<BR />Für Bauer Hansjörg Abraham aus Neumarkt herrscht derzeit Hochbetrieb. Die Apfelernte ist voll im Gange. Aktuell ist die Sorte Golden Delicious dran. Der Gala, mit dem traditionell die Erntesaison in Südtirol beginnt, ist bereits abgeerntet und abgeliefert. Für Abraham war es jedoch eine der letzten Gala-Ernten, denn übernächstes Jahr kommen die Bäume raus: „Der Kilopreis ist gering, vor allem bei dieser alten Mutante, weil sie nicht mehr richtig färbt und zu stark reift“, erklärt Abraham. Auch der Hektarertrag sei unbefriedigend.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071114_image" /></div> <BR /><BR />„Die Sorte Braeburn kommt ebenfalls nächstes Jahr weg“, fügt er hinzu. Zwar sei der Hektarertrag dort gut, doch die Preise seien ein „Lotteriespiel – je nachdem, wie gut der deutsche Markt läuft.“ Abraham plant, die beiden Sorten durch exklusive Klubsorten zu ersetzen.<BR /><BR />So wie Hansjörg Abraham denken viele Südtiroler Apfelbauern über ihre angebauten Sorten nach. Während Klubsorten aufgrund ihrer besseren Kilopreise immer begehrter werden, stellen sich Bauern besonders bei Standardsorten wie dem Gala die Frage: Ist es das noch wert? <h3> Gala: Kilopreise deutlich unter jenen von Klubsorten</h3>„Der Gala ist nach wie vor ein begehrter Apfel“, sagt Georg Kössler, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums. „Aber es stimmt, dass dieser Apfel mit dem Aufkommen neuer Sorten an Bedeutung verloren hat.“ Das liege daran, dass Standardsorten wie der Gala von jedem frei angebaut werden können. Dies führe zu einem Überangebot am Markt, der Preisdruck sei entsprechend hoch.<BR /><BR />Doch neben der Menge hat auch die Qualität Auswirkungen auf den Kilopreis. „Je nachdem, welche Mutante man angebaut hat, ist die Qualität eine andere“, erklärt Kössler. Während die neuen roten Klone eine gute Ausfärbung hätten, färbten sich ältere Mutanten angesichts der immer heißeren Sommer immer weniger und erzielen geringere Kilopreise. <BR /><BR />Laut Daten des Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) lag der Gala-Kilopreis der Qualitätsstufe I „Prima“ (alle Größenkategorien mitberechnet) vergangenes Jahr im Schnitt bei rund 0,75 Euro Brutto – 2022 waren es 0,66 Euro Brutto. Demgegenüber erzielen Klubsorten wie Pink Lady oder Kanzi bei entsprechender Qualität oft Preise von über einem Euro pro Kilogramm.<BR /><BR />Kein Wunder also, dass immer mehr Bauern bei den Sorten umdenken. Wie aus Daten des Südtiroler Apfelkonsortiums hervorgeht, ist die Anbaufläche der Gala zwischen 2019 und 2023 südtirolweit um 7,5 Prozent zurückgegangen.<BR /><h3> Anbaufläche der Standardsorten nimmt ab</h3>Noch deutlicher ist der Rückgang bei den Standardsorten Golden Delicious (minus 25 Prozent), Red Delicious (minus 31 Prozent) und insbesondere Braeburn (minus 41,7 Prozent). <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071117_image" /></div> <BR />Doch warum befindet sich gerade letztere Sorte so stark im Verschwinden? „Der Braeburn ist ein Apfel, der auf den Märkten Mitteleuropas von Großhandelsketten abgesetzt wird“, erklärt Georg Kössler. Die Verkaufspreise der in Südtirol angebauten Braeburn-Äpfel hängen stark davon ab, wie aufnahmefähig dieser Markt ist. „Sollte der Trend dahin gehen, dass der Markt verstärkt auf andere Apfelsorten setzt, fallen auch hier bei uns die Verkaufspreise“, so Kössler weiter.<BR /><BR />Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf den Anbau: Je geringer die Nachfrage, desto weniger wird die Sorte in Südtirol kultiviert.<h3> Heurige Gala-Ernte zufriedenstellend</h3>Eine erste vorsichtige Bilanz zur heurigen Gala-Ernte zieht Georg Kössler. „Es sieht danach aus, dass wir die prognostizierte Erntemenge von 100.000 Tonnen erreicht haben.“ Im Bio-Segment habe man jedoch einen Rückgang registriert.