<b>In den vergangenen Wochen haben Sie die Mitglieder in den verschiedenen Bezirken über die Fusionspläne informiert. Wie groß sind die Sorgen der Bauern?<BR /></b><BR />Martin Mair: Die Stimmung war insgesamt sehr positiv, auch wenn es natürlich kritische Stimmen gab – und die gehören dazu. Entscheidend ist, dass auf Basis von Fakten diskutiert und am Ende auch entschieden wird. Wir konnten auch sehr gut aufzeigen, dass es sich bei einer eventuellen Fusion nicht um eine Übernahme handelt, sondern um einen Zusammenschluss auf Augenhöhe. Beteiligung, Mitsprache und gleiche Rechte für alle Mitglieder sind Grundprinzipien des Modells. <BR /><BR />Matthias Baumgartner: Auch wir können nicht bestätigen, dass die Mitglieder große Sorgen zeigten. Auffallend war, dass es großes Interesse an den Veranstaltungen gab. Es gab viele Verständnisfragen zur Studie, die wir alle gut beantworten konnten.<BR /><BR /><BR /><b> Die von Ihnen genannte Studie, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurde, zeigt klar die Vorteile eines gemeinsamen Wegs auf. Welche Garantien können Sie den Mitgliedern geben?</b><BR /><BR />Mair: Sowohl Bergmilch als auch der Milchhof Brixen agieren aus einer Position der Stärke heraus – das ist mir sehr wichtig zu betonen. Wir müssen uns nicht zusammenschließen, um erfolgreich zu bleiben. Aber gemeinsam geht es eindeutig besser, davon sind wir überzeugt. Grundsätzlich können wir den Mitgliedern aber versprechen, dass sich in den täglichen Abläufen nichts Grundlegendes ändern wird, wie z. B. in der Milchsammlung.<BR /><BR />Baumgartner: Wenn mit „Garantien“ konkrete Auszahlungspreise gemeint sind, müssen wir klar sagen: Das können und wollen wir nicht versprechen. Sehr wohl ist es aber unser Anspruch, den Abstand bei den Auszahlungspreisen zu unseren Nachbarn in Norditalien, in Deutschland und in Österreich nicht nur zu halten, sondern weiter auszubauen.<BR /><BR /><BR /><b>Dieser Unterschied lag in den vergangenen Jahren meist zwischen 10 und 20 Cent je Kilogramm. Gleichzeitig ist der europäische Milchmarkt sehr volatil – aktuell liegt der Spotmilchpreis wegen Übermengen bei rund 30 Cent pro Kilo.</b><BR /><BR />Mair: Das stimmt. Von internationalen Entwicklungen können auch wir uns nie völlig abkoppeln. Aber wir können uns so aufstellen, dass wir im Verhältnis weiterhin einen guten Preis an unsere Mitglieder auszahlen können.<BR /><BR /><BR /><b>Warum geht das gemeinsam besser?</b><BR /><BR />Baumgartner: Weil wir mehr Wertschöpfung erzielen, unsere Marktmacht bündeln und effizientere Strukturen schaffen können. Das hilft, Preisschwankungen besser abzufedern.<BR /><BR /><BR /><b>Beginnen wir beim Markt.</b><BR /><BR />Baumgartner: In Italien, unserem wichtigsten Markt, hat es in den vergangenen Jahren eine beträchtliche Konzentration gegeben – sowohl bei den Milchverarbeitern als auch im Lebensmitteleinzelhandel. Ein Zusammenschluss verschafft uns mehr Spielraum bei Verhandlungen um Regalflächen und stärkt unsere Position im Marketing und im Storytelling, das wir künftig gemeinsam verfolgen wollen. Ich betone jedoch: Es geht nicht um Wachstum, sondern um Stabilität.<BR /><BR />Mair: Unsere Marktposition verändert sich insofern, als wir stärker zum Generalisten werden und künftig eine nahezu vollständige Produktpalette anbieten können. Das ist im Wettbewerb ein Vorteil und schafft Effizienz in der Produktentwicklung, da Forschung und Entwicklung nicht doppelt betrieben werden müssen. Dazu kommen Synergien etwa in der Logistik, im Einkauf, im Rohstoffmanagement und in der Organisation. Ein Beispiel: Wir bewegen rund 150 Millionen Kilogramm Fertigware pro Jahr. Wenn es gelingt, hier pro Einheit nur einen Cent einzusparen, sprechen wir bereits von rund 1,5 Millionen Euro.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1275066_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b> Werden Sie auch beim Personal einsparen?</b><BR /><BR />Baumgartner: Nein. Es ist absolut nicht geplant, Mitarbeiter abzubauen. Im Gegenteil: Größere Strukturen eröffnen Entwicklungsmöglichkeiten, erlauben Spezialisierungen und machen uns als Arbeitgeber attraktiver. Das ist ein oft unterschätzter, aber entscheidender Faktor.<BR /><BR />Mair: Auch die drei Standorte bleiben bestehen. Daran wird sich nichts ändern. Wie sich die Organisation im Detail entwickelt, wird noch ausgearbeitet.