Kurz zur Vorgeschichte: Das luxemburgische Versicherungsunternehmen FWU Life Insurance Lux ist im vergangenen Jahr in eine finanzielle Schieflage geraten. Nachdem auch der vorgelegte Sanierungsplan gescheitert ist, stellte die luxemburgische Aufsichtsbehörde einen Antrag auf Liquidation der Versicherung. Ende Jänner ordnete das Bezirksgericht Luxemburg daher die Auflösung der FWU Life Insurance Lux an (wir haben berichtet). Derzeit läuft das Liquidationsverfahren – bis 31. Juli 2025 werden FWU-Kunden vom Liquidator kontaktiert, um ihre tatsächlichen Forderungen anzumelden. Für die Bearbeitung der Fälle wurden ab diesem Zeitpunkt 3 Jahre anberaumt. Dann spätestens wird feststehen, wie viel die Geschädigten von ihrem eingezahlten Geld wiedersehen werden. <h3> „Täglich neue Fälle“</h3>In Südtirol dürfte es über 10.000 Geschädigte geben, vermutet Stefanie Unterweger, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS). Bislang hätten sich 1300 von ihnen bei der VZS gemeldet – täglich kommen neue hinzu. <BR /><BR />„Die Sache ist wirklich dramatisch. Im Versicherungsbereich ist mir kein Fall mit vergleichbar vielen Südtiroler Betroffenen bekannt“, sagt sie. „Man muss leider davon ausgehen, dass der finanzielle Schaden mitunter groß sein dürfte. Maximal ist nämlich der Rückkaufswert der Versicherungsverträge zu erwarten, nicht das eingezahlte Kapital.“<BR /><BR />Die FWU verkaufte in Südtirol teilweise sehr aggressiv sogenannte Kapitallebensversicherungen. Dabei handelt es sich nicht um klassische Sparverträge, wie man sie von Banken oder Vermögensverwaltern kennt, sondern um Versicherungsprodukte, bei denen Verbraucher regelmäßig (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich) Beiträge einzahlen. Am Ende der Vertragslaufzeit wird dann das angesparte Kapital ausgezahlt. Wenn die Verträge vorzeitig aufgelöst werden – freiwillig oder wie in diesem Fall zwangsweise – ist der Schaden groß.<h3> Rückkaufswert vs. eingezahlte Summe</h3>Unterweger führt zwei Beispiele aus der Praxis an: „In einem Fall hat jemand in 5 Jahren 5560 Euro eingezahlt, bei einem Vertrag mit einer Laufzeit von 35 Jahren. Stand heute würde er nur höchstens 71 Euro zurückbekommen, den gegenwärtigen Rückkaufswert. In einem zweiten Fall wurden 12.000 Euro in 10 Jahren an die FWU überwiesen, aktueller Rückkaufswert des Vertrags mit 44 Jahren Laufzeit: 5744 Euro.“<BR /><BR />Wie lässt sich diese Diskrepanz zwischen Rückkaufswert und Eingezahltem erklären? „Der Hauptgrund sind die Kosten. Am Anfang zieht der Anbieter viele Gebühren ab – zum Beispiel für Beratung, Abschluss, Verwaltung usw. Diese Kosten werden oft in den ersten Jahren mit den Beiträgen verrechnet. Das heißt: Ein großer Teil des eingezahlten Geldes fließt nicht in den Sparanteil, sondern geht direkt an die Versicherung bzw. in Form von Provisionen an den Verkäufer.“<BR /><BR />Kurzum: Die Lage für die Geschädigten ist in vielen Fällen ernüchternd. „Dennoch rate ich dazu, sich in die Betroffenenliste der VZS einzutragen.“ Dies gehe am besten per Mail an „info-fwu@verbraucherzentrale.it“. „Wir sind in ständigem Austausch mit anderen Verbraucherschutzorganisationen und Aufsichtsbehörden in Europa und können Informationen direkt weiterleiten. Zudem stehen wir beratend zur Seite.“ <h3> „Hände weg“ von diesen Produkten</h3>Zum Abschluss richtet Unterweger erneut einen Appell an Herrn und Frau Südtiroler: „Wir warnen seit 15 Jahren vor Kapitallebensversicherungen; und ich werde nicht müde zu betonen, dass diese Produkte kein Mensch wirklich braucht.“ <BR /><BR />Auch warnt sie FWU-Geschädigte eindringlich davor, „Fake-Lösungen“ von ehemaligen FWU-Agenten anzunehmen: „Es sind nichts anderes als neue Verträge für Kapitallebensversicherungen, nur eben von anderen Gesellschaften, nicht mehr von der FWU. Die Konditionen sind meist ähnlich unvorteilhaft, also Hände weg.“