Immer mehr Südtiroler sichern ihr Vermögen vor Entwertung ab, lassen es also nicht einfach auf dem Konto liegen, sondern legen ihr Geld an. Wie sie das machen, ist sehr unterschiedlich, bei den allermeisten spielen aber die Finanzmärkte eine wesentliche Rolle.<BR /><BR />Ob Indexpapier, Investmentfonds oder ähnliche Assets, sehr viele Anlagen schlossen 2021 mit einem kräftigen Plus ab. Der Positiv-Trend lässt sich an den Zuwächsen europäischer Börsen – Dax und Eurostoxx legten über 15 Prozent zu – ablesen. Etwas provokant formuliert: Es war 2021 schwer, sein Geld nicht zu vermehren. <BR /><BR /><b>„2021 war ein Jahr des Aufschwungs“</b><BR /><BR />„Der wohl wichtigste Grund für die gute Entwicklung waren die Gewinne der börsennotierten Unternehmen. Diese stiegen deutlich stärker als von vielen institutionellen Investoren Anfang 2021 noch erwartet. Im Schnitt lagen die tatsächlichen Erlöse mehr als 200 Prozent über den Erwartungen wichtiger Fondshäuser. 2021 startete etwas holprig, doch dann wurde es zu einem Jahr des Aufschwungs – real und an den Börsen“, sagt Malfér. Erst im letzten Quartal, als erneut die Hoffnung zerstört wurde, die Pandemie könnte überwunden sein und Omikron auftauchte, änderte sich die Stimmung wieder. Seither stelle man eine erhöhte Nervosität fest.<BR /><BR />Corona wird laut Malfér 2022 voraussichtlich nicht mehr das bestimmende Thema an den Märkten sein, die Risiken dürften andernorts lauern, vermutet er. „Die Börse preist Zukunftserwartungen ein, schließt also Wetten auf die Zukunft ab. Und ebendiese sehen viele Investoren im heurigen Jahr nicht uneingeschränkt rosig. Die positive Wirtschaftsentwicklung könnte sich zwar fortsetzen, weil die Auftragslage nach wie vor gut ist und die Umsätze der Unternehmen steigen könnten, allerdings stellen die Lieferengpässe und Preissteigerungen in vielen Bereichen ein ernstes Problem dar. Man sieht, dass die Erzeugerpreise im Jahresvergleich um über 20 Prozent angestiegen sind – diese höheren Kosten dürften die Gewinne der Unternehmen und damit auch die Renditen belasten.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-52368033_quote" /><BR /><BR />Eine weitere Gefahr könnte von der Inflation ausgehen: „Wenn sie sich als hartnäckig erweisen und in den Köpfen der Menschen manifestieren sollte, könnte dies negative Auswirkungen auf den Konsum und allgemein die Investitionsbereitschaft haben.“ <BR /><BR />Dies führt zwangsläufig zum Thema Zinspolitik und der schwierigen Frage nach dem rechten Maß: „Die Europäische Zentralbank wird sicherlich weiter sehr vorsichtig agieren und 2022 keine Zinserhöhungen vornehmen. Zu groß ist die Angst, die Wirtschaft abzuwürgen. Auch dürfte sie ihre Anleihenprogramme wie vorgesehen nur sehr langsam zurückfahren, um die Euro-Länder zu schützen, die ihrerseits sehr viel Liquidität benötigen werden, um den Umbau der Wirtschaft in Richtung mehr Klimafreundlichkeit zu finanzieren.“ Insgesamt würden die EZB und der Europäische Ausschuss für Systemrisiken, den es seit 2010 gibt, gewiss alles tun, um die Kapitalmärkte nicht einem unnötigen Stress auszusetzen.<BR /><b><BR />„Keine übertrieben positiven Erwartungen“</b><BR /><BR />Werden wir 2022 also mit einem Plus oder einem Minus beenden? „Vor übertrieben positiven Renditeerwartungen warne ich angesichts der erwähnten Risiken, allerdings halte ich auch eine länger anhaltende Talfahrt für eher unwahrscheinlich. Das heißt nicht, dass es nicht auch mal stärkere Korrekturen im kurzen Zeitraum geben kann. Diese sind an den Börsen immer mal wieder möglich und auch normal. Entscheidend ist, dass man sich als Anleger überlegt, wie viel man über welchen Zeitraum investiert.<BR /><BR /> Denn auf lange Sicht, und damit meine ich über den 5-Jahreszeitraum hinaus, lohnt es sich in den allermeisten Fällen, sein Geld weiterhin an den Finanzmärkten anzulegen. Erst Recht in Zeiten mit einer Inflationsrate von über 4 Prozent, die die Kaufkraft der Sparkonten schnell weniger werden lässt. Dafür braucht es auch keine Glaskugel.“<BR />