten? „Insgesamt gesehen spielen 2 Formen der Vermögensbildung eine große Rolle für die Altersabsicherung: Zum einen die eigene Wohnung sowie Erspartes bzw. sonstiges Vermögen, etwa in Form von zusätzlichen Immobilien oder Wertpapieren. Allerdings spielt auch die gesetzliche Rente nach wie vor für sehr viele Personen eine große Rolle. Vergleichsweise weniger wichtig werden die Abfertigung bzw. die Zusatzrente eingestuft.“ Für Teile der Bevölkerung spiele auch die Unterstützung durch Verwandte bzw. erwartete Erbschaften eine große Rolle.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="786590_image" /></div> <BR /><BR />Übrigens: Ob jemand privat vorsorgt oder nicht, hängt laut Studie von mehreren Faktoren ab. „Werden im sozialen Umfeld Zusatzrentenfonds für die Altersvorsorge genutzt und wird darüber gesprochen, steigt die Bereitschaft, privat vorzusorgen. Ebenso wenn jemand selbst die finanziellen Einschränkungen von Familienmitgliedern im Ruhestand mitbekommt. Nicht zuletzt wirkt sich der Bildungs- und Informationsstand positiv aus.“ Der wohl wichtigste Aspekt betreffe das Vertrauen in die Institutionen, die im Bereich Altersvorsorge tätig sind, wie etwa die Pensplan Centrum AG. <BR /><BR />Trotz dieser insgesamt doch ermutigenden Ergebnisse dürfe man jedoch nicht außer Acht lassen, dass es bestimmte Gruppen gebe, die besonders gefährdet seien, in die Altersarmut abzurutschen. „Das können zum einen Menschen sein, die arbeitslos werden, ihre Erwerbstätigkeit längerfristig unterbrechen müssen oder eine unregelmäßige Erwerbsbiografie aufweisen, keine ausreichende staatliche Rente und auch keine Zusatzrente aufbauen“, so Perkmann. „Frauen sind dabei stärker betroffen, weil sie häufiger Teilzeit arbeiten oder den Haushalt führen. Das zeigt sich auch daran, dass Männer um die Hälfte mehr Beiträge als Frauen in einen Zusatzrentenfonds einzahlen. Auch mitarbeitende Familienmitglieder, die oft mit ihrem Einkommen nicht zufrieden sind, tun sich schwer, eine ausreichende gesetzliche Rente bzw. Zusatzvorsorge anzuhäufen“, erläutert er. <h3> Privat vorsorgen: „Besser früher, aber nie zu spät“</h3>Johanna Vaja, Präsidentin der Pensplan Centrum AG, zufolge zeigen die Ergebnisse der Studie 2 große Herausforderungen auf: „Zum einen müssen die altersarmutsgefährdeten Gruppen wie z.B. haushaltsführende Personen, mitarbeitende Familienmitglieder, prekär Beschäftigte oder Langzeitarbeitslose unterstützt werden, denn diese sind oft nicht imstande, in die staatliche Rente einzuzahlen oder sich eine Zusatzrente aufzubauen.“ Eine weitere Herausforderung sieht Vaja darin, jene fürs Thema Altersvorsorge zu sensibilisieren, die sich bislang noch nicht oder zu wenig damit auseinandersetzen: „Es freut uns zwar, dass das Thema in Südtirol in der Breite angekommen ist und schon jetzt weit über 20 Prozent der 20- bis 49-jährigen Südtiroler in einen mit Pensplan Centrum konventionierten Zusatzrentenfonds einzahlen. Aber da sehen wir durchaus noch Luft nach oben“, so Vaja. <BR /><BR /><embed id="dtext86-55086632_quote" /><BR /><BR />Darum möchte die Pensplan Centrum AG ein besonderes Augenmerk auf die jungen Generationen legen: „Wir werden unser Engagement für die Finanzbildung in den Schulen ausbauen, um die Jugendlichen schon sehr früh ans Thema heranzuführen. Zugleich möchten wir mit gezielten Kampagnen auf Social Media vor allem die Unter-30-Jährigen ansprechen. Weil: Je früher man beginnt, privat vorzusorgen, desto besser ist es.“ Gleichzeitig sei es jedoch nie zu spät, damit zu beginnen: „Jemand kann auch mit Mitte 40 noch anfangen. Alles ist besser als nichts zu tun.“ Wie jemand seine Zusatzrente aufbauen solle, hänge – wie bei vielen Anlageklassen auch – von der Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont und dem monatlich verfügbaren Sparbetrag ab. <BR /><BR />Auch Frauen sollen mithilfe von Informationskampagnen stärker sensibilisiert werden, da sie sehr oft aus familiären Gründen ein Teilzeitarbeitsverhältnis eingehen, sich der Familie widmen, aber deshalb auch weniger in einen Zusatzrentenfonds einzahlen. „Die Ergebnisse der Studie stellen nicht nur für die Pensplan Centrum AG eine wichtige Datengrundlage für künftige Entscheidungen dar, sondern auch für politische Entscheidungsträger und andere Stakeholder wie etwa das Fürsorgeinstitut NISF/INPS, die Zusatzrentenfonds, Sozialpartner und Bildungseinrichtungen“, so Vaja abschließend. <BR />