<BR /><BR /><BR /><b>Bergmilch und Milchhof Brixen würden gemeinsam rund drei Viertel der Südtiroler Milch verarbeiten. Ist diese Dominanz ein Problem?</b><BR /><BR />Baumgartner: Nein, weil diese Zahl, isoliert betrachtet nichts aussagt. Der Konsument hat im Supermarkt in Südtirol immer die Wahl zwischen mehreren Alternativen. Auf dem italienischen Markt gibt es Mitbewerber, die fast zehnmal so groß sind wie wir.<BR /><BR /><BR /><b>Zwei Marken oder langfristig doch nur eine – wie soll es nach der Fusion weitergehen?</b><BR /><BR />Baumgartner: Vorgesehen ist eine gemeinsame Absendermarke, die über den bestehenden Herstellermarken steht. Brimi und Mila bleiben zunächst unverändert bestehen – mit ihren jeweiligen Profilen. Langfristig wäre es aus markenstrategischer Sicht sinnvoll, wenn die Absendermarke zur alleinigen Hauptmarke wird.<BR /><BR />Mair: Diese Absendermarke soll sichtbar machen, dass wir gemeinsam auftreten, ohne funktionierende Marken sofort aufzulösen. Dafür gibt es keinen fixen Zeitplan und keinen Zeitdruck.<BR /><BR /><BR /><b>Gibt es bereits einen Namen für diese Absendermarke?</b><BR /><BR />Mair: Nein. Fest steht nur, dass Südtirol im Namen eine zentrale Rolle spielen wird. Wir wollen künftig im Marketing noch stärker auf Herkunft setzen – vor allem am italienischen Markt und in Mitteleuropa, wo wir noch Wachstumspotenzial sehen.<BR /><BR /><BR /><b>Zwischen Ende April und Anfang Mai haben die Mitglieder das Wort. Bei Bergmilch ist eine Dreiviertel-Mehrheit, beim Milchhof Brixen eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Eine hohe Hürde – was sagt Ihr Bauchgefühl?</b><BR /><BR />Mair: Nach den vielen Gesprächen bin ich vorsichtig optimistisch.<BR /><BR />Baumgartner: Dass es klare Mehrheitsverhältnisse braucht, halte ich für positiv. So wissen wir, dass wir – falls die Entscheidung zugunsten der Fusion fällt – eine breite Rückendeckung haben. Ich bin überzeugt, dass wir einen fairen, gut vorbereiteten und zukunftsorientierten Vorschlag vorgelegt haben.<BR /><BR /><BR /><b>Sollten sich die Mitglieder für eine Fusion aussprechen: Wie sähe der weitere Zeitplan aus?</b><BR /><BR />Baumgartner: Wenn die Zustimmung erfolgt, könnte der zivilrechtliche Zusammenschluss im Laufe des Jahres erfolgen. Der operative Start wäre mit 1. Dezember 2026 vorgesehen. Die Vorbereitungen laufen im Hintergrund bereits.<BR /><BR /><BR /><b>Es ist nicht der erste Anlauf, die beiden Molkereien zusammenzuführen. Warum könnte es dieses Mal gelingen – hat es auch mit den handelnden Personen zu tun?</b><BR /><BR />Mair: Wir arbeiten sehr vertrauensvoll zusammen. Das ist eine wichtige Basis.<BR /><BR />Baumgartner: Und wir ergänzen uns gut. Jeder bringt seine Stärken ein.<BR /><BR /><BR /><b>Wer soll künftig das Ruder übernehmen?</b><BR /><BR />Baumgartner: Wir sehen die Geschäftsführung als Doppelspitze, wie in vielen großen Betrieben üblich. Ich sehe mich eher als Zahlenmensch, zuständig für Finanzen, Produktion und Abläufe.<BR />Mair: Meine Stärken liegen im Vertrieb, im Marketing und in der Marktentwicklung. Geplant ist daher eine Aufteilung der Geschäftsführung nach Themenfeldern.<BR /><BR /><BR /><b> Wie würde Ihnen die Idee gefallen, auch Sterzing und Meran unter einem Dach zu versammeln? Diese Vision tauchte in Südtirol schon vor 20 Jahren zum ersten Mal auf.</b><BR /><BR />Baumgartner: Die Studie wurde jetzt nur von Brimi und Bergmilch erhoben. Sollten in Zukunft auch andere Milchhöfe Interesse zeigen, an diesem Projekt mitzuarbeiten, dann stehen die Türen grundsätzlich offen. Wir arbeiten schon heute punktuell gut zusammen und sind bereit, über vertiefende Kooperationen nachzudenken – nicht heute, nicht morgen, sondern zu gegebener Zeit.<BR /><BR />Mair: Unser Fokus liegt klar auf der Fusion. Sollten sich auch die Mitglieder für einen Zusammenschluss entscheiden, dann wollen wir dies bestmöglich umsetzen.<BR /><BR /><BR /><i>Zur Fusion: Bergmilch (Mila) vereint rund 2.100 Mitglieder und steht für etwa die Hälfte der Südtiroler Milch bei einem Umsatz von 308 Millionen Euro. Der Milchhof Brixen (Brimi) zählt rund 1.000 Mitglieder und erzielt 130,5 Millionen Euro Umsatz. Gemeinsam käme die neue Genossenschaft auf rund 3.100 Mitglieder, 440 Millionen Euro Umsatz und eine Milchmenge von etwa 270 bis 280 Millionen Kilogramm pro Jahr. Damit würde der neue lokale Milchriese zu den zehn größten Molkereien Italiens aufsteigen.</i><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1275069_image" /></div